https://www.faz.net/-gqz-11m9b

Im Gespräch: der Musikproduzent Akon : Mit Michael Jackson! In ein öffentliches Lichtspielhaus!

  • Aktualisiert am

Ein Freund schneller Autos und gängiger Melodien: Aliaune Akon Thiam Bild: Universal Music

Er hat wie Johnny Cash Musik für Gefängnisinsassen gemacht. Jetzt will der Sänger, Songwriter und Hip-Hop-Produzent Aliaune Akon Thiam Michael Jackson wieder auf die Beine helfen. Ein Gespräch über Hip-Hop, Country und die Lehren von Gefängnisaufenthalten.

          5 Min.

          Er hat wie Johnny Cash Musik für Gefängnisinsassen gemacht. Jetzt will der Sänger, Songwriter und Hip-Hop-Produzent Aliaune Akon Thiam Michael Jackson wieder auf die Beine helfen. Ein Gespräch über HipHop, Country und die Lehren von Gefängnisaufenthalten.

          Man kann kaum noch das Radio anschalten, ohne Ihre Gesangslinien zu hören. Selbst Michael Jackson soll sich jüngst um Ihre Dienste bemüht haben.

          Das war einer der besten und gleichzeitig peinlichsten Telefonanrufe meines Lebens. Ich kannte natürlich die Stimme aus dem Hörer. Aber würde Michael Jackson mich anrufen? Das musste ein schlechter Scherz meines Agenten sein. „Hör schon auf, dich zu verstellen“, sagte ich. Erst als mein Agent und Michael gleichzeitig sprachen, merkte ich, dass es Ernst war.

          Nach den Hip-Hop- will Akon auch die Country-Charts erobern
          Nach den Hip-Hop- will Akon auch die Country-Charts erobern : Bild: AP

          Sie sind dann mit Jackson für ein paar von Ihnen geschriebene Songs ins Studio gegangen.

          Wir lagen auf einer Wellenlänge, hatten dieselben Ideen, begeisterten uns für dieselben Melodien. Sie werden es bald auf Michaels neuem Album hören! Vor allem war ich erstaunt, was für ein cooler, bescheidener Typ Michael Jackson ist.

          Fühlen Sie sich als gleichberechtigter Partner?

          Ja. Ich glaube, wir sind sogar so etwas wie Freunde geworden. Irgendwann sagte Michael: „Lass uns doch ins Kino gehen.“ In ein öffentliches Lichtspielhaus! Ich hatte keine Ahnung, wie er das anstellen wollte, ohne einen Menschenauflauf zu verursachen. Aber er band sich und seinem Sohn einfach einen Schal nach Beduinenart ums Gesicht. Und ich machte es ihnen nach. So passierten wir alle drei ohne jeden Zwischenfall die Kinokasse.

          Ihr neues Album mit Gästen wie Lil Wayne, Wyclef Jean und T-Pain klingt, im Gegensatz zu seinen Hip-Hop-lastigen Vorgängern, poppiger.

          Der Sound ist einfach internationaler geworden. Ich will weg vom Hip-Hop-Getto und hin zu den schönen Melodien. Schließlich möchte ich neue Hörerschaften in aller Welt erreichen.

          Gehört dazu auch, dass Sie gerade als Country-Produzent Karriere machen?

          Allerdings, aber nur unter Pseudonym. Mein Name ist zu sehr mit Hip-Hop verbunden, als dass die Country-Gemeinde jemanden wie mich akzeptieren würde. Das passt nicht zum Image. Was ich Ihnen allerdings versichern kann: Ein Song von mir befindet sich sogar in den Charts. Als Nächstes werde ich mir ein ganzes Country-Album vornehmen. Ich möchte der erste schwarze Künstler sein, der die Country-Charts knackt.

          Da sind Ihnen Ray Charles und Charley Pride aber lange zuvorgekommen.

          Das waren doch nur Ausnahmen von der Regel, wenn Sie sich mal die vielen weißen Gesichter im Country-Fernsehen ansehen. Ich nehme jedenfalls an, dass ich im Moment der prominenteste Schwarze im Country-Geschäft bin.

          Wie sind Sie als Sohn eines senegalesischen Einwanderers zu dieser immer noch mit weißen amerikanischen Hinterländlern assoziierten Musik gekommen?

          Ich habe Country bereits als Kind entdeckt. Immer wieder haute mich so ein genialer Vers um. Deswegen hatte ich mein Ohr dauernd am Radio. Ich erinnere mich an einen Song über einen Jungen, der so gerne mehr Zeit mit seinem Vater verbracht hätte. (singt) „If I’m grown up, I just wanna be like you, dad.“

          Inzwischen haben Sie es Ihrem Vater Mor Thiam, einem weltbekannten Djembe-Spieler, gleichgetan.

          Als Kind habe ich mit Dad gesungen und getrommelt. Er hat mir die Grundausbildung verpasst. Ich spreche auf dem Titelsong meines neuen Albums „Freedom“ vom Umzug meiner Familie aus Senegal nach New Jersey, da haben Sie meine Autobiographie in drei Minuten.

          Es heißt allerdings, dass Sie Ihren Lebenslauf früher verfälscht haben.

          Sie sprechen von der Gefängniszeit: dass ich gar nicht so lange hinter Gittern saß. Ein Fehler, den du begehst, bleibt immer an dir kleben. Ich habe deswegen viel negative Presse bekommen. Aber sehen Sie, Journalisten lieben nun einmal dramatische Geschichten.

          Dabei ist Ihr Leben schon dramatisch genug. Sie unterhalten als Ex-Häftling eine eigene Plattenfirma, ein Modelabel und haben zwei Lamborghinis, einen Maserati und einen Bentley in der Garage stehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.