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Im Gespräch: Diana Krall : Warum können Sie nicht im Stehen singen, Mrs Krall?

  • -Aktualisiert am

Ist es Ihnen wichtig, dass das neue Album Ihren Zwillingen gefällt?

Klar. Aber deswegen habe ich es natürlich nicht aufgenommen - jedenfalls nicht in erster Linie. Es ist auch nicht so, dass ich den beiden den ganzen Tag meine Platten vorspielen würde. Ich höre - wie übrigens die meisten Musiker - meine Alben, wenn sie mal veröffentlich sind, ohnehin kaum noch an. Es war einfach so, dass ich den Mix vom neuen Album im Auto dabei hatte und diese Kinderkassette unmöglich ein weiteres Mal hören konnte. Also habe ich gesagt: „Jetzt ist Mami mal dran!“ Und siehe da: Es hat ihnen gefallen.

Lernen Ihre Kinder ein Instrument?

Sie fangen gerade damit an. In der Schule. Wir wollen das nicht zu sehr vorantreiben, weil man in dem Alter eigentlich frei wie ein Vogel sein sollte.

Wie haben Sie mit der Musik begonnen?

Mein Vater spielte Klavier. Bei uns stand immer ein Instrument herum. Angefangen habe ich mit „Hey Jude“. Ich habe nach Gehör gespielt und mir Songs beigebracht, ohne groß zu wissen, was ich da mache.

Bekamen Sie auch Unterricht?

Als ich vier war. Meine erste Klavierlehrerin lebt heute noch in der Straße, in der auch mein Vater zu Hause ist. Sie mochte Boogie- Woogie, spielte auf allen Hochzeiten und war einfach die Klavierspielerin in unserer Stadt. Auch später hatte ich immer Glück mit meinen Lehrern und Mentoren: John Clayton, Jeff Hamilton, Tommy LiPuma und viele andere. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ihr erstes Album haben Sie vor fast zwanzig Jahren aufgenommen. Und Musikerin sind Sie noch viel länger.

Im Grunde war ich mit fünfzehn schon Profi.

Also sind Sie seit...

Das rechnen Sie jetzt bitte nicht aus!

Gemessen daran, dass Sie zwanzig Millionen Platten verkauft haben und schon so lange im Geschäft sind, wirken Sie noch immer recht selbstkritisch.

Glauben Sie mir, ich zerfleische mich immer noch selbst. Ich kann bis zum Unerträglichen selbstkritisch sein, was meine Musik und mein Spiel angeht. Andererseits brauche ich nicht wirklich das Urteil anderer Leute, um zu wissen, ob das, was ich mache, gut ist oder nicht. Das mache ich mit mir selbst aus. Und mit meinen engsten Freunden. Bei dem neuen Album hatte ich durchaus erwartet, dass der eine oder andere fragt: Warum hast du ein solches Album gemacht? Das hat ja gar nichts mit „The Look of Love“ zu tun! Das ist bislang aber nicht passiert.

Sie haben einmal gesagt: Ich bin eine Klavierspielerin, die auch singt. Und nicht wirklich eine Sängerin. Gilt das immer noch?

Klar. Ich bin keine Cassandra Wilson, keine Diane Reeves, keine Sarah Vaughan. Ich bin die, die ich bin.

Das bedeutet?

Ich habe kein Problem damit, einmal nicht zu singen. Im Gegenteil: Paul McCartney nur mit dem Instrument zu begleiten, hat großen Spaß gemacht. Ich bin sicher auch nicht die großartigste Klavierspielerin der Welt. Ich glaube aber, dass ich eine ziemlich gute Begleiterin bin - und das ist gar nicht so leicht. Beim Begleiten kann man viel falsch machen. Vor allem darf man nicht zu viel spielen.

Fühlen Sie sich als Sängerin wohler, wenn Sie am Klavier sitzen?

Zu einem Konzert in Florida kam einmal Chick Corea. Ich habe ihn auf die Bühne gebeten, und wir haben zusammen „How Deep Is The Ocean“ gespielt. Ich habe mir extra einen Stuhl besorgt, damit ich beim Singen nicht stehen musste. Ich glaube, Chick Corea hat meine Anspannung bemerkt. Jedenfalls hat er beim Spielen gesagt: „Hast du das Diana- Krall-Lick gehört, das ich eben gespielt habe?“ Im Stehen zu singen ist wirklich schwierig für mich. Da fühle ich mich komplett unwohl. Als ich es einmal versucht habe, musste ich vorher erst einmal ein Glas Wein runterkippen. Und danach war ich immer noch steif. Nein, stehend singen - das geht bei mir überhaupt nicht.

Zur Person

* Diana Krall wird am 16. November 1964 in Nanaima auf Vancouver Island/Kanada geboren. Mit vier Jahren spielt sie Klavier, mit fünfzehn tritt sie in Restaurants auf.
Krall gewinnt ein Stipendium für das Berklee College of Music in Boston.
* Unterricht nimmt sie bei dem Jazzpianisten Jimmy Rowles, dem Mann, der Marilyn Monroe das Singen beibrachte. Rowles überzeugt Diana Krall, dass sie auch das Zeug zur Sängerin hat. Ihr erstes Album erscheint 1993. Ihr zweites, „All for You“, wird für einen Grammy nominiert.
* Ihre Mutter stirbt 2002 an Leukämie, seitdem engagiert sich Diana Krall in einer Stiftung zur Erforschung des multiplen Myeloms, einer Krebserkrankung des Knochenmarks.
* 2003 heiratet sie den Rock-Musiker Elvis Costello. Die Hochzeit findet auf dem Landsitz ihres gemeinsamen Freundes Elton John statt. Ende 2006 kommen die Zwillinge Dexter und Frank zur Welt.
*„Glad Rag Doll“ ist ihr elftes Studioalbum. Im November tritt Diana Krall in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf.
 

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