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Im Gespräch: Grandmaster Flash : Dürfen Ihre Kinder Hiphop hören, Mister Saddler?

  • Aktualisiert am

Joseph Saddler, alias Grandmaster Flash: Illustration von Burkhard Neie/xix Bild:

Er nennt sich Grandmaster Flash und hat vor dreißig Jahren den Hiphop und die DJ-Kultur mit erfunden. Ein Gespräch mit Joseph Saddler über seine Autobiographie, Rap, Labels und ein neues Album.

          6 Min.

          Man solle, so wurden wir gewarnt, Joseph Saddler bloß nicht als „Rapper“ bezeichnen, er könnte ungemütlich werden. Aber dann ist der Mann, der sich Grandmaster Flash nennt, seit er vor dreißig Jahren den Hiphop und die DJ-Kultur mit erfand, doch ein angenehmer Gesprächspartner.

          Sie haben gesagt, Ihre Autobiographie zu verfassen sei die schmerzlichste Erfahrung Ihres Lebens gewesen.

          War es auch. Ich habe noch nie so viel am Stück geweint. Während der Interview-Sitzungen mit meinem Koautor David Ritz mussten wir immer wieder Pausen machen - weil mich alle Niederlagen meines Lebens eingeholt haben: die geplatzten Plattenverträge; die Drogensucht; die Enttäuschung, dass mich meine besten Freunde betrogen hatten. All das hatte ich in einer Art innerem Tresor weggesperrt. Erst als wir nach einigen Wochen durchwaren, habe ich gemerkt, dass eine große Last von meinen Schultern gefallen war.

          Eine Autobiographie als Therapie?

          Mir hat es geholfen. Das habe ich gemerkt, als ich das neue Album aufgenommen habe: Alles ging viel leichter von der Hand, weil ich die alten Schmerzen nicht mehr gespürt habe. David hat sie mir gezogen wie einen faulen, kaputten Zahn. Mit dem Buch gehört meine Geschichte nun allen. Ich habe nichts ausgelassen. Wenn jemand mich einen Ex-Junkie oder sonst etwas nennt, soll er das ruhig tun.

          Mit den DJs Kool Herc und Afrika Bambaataa zählen Sie zu den Begründern des Hiphop. Reich geworden sind die Rapper - vor allem jene, die nach Ihnen kamen. Ärgert Sie das?

          Ich kann mich nicht beklagen: Jeder im Hiphop begegnet mir mit Respekt - von den Fans bis zu Superstars wie Jay-Z. Ich finde auch nicht, dass mir irgendjemand irgendetwas anderes als Respekt schuldet. Genau das war ja mein Problem: Ich habe viel zu lange geglaubt, dass ganz viele Leute mir etwas schulden. Ich war verbittert. Ich kam nicht hinweg über falsche Freunde und fehlende Anerkennung. Sugar Hill Records hatte die Musik von Grandmaster Flash & The Furious Five millionenfach verkauft. Abgespeist haben die uns mit ein paar Autos. Ich fühlte mich vom Leben betrogen.

          Wie sind Sie da wieder herausgekommen?

          Indem ich gelernt habe, mich als jemanden zu sehen, der trotz allem unheimlich reich beschenkt wurde. Als DJ habe ich die Möglichkeit, Leute überall auf der Welt zum Ausflippen zu bringen - Leute, deren Sprache ich nicht einmal verstehe. Wenn das kein Geschenk Gottes ist, was dann? Und Geld verdiene ich dabei auch noch. Wenn jemand das machen kann, was er liebt, und das liebt, was er beruflich macht, regelt sich alles Weitere von selbst. Davon bin ich mittlerweile überzeugt.

          Vor einem Interview mit Ihnen wird man davor gewarnt, Sie als "Rapper" anzusprechen. Kommt es wirklich vor, dass der Begründer des DJ-Wesens im Hiphop immer noch als Rapper bezeichnet wird?

          Nicht mehr so häufig. Mittlerweile wissen die meisten Gott sei Dank, was ich mache und was einen Rapper von einem Hiphop-DJ unterscheidet. Aber den Ausdruck "Rap" als Synonym für Hiphop habe ich noch nie gemocht.

          Warum nicht?

          Weil er die drei anderen Elemente unterschlägt, die zusammen mit dem Rap den ganzen Hiphop ausmachen: das Breakdancing, die Graffiti und das DJ-Wesen. Wenn es nach mir geht, sollten live mindestens zwei dieser vier Elemente auf der Bühne vertreten sein.

          Das kommt nur noch selten vor.

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