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Heavy Metal : Was für schöne, laute Sommernächte

  • -Aktualisiert am

Besingen ein Leben, das wir gar nicht durchhalten würden: Motörhead Bild: Robert John

Der Juli war vielleicht recht heiß. Der August aber wird die Hölle: Er beginnt am Freitag mit der Veröffentlichung von „Christ Illusion“, dem neuen Album von Slayer, an seinem Ende wird „Kiss of Death“ von Motörhead in den Läden stehen, und der Begriff Inferno wäre viel zu harmlos, um auch nur vage zu beschreiben, was da auf uns zukommt.

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          Kann ja sein, daß dieser Juli recht heiß war - aber der August: Der wird die Hölle. Er beginnt am Freitag mit der Veröffentlichung von „Christ Illusion“, dem neuen Album von Slayer, an seinem Ende wird „Kiss of Death“ von Motörhead in den Musikgeschäften stehen, und der Begriff Inferno wäre viel zu harmlos, um auch nur vage zu beschreiben, was da auf uns zukommt.

          Denn es geht bei der Sache nicht einfach nur um neue Platten von ein paar Männern, denen unpraktisch lange Haare in allen möglichen Richtungen aus den mit Kriegs-, Folter- und Fegefeuer-Phantasien angefüllten Köpfen herauswachsen. Es geht um weit mehr als nur um Heavy Metal. Es geht darum, daß da von zwei verschiedenen Seiten an den Toren der Hölle gerüttelt wird, damit wir hinterher, wenn das durchgestanden ist, alle wieder besser schlafen können.

          Wenn es eines nicht ist, dann spaßig

          Dieser August wird mörderisch, aber an seinem Ende werden wir wieder ein paar Kriterien und Maßstäbe mehr haben, was Härte, Aggression und Geschwindigkeit betrifft. Jemand muß dasein, der uns diese Maßstäbe setzt, und es sieht ganz so aus, als seien es immer noch, nach all den Jahren, Slayer und Motörhead, die diesen unangenehmen, anstrengenden Job für uns erledigen müssen. Wenn diese aufreibenden Exkursionen an die Grenzen dessen, was möglich und vorstellbar ist in der Rockmusik, nämlich eines ganz bestimmt nicht sind, dann ist das: Spaß. Hier wird noch mit heiligem Ernst an ästhetischen Werten gearbeitet, total humorfrei und absolut unironisch. Damit wird man aber zuverlässig zum Gegenstand von Ironie.

          Gehen dahin, wo es uns viel zu weh täte: Slayer
          Gehen dahin, wo es uns viel zu weh täte: Slayer : Bild: Warner Music

          Wenn heute jemand eine Referenz für baumaschinenartigen Lärm benötigt, dann sagt er: Slayer. Wer ein Synonym für blinde Wut und hirnlose Gewalttätigkeit sucht, nimmt: Slayer. Wer seiner Freundin damit imponieren will, was für einen furchtlosen Musikgeschmack er hat, vergrault sie immer noch am zuverlässigsten mit Slayer. Und sogar der lustige Farin Urlaub von den Ärzten trällerte auf seiner letzten Soloplatte, was er sich wünsche, sei „ein MP3-Player / mit alles von Slayer“.

          Bei Motörhead ist es noch schlimmer: Das Logo der Band findet sich heute schon auf Kinderkleidung bei H&M; das Baby des Fotografen Jürgen Teller fand sich, im Motörhead-Strampler abgelichtet, auf dem Katalogumschlag einer Juwelenauktion wieder, und wenn erwachsene Männer, solche, die Anzüge und Verantwortung tragen, den Eindruck haben, sie könnten irgendwie zu langweilig wirken, dann behaupten sie entweder, sie seien „fußballverrückt“ - oder im Grunde ihres Herzens Fans von Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister; und sie behaupten das in einem Tonfall, als würden sie dem Mann dabei zärtlich über seine monströsen Warzen streicheln.

          Lemmy Kilmister, der Gegenpapst des Rock 'n' Roll

          Es ist schon ziemlich herablassend, wie die Welt mit den Leuten umgeht, die ausziehen, um tapfer und selbstlos mit den bösen Drachen zu kämpfen, die uns alle bedrohen. Slayer hießen ja ursprünglich sogar wirklich mal Dragonslayer - damals, 1982, als sie anfingen, mal nachzuschauen, was sich eigentlich jenseits der Territorien befindet, die von der sogenannten New Wave of British Heavy Metal damals bereits abgesteckt waren und von Bands wie zum Beispiel eben Motörhead beherrscht wurden. Und es ist schon deshalb im Grunde nichts anderes als wieder einmal die Geschichte von der Alten und der Neuen Welt, die hier erzählt werden müßte. Vielleicht verhalten sich Motörhead und Slayer aber auch nicht viel anders zueinander als das Papsttum und der protestantische Fundamentalismus, beides natürlich unter strikt negativem Vorzeichen. Wenn nämlich das Gerede von der Achse des Bösen irgendwo Sinn haben sollte, dann hier.

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