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Im Gespräch: Diana Krall : Warum können Sie nicht im Stehen singen, Mrs Krall?

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Wenn man sich T-Bone Burnett ins Studio holt, steht eines schon vorher fest: Am Schlagzeug wird Jay Bellerose sitzen, und den Bass spielt Dennis Crouch. Mit den beiden arbeitet er praktisch immer zusammen. Als Gitarristen habe ich mir Marc Ribot gewünscht, weil mir schon immer gefallen hat, wie er etwa auf den Alben von Tom Waits spielt. Er war es auch, der mit seiner verrückten Gitarre unsere Version des Ray-Charles-Hits „Lonely Avenue“ in ein siebenminütiges, wildes Psychedelic-Stück verwandelt hat. Wollen Sie es hören? (Diana Krall springt zur Stereoanlage.)

Viele Songs auf dem neuen Album stammen überwiegend aus den zwanziger und dreißiger Jahren. Weshalb?

Ich bin mit den Schellacks meines Vaters aufgewachsen. Er mochte Musiker wie Bix Beiderbecke, in die ich mich schon als Kind verliebt habe und die heute kaum noch einer kennt. Als wir mit den Aufnahmen begannen, meinte der Gitarrist Marc Ribot: „Wow, das sind aber tolle Songs, die du da ausgegraben hast!“ Da habe ich ihm geantwortet: „Das sind einfach nur die Platten von meinem Dad!“ Aber wissen Sie, wer es mir von allen am meisten angetan hat? Gene Austin. Seine Version von „Let It Rain“ ist wunderbar. Hören Sie mal, wie toll der gesungen hat! (Diana Krall startet den Song auf ihrem Smartphone.)

Kann man Ihr neues Album mit dem letzten von Paul McCartney vergleichen: „Kisses on the Bottom“, seiner Hommage an die swingende Lieblingsmusik seines Vaters? Darauf spielen Sie Klavier, und Sie haben die Songs arrangiert.

Nein, es sollte kein Tribute-Album werden. Ich habe einfach nur Songs ausgewählt, die mir gefallen und die ich neu interpretieren wollte. Vor allem sollte das Album keine Nostalgie-Übung sein. Deswegen hatte ich eine Zeitlang richtig Panik: Ich wusste, dass ich diese alten Songs spielen wollte. Aber ich hatte keine Vorstellung, wie.

Dafür gibt es ja den Produzenten.

Mit T-Bone hat es wirklich Klick gemacht. Allerdings erst am zweiten Studiotag, weil er am ersten noch krank war. Da hingen wir alle im Studio und wussten nicht, was wir tun sollten. Als er dann aufkreuzte, war das so, wie wenn man in ein Kaleidoskop schaut und ganz hinten ein buntes, wunderbar geordnetes Muster sieht.

Welchem Muster folgt Ihr neues Album?

Mir fällt es immer schwer, meinen Alben einen Stempel aufzudrücken. Für mich ist das einfach mein „Song and Dance“-Album. Es hat hoffentlich etwas von der Wildheit der Vaudeville-Shows, der Musik und den Tanzrevuen der zwanziger und dreißiger Jahre, die auch die Fotos zum Album inspiriert haben. Manches ist fast Rock’n’Roll-haft, anderes dafür umso leiser und zarter.

Sind Ihre Zwillingssöhne eigentlich so etwas wie Ihre ersten Kritiker?

Bislang haben sie sich eigentlich nur für die Musik ihres Vaters interessiert. Und dann natürlich für die der Beatles. Dexters Lieblingssong ist „Fool on the Hill“, Frank liebt „Strawberry Fields Forever“ - auch, weil er so gern Erdbeeren isst. Von „Revolver“ kennen die beiden jeden Song. Dank meiner Söhne höre ich ziemlich viel Beatles. Vor allem im Auto.

Mamis Musik finden die beiden nicht so gut?

Bislang war das jedenfalls so. Okay, ihnen gefällt „Hit that Jive Jack“ von meinem Nat- King-Cole-Album. Aber das ist eine Ausnahme. Allerdings scheint sich das mit dem neuen Album zu ändern. Dexter mag „Wide River to Cross“, diesen tollen Buddy-Miller-Song, den ich zusammen mit Elvis singe. Er nennt es den „Song, wo du zusammen mit Daddy singst.“ Frank mag unsere Psychedelic-Version von „Lonely Avenue“, die Dexter ein wenig unheimlich findet.

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