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Herbert Grönemeyer : Der Bundespräsident des deutschen Pop

  • -Aktualisiert am

Kaum verändert: Grönemeyer nebst Jugendbildnis Bild: dpa

Einer für alle: Mit seiner neuen Best-of-Platte ist Herbert Grönemeyer an die Spitze der Charts gestürmt. Sie beweist, warum Grönemeyer der mit Abstand erfolgreichste Vertreter der Deutschrock-Ära ist.

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          Eigentlich eine Unverschämtheit: Da wartet Axl Rose geschlagene fünfzehn Jahre mit der Veröffentlichung eines neuen Guns-N’-Roses-Albums, nur um sich den Von-null-auf-eins-Einstieg in die deutschen Album-Charts von einer gleichzeitig veröffentlichten Herbert-Grönemeyer-Best-Of vermasseln zu lassen. Freundliche Biederkeit gegen unnahbare Hybris: 1 zu 0.

          „Was muss muss“ (Grönland/EMI) ist in seiner burschikosen Bodenständigkeit ein typischer Grönemeyer-Albumtitel. Hört man das unchronologisch zusammengestellte Doppelalbum durch, muss man nach erster Verwunderung über den unvergleichlichen Erfolg dieser oft etwas grobmotorisch schnaufenden Musik einsehen, warum Grönemeyer der mit Abstand erfolgreichste Vertreter der Deutschrock-Ära ist: Der Bochumer ist der Bundespräsident des deutschen Pop. Bei diesem Vermittler und Integrator hört man immer, wie der gesunde Menschenverstand singt. Grönemeyer transzendiert eine WM-Hymne zum Lied über mangelnde Solidarität im Land, er singt von der Fehlbarkeit des Menschen, von Männern, Kindern und Currywürsten, und am Ende bleibt keiner draußen stehen.

          Das relativ neue „Stück vom Himmel“ zeigt den Grönemeyer von heute am besten: Anfangs noch reine Matsch-Skulptur, packt es den Hörer irgendwann mit dem patentierten Herbert- Grönemeyer-Moment, einem Moment, in dem ein sehr deutscher Mann (der sich dieses Deutschseins bewusst ist) an etwas ganz Großem kratzt, und alle – die „Wetten, dass. . ?“-Gucker auf dem Sofa, die Taxifahrer-Armeen, die Bahnsteigwartenden und die Milchkaffeetrinker in den Großstadtcafés – alle werden dann gemeinsam klein und nachdenklich. Das macht Grönemeyer so gut, dass selbst notorische Zyniker für einen Moment vor lauter Ergriffenheit vergessen, dass in diesem Song überhaupt nichts Neues erzählt wird. Einer für alle!

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