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Die Rapper K.I.Z. im Gespräch : Bisschen Kant abends

  • -Aktualisiert am

Was wünscht sich die Kanzlerin? Und was haben Drogen damit zu tun? Die Berliner Rap-Crew K.I.Z. im Gespräch über ihr neues Album „Hurra, die Welt geht unter“.

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          K.I.Z. sind eine Rap-Crew aus Berlin und schreiben die klügsten, genauesten Texte, die man von Rappern in Deutschland hören kann. Das heißt: Anders als vielen anderen Rappern unterläuft ihnen nichts, die Texte sind gemacht. Bisher waren sie für extrem lustige Battletracks („Frauen rufen an, ich lege auf wie mein DJ / Setze mich an den Computer und check mein she-males / Rockstars bloß ohne Klampfe und H / Rappt ruhig über Waffen und Geld / Doch es geht nur noch um Punchlines und Steaks / Schwänze draußen bis zur letzten Melodie / Man sagt die guten sterben jung, doch die besten sterben nie“) und extrem ironische und lustig-böse Sozialkritik bekannt („8 Uhr morgens - ich sitz’ auf dem Weg zur Arbeit im Bus / Les’ in der BILD-Zeitung nach, was heute getan werden muss / Zeit, einzugreifen, denn das Volk fühlt sich verraten / Ich hol’ Katzen vom Baum und helf’ alten Leuten über die Straße / Reit’ mit Lasso durch die Hood und nehme Kinder gefangen / Setze sie im Klassenraum ab und binde sie an / Steh’ am Kotti und schrei ,Tut was! Ihr lebt in diesem Land!‘ / Konfiszier’ den Alk und drück’ den Pennern Besen in die Hand / Hol’ das Gewehr raus und die Prostituierten kreischen / Ihr geht nich’ auf’n Strich - Hartz IV muss reichen! / Das ist Kapitalismus mit menschlichem Antlitz“).

          Jene Weise, Texte zu schreiben, wirkte stilprägend für eine Art von Rap, die nicht wirklich Straße oder Gangster ist, weil seine Verfasser einen anderen Hintergrund haben, die aber auch nichts mit harmlosem Studentenrap zu tun haben will. Das K.I.Z.-Prinzip war bisher: nichts wird ernst genommen, es darf über alles gelacht werden. Auf dem neuen und fünften Album ist das anders.

          Euer Album heißt „Hurra, die Welt geht unter“, was für euch ein positives Szenario ist. Warum?

          Maxim: Wenn Menschen an Apokalypse denken, denken sie zuerst an Plünderungen, Kannibalismus und Polizei. Jede Vision, die wir vom Ende haben, ist immer ein Ende des Staates, und das wird als Horrorvorstellung gesehen. Insofern ist jede Endzeitvision immer eine Liebeserklärung an unseren Staat und seine Wirtschaftsordnung. Wir haben uns so phantasiemäßig vorgestellt, wie es sein könnte, wobei es nicht darum geht, Vorschläge zu machen. Es geht eher um Poesie. Was natürlich auch kitschig wirkt. Der Kitsch besteht darin, sich zu trauen zu sagen: So wäre es schön. Allein der Gedanke, dass man sich eine andere Welt vorstellt, als die, die wir kennen, wird schon als Frechheit empfunden.

          Nico: Von Zynikern.

          Tarek: Oder von Leuten, die eben wirklich alles cool finden, wie es ist.

          Maxim: Ich finde es nicht schlimm, kitschig zu sein. Ich würde auch unterscheiden zwischen gutem Kitsch und schlechtem Kitsch. Guter Kitsch hat Inhalt und bedeutet, dass man sich nackt macht. Guten Kitsch können nicht alle unterschreiben. Schlechter Kitsch besteht aus Allgemeinplätzen.

          Viele Menschen, die beim Feuilleton arbeiten, betrachten Kitsch als Verbrechen.

          Maxim: Wenn es aber in Deutschland um die künstlerische Verarbeitung von etwas geht, das in irgendeiner Weise etwas mit dem Nationalgefühl zu tun hat, also wenn es um den Zweiten Weltkrieg oder Kinderschänder geht, dann wird das mit dem Kitsch plötzlich nicht mehr so eng gesehen. Da verzichtet Pro Sieben auf den Werbeblock, das wird ernst genommen.

          Ihr wart bekannt dafür, dass ihr überhaupt nichts ernst nehmt.

          Maxim: Man muss sich seiner Sache sicher sein, wenn man Dinge ernst meint. Bei ironischen Äußerungen muss man den eigenen Standpunkt ja nicht wirklich kennen. Deswegen sprechen ja so viele Menschen ironisch.

          Warum habt ihr euch für mehr Eindeutigkeit entschieden?

          Maxim: Wir haben größere Eier bekommen. Es hat mich genervt, dass ich nur cool bin, wenn ich ironisch rappe.

          Nico: Wenn das jetzt schon David Hasselhoff macht . . .

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