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Im Gespräch: Jerry Hall : Man darf nicht dumm sein

  • Aktualisiert am

Beim Gespräch in München Bild: Jan Roeder

Sie war mit Bryan Ferry liiert und über zwanzig Jahre lang mit Mick Jagger verheiratet. Im Interview mit der F.A.S. spricht Jerry Hall über die Vor- und Nachteile des guten Aussehens und erklärt, was man als Muse von Rockstars tun muss.

          5 Min.

          Mrs Hall, in Ihrem Buch neuen „Mein Leben“ erzählen Sie von der Vergangenheit. Ich würde mit Ihnen lieber über die Gegenwart sprechen.

          Jerry Hall: Die Gegenwart ist mein Lieblingsthema.

          Dann lassen Sie uns über die Schönheit sprechen: Wird die Schönheit überschätzt? Nehmen wir sie zu wichtig, zu ernst?

          Ich glaube, wir definieren Schönheit falsch.

          Jerry Hall 1993

          Was ist Ihre Definition?

          Wir sind besessen von der Jugend, wir leben in einer Jugendkultur, wir versuchen, unbedingt jung auszusehen - und damit blenden wir einen großen Teil des Lebens aus. Das Leben spielt auf so vielen Bühnen, und auf jeder von ihnen kann die Schönheit sich zeigen. Meine Mutter ist 86, und ich finde sie wunderschön. Es fehlt uns an Wertschätzung für den späteren Teil des Lebens.

          Haben Sie von der großen, tragischen Liebesgeschichte zwischen den Deutschen und ihrem jugendlichen, gutaussehenden ehemaligen Verteidigungsminister gehört?

          Nein, was ist passiert?

          Er musste zurücktreten, er hat seine Doktorarbeit abgeschrieben. Aber sie wollen ihn zurückhaben.

          Das ist beunruhigend, wenn die Leute von der Attraktivität eines Politikers so besessen sind.

          Vielleicht ist es immer beunruhigend, wenn Menschen zu gut aussehen. Vielleicht ist es sogar besonders gefährlich für den, der gut aussieht: Man lässt die Schönheit wirken. Und vergisst dabei, dass es auf noch ein paar andere Dinge ankommt?

          Ja klar, das ist eine große Gefahr.

          Sind Sie je in Gefahr gekommen?

          Sie müssen wissen, dass es mich immer zu den Künsten und den Künstlern hingezogen hat. Das hilft in diesem Fall. Als Model zu arbeiten, das hat für mich ohnehin nie geheißen: hübsch auszusehen. Es ging darum, eine interessante Geschichte zu erzählen, und was man dann sah, war immer Ergebnis einer gemeinsamen Arbeit: mit dem Fotografen, mit dem Modedesigner. Ich hatte das Glück, mit einigen der besten unter ihnen zusammenzuarbeiten. Und wenn Sie zum Beispiel die dunklen und befremdlichen Bilder von Helmut Newton betrachten, Bilder, die eine ganze Geschichte erzählen, dann sehen Sie auch: Hübsch auszusehen reicht einfach nicht.

          Das klingt, als ob Sie über die Kunst sprächen. Geht es nicht nur um Mode?

          Mode kann, genauso gut wie Kunst oder Musik, ein Ausdruck dessen sein, was uns beschäftigt, worüber wir nachdenken, was der Geist einer Zeit ist. Es ist paradox: Mode wird für den Moment gemacht. Aber erst im Rückblick zeigt sich, wie gut sie als Ausdruck ihrer Zeit war. Wie gut sie etwas zeigte, was sich anders nicht artikulieren konnte.

          In Ihre Zeit fällt der Aufstieg der Models - von namenlosen Kleiderständern zu Berühmtheiten, ja zu Stars. Eine Frage, die uns hier draußen, außerhalb der Modewelt, seitdem beschäftigt: Wofür eigentlich wurden die Models so berühmt? Worin bestand ihr Verdienst?

          Sie können zurückschauen - bis zu Griechen und Römern: Die Schönheit ist immer gefeiert worden: schöne Jungs, schöne Mädchen. Die Schönheit wird gefeiert, weil sie so zerbrechlich ist. Und weil sie so vergänglich ist. Bald wird sie weg sein, wir müssen sie feiern, solange sie dauert.

          Aber erklärt das schon den Aufstieg der Models zu Stars in den Achtzigern?

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