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Comeback von Guns N’ Roses : Dämonen der Vergangenheit

Die Fans mochten gar nicht mehr daran glauben: Guns N’ Roses feiert nach 23 Jahren ein Comeback in Fast-Originalbesetzung. Bild: AFP

Guns N’ Roses kehrt zurück: Axl Rose, Slash und Duff McKagan stehen wieder gemeinsam auf der Bühne und feiern alte Zeiten. Bleibt nur die Frage: Haben sie auch etwas für die Zukunft zu bieten?

          Wer je ein Konzert der Gitarren-Ikone Slash besucht hat, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren: Die Fans goutierten zwar die neueren Songs seiner Bands wie „Slash's Snakepit“, „Velvet Revolver“ oder „Slash ft. Myles Kennedy and the Conspirators“ und applaudierten freundlich. Feiern aber wollten sie ihren coolen Gitarristen von Guns N' Roses. Der mit seiner Tingeltangelbob-Frisur, dem Zylinder, der Sonnenbrille selbst bei Dunkelheit und der lässigen Gibson Les Paul in der Hand bei jedem Solo-Konzert Band-Evergreens wie „Sweet child of mine“ zum Besten gab und – wie früher bei Guns N' Roses – als Zugabe nach „Paradise City“ lud. Inklusive Pyro-Kanonen natürlich und schnellem Solo.

          Guns N' Roses, deshalb waren die Fans gekommen! Um wenigstens ein Stück der Band zu erhaschen, die nach dem endgültigen Split der Originalbesetzung Mitte der neunziger Jahre, dem Austausch unfreundlicher Botschaften über die Medien, nach Skandalen und Eskapaden ihres exzentrischen und aggressiven Frontmannes Axl Rose zu einem Mythos im Popgeschäft geworden war. Slash war das lebendige Maskottchen, das seit dem Bruch für einige Konstanz am Tourhimmel sorgte, fleißig Soloalben herausbrachte und als Pappaufsteller in jedem zweiten Gitarrenladen Gewähr dafür trug, dass Guns N' Roses nicht in Vergessenheit geriet. Rose war dazu kaum in der Lage, da er jahrelang abtauchte und wie ein Phantom nur ab und an von der Boulevardpresse gesichtet wurde. Auch eine Möglichkeit, am Mythos zu arbeiten.

          2012 wurde die Band in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen. Mit dabei waren Matt Sorum, Duff McKagan, Slash, Steven Adler (v.l.n.r.) und Gilby Clarke. Axl Rose und Izzy Stradlin schwänzten.

          An ein Comeback der Combo glaubte lange Zeit keiner mehr. „Not in this lifetime“ (“nicht in diesem Leben“), hatte Axl Rose in einem Interview gesagt, und auch Slash winkte nur müde ab, wenn er auf einen möglichen gemeinsamen Auftritt mit der Band angesprochen wurde – Lieblingsfrage der Journalisten. Für seine Verhältnisse geriet er regelrecht unwirsch, wenn er einmal mehr über sein zerrüttetes Verhältnis zu Rose ausgefragt wurde und die verpassten Chancen und das viele Geld, das die Band sich hatte durch die Lappen gehen lassen, weil sie viel zu früh und vor allem freiwillig abgetreten war. Obwohl Guns N' Roses in veränderter Besetzung und nur mit dem Originalmitglied Axl Rose nie aufgehört hatte zu existieren, war die Band – oder das, was die Fans von ihr erwarteten – praktisch tot.

          Bis zum Freitag: Rose, Slash und Bassist Duff McKagan haben es trotzdem getan, das Comeback – 23 Jahre nach dem letzten gemeinsamen Konzert, und das mit aller Ironie, die gealterten Superstars der MTV- und Stadionrock-Ära zur Verfügung steht. „Not in this lifetime“ heißt die Tour, die Guns N' Roses zumindest in anteiliger Originalbesetzung in Las Vegas startete und die die Band in Nordamerika fortführen wird. „Not in this lifetime“: Da zitieren sich die Altmeister selbst, und auch wenn nicht wirklich neues Songmaterial zu erwarten war, so ist wenigstens die Ironie neu.

          Duff McKagan (Mitte) trat bereits 2014 mit Axl Rose (links) auf.

          Nicht die Tatsache, dass die Band wie üblich mehr als zwei Stunden auf sich warten ließ, überraschte die Fans: Sänger Axl Rose, der früher zumindest ein Dauerläufer auf der Bühne war, thronte während des Konzerts auf einem Stuhl, weil er sich kürzlich einen Fuß gebrochen hatte (angeblich stammt der Thron von „Foo Fighter“ Dave Grohl, der im vergangenen Jahr ebenfalls verletzt auftreten musste).

          Eine Woche zuvor hatten die drei Originalmitglieder zusammen mit Dizzy Reed, der schon zu Zeiten der „Use your Illusion“-Tour am Keyboard saß, Gitarrist Richard Fortus, Drummer Frank Ferrer und Neumitglied Melissa Reese am zweiten Keyboard einen ersten Testballon im „Troubadour“ gestartet, jenem legendären Club in Los Angeles, wo die Karriere der Band in den Achtzigern Fahrt aufnahm.

          Dabei kam es zur Verletzung. Rose twitterte: „Das hier kann passieren, wenn man etwas tut, was man fast 23 Jahre lang nicht gemacht hat.“ Seine Orthopädin kündigte im Netz an, dass Rose den Fuß weitere vier Wochen nicht belasten dürfe – die nächsten Konzerte finden also auch im Sitzen statt.

          Fuß kaputt, Stimme intakt

          Der Fuß kaputt, die Stimme dafür umso besser und so gut wie lange nicht mehr. Das Programm selbst wartete nicht mit großen Überraschungen auf. Selbst das „Godfather“-Theme, das zu Beginn der neunziger Jahre zum Standardrepertoire gehörte, durfte nicht fehlen, natürlich mit direkter Überleitung zu “Sweet child of mine“. Ansonsten eine wenig überraschende Mischung aus Guns N' Roses-Klassikern wie „Welcome to the jungle“ und „November Rain“, längst eingebürgerten Coversongs wie „Knockin' on heavens door“ und auch Material aus der Nach-Slash-Ära der Band, als die Stimme zwar die gleiche war, aber der Sound der Band insgesamt den Wiedererkennungswert eingebüßt hatte.

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