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Ginger-Baker-Tribute in London : Eric Clapton und der ganze verhasste Hype

  • -Aktualisiert am

Ginger Baker in den Achtzigerjahren Bild: akg-images / Jazz Archiv Hamburg

Der Blues lebt und riecht auch nicht komisch: Eric Clapton, Steve Winwood und andere ehren das ungesellige Schlagzeug-Genie Ginger Baker.

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          Ihr Treffen am 13. Mai 1966 in Oxford sollte Musikgeschichte schreiben. Dabei war es von Zweifeln, aber auch von gegenseitigem Respekt geprägt: „Ginger Baker wirkte auf jedermann herablassend und ungesellig, beinahe asozial. Aber er hatte dieses gewisse Etwas, war hochbegabt und besaß jede Menge Flair und Elan. Er wirkte äußerst stilbewusst,“ erinnert sich Eric Clapton an die Gründung von Cream, jenem Trio mit Jack Bruce, das bald darauf mit seiner improvisatorischen Energie erstmals alle Grenzen zwischen Blues, Rock und Jazz spielerisch überwinden sollte. Als der Schlagzeuger Baker den Leadgitarristen von John Mayalls Bluesbreakers fragte, ob er nicht mit ihm zusammen eine neue Band gründen wolle, spürte Clapton, dass „er wohl etwas in mir sah, was ich nie gesehen hatte“.

          Auch bei dem Nachfolgeprojekt Blind Faith, jener früh zu Tode geliebten Super-Supergroup mit Steve Winwood und Rick Grech, betätigte sich Baker als zielstrebiger Geburtshelfer: Eines Abends, so erzählt Eric Clapton, jammte er in seinem gerade erworbenen Herrenhaus Hurtwood Edge mit dem Keyboarder Steve Winwood, als der Schlagzeuger hereinschneite und sofort anfing, sein Schlagzeug aufzubauen: „Gingers Erscheinen machte mir Angst, weil ich das Gefühl hatte, dass wir unversehens wieder eine Band werden und der ganze mir aus Cream-Zeiten verhasste Hype wieder anlaufen könnte.“

          Binnen Minuten ausverkauft

          So kam es dann auch. Heute weiß Clapton, was er den Initiativen Bakers zu verdanken hat. So konnte es kaum überraschen, dass er nach Ginger Bakers Tod bekanntgab, mit einem Benefizkonzert Bakers Leistungen noch einmal zu würdigen. Wer genau bei diesem „Tribute To Ginger Baker“ im Londoner Hammersmith-Eventim-Apollo auf der Bühne stehen würde, blieb lange unklar. Gleichwohl waren die knapp neuntausend Eintrittskarten binnen Minuten ausverkauft.

          Das Licht verlöscht, und über der Bühne beginnt ein Bild von Ginger Baker aufzuleuchten: Mit diabolischem, gleichwohl charmantem Lächeln gleicht Peter Edward, so nennt Clapton ihn noch heute, hier dem Porträt von Abraham Lincoln. Die Bühne wirkt wie ein Trommel-Laboratorium: Vier komplette Drums-Sets sind aufgebaut, Gitarrenverstärker und Keyboards verschwinden da fast. Nach einem Film, in dem Baker seinen unnachahmlichen Stil erläutert, betritt Clapton als Zeremonienmeister die Bühne. Und gleich die erste Besetzung, die er aufruft, hat es in sich: Roger Waters von Pink Floyd bedient bei drei Cream-Klassikern den Bass und findet hörbar Spaß daran, der Improvisationslust und jazzigen Synkopierung seines Vorgängers Bruce nachzueifern.

          Die knochentrockenen Versionen von „Sunshine Of Your Love“ und „Strange Brew“ werden von zwei Trommlern, Steve Gadd und dem Fusion-Jazz-Spezialisten Sonny Emory, befeuert, die für einen massiven Beat und einen modernisierten Sound sorgen. Als dann noch Ron Wood von den Rolling Stones mit giftigen Wah-Wah-Injektionen „White Room“ seziert, wird klar, dass hier keine formlose All-Star-Feier stattfindet, sondern dass Clapton zusammen mit dem Produzenten Nile Rodgers skrupulöse Neu-Arrangements der Psychedelic-Blues-Klassiker ausgearbeitet hat. Der britische Keyboarder und Sänger Paul Carrack, bei Mike & the Mechanics bekanntgeworden, demonstriert in dem selten von Clapton gespielten „I Feel Free“, dass er über ein ähnliches Timbre wie der 2014 verstorbene Jack Bruce verfügt und den vierundfünfzig Jahre alten Gassenhauer mit neuer Magie aufladen kann. Dass daran auch Nile Rodgers entscheidenden Anteil hat, wird spätestens in „Tales Of Brave Ulysses“ klar. Wie sein Seelenverwandter Prince tanzt Rodgers mit messerscharfen Licks durch seine glitzernden Soli, ein Black-Music-Matador, der dem White-Boy-Blues von Cream & Co nachträglich noch Credits in den Clubs von Harlem einbringt!

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