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Zum Tod von Chris Barber : Für immer Eiscreme

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Die Fanfare des Dixieland-Jazz: Chris Barber (1930 bis 2021) Bild: dpa

Sein Stück „Icecream“ wurde als Fanfare des Dixieland-Jazz so bekannt, dass es sogar parodiert wurde. Indem man ihn als Epigonen beschreibt, wird man Chris Barber aber kaum gerecht. Zum Tod des Posaunisten und Bandleaders.

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          Das Stück ist so untrennbar mit ihm verbunden wie „New York, New York“ mit Frank Sinatra, „Take Five“ mit Dave Brubeck oder „Strange Fruit“ mit Billie Holiday. Chris Barber hat die Jazz-Schnulze „Icecream“ zeitweilig so populär gemacht, dass Kollegen mit einer Song-Parodie dagegen ästhetischen Widerstand leisteten: „I scream to end all Icecream.“ Genutzt hat es nichts. Der Song ist die Fanfare des Dixieland-Jazz geworden, die Chris Barber bis zu seinen letzten Auftritten vor etwa drei Jahren immer wieder als Zugabe spielte. Überhaupt wurde seine Musik zum Inbegriff des fröhlichen Hot-Jazz-Revivals der fünfziger Jahre, als Skiffle-Groups mit Waschbrett, Banjo, Teekistenbass und selbstgebautem Schlagzeug die Innenstädte in ganz Europa belebten, zugleich aber auch bissige Kommentatoren ihre Stimme erhoben und mit der Skiffle-Mode die gesamte Szene des traditionellen Jazz verdächtigten, eher zur Förderung des Bierkonsums als zur musikalischen Bildung beizutragen.

          Solche Urteile waren allgemein ungerecht und im Fall von Chris Barber ganz besonders. Denn der Mann aus Hertfordshire war alles andere als ein naiver Amateurmusiker mit ausgeprägtem kommerziellen Instinkt. Barber hatte die Guildhall School of Music and Drama absolviert, in den ersten Nachkriegsjahren in Großbritannien einige der wichtigsten Jazzmusiker um sich geschart und so das Vereinigte Königreich zu einem Zentrum des Old-Time-Jazz gemacht.

          Mehr noch: Chris Barber ist es früh schon gelungen, zum Teil auf eigene Kosten Bluesmusiker wie Sonny Boy Williamson, Muddy Waters oder Sister Rosetta Tharpe im Londoner Marquee Club auftreten zu lassen, wo eine ganze Generation angehender Rockmusiker mit den Originalen ihren eigenen populären Stil entwickeln konnte.

          Wenn Bill Wyman, langjähriger Bassist der Rolling Stones, in seiner Autobiographie davon sprach, ohne Chris Barber hätte es keine Stones, keine Kinks oder The Who gegeben, so steckt darin mehr als ein Körnchen Wahrheit. Überliefert ist jedenfalls, dass Brian Jones, vielleicht der genialste der Rolling Stones, Abende damit verbracht habe, im Marquee Club dem Bottleneck-Stil der amerikanischen Blues-Veteranen zuzuhören, bis er seine eigene Version von „Dust My Broome“ mit entsprechender Slide-Technik auf der E-Gitarre ausstatten konnte.

          Auch die Musiker aus den Bands von Chris Barber, etwa der Gitarrist Lonnie Donegan, waren frühe Vorbilder für die angehenden Superstars der Rockmusik. Nur konsequent erscheint es deshalb, dass die Queen nicht nur die Beatles mit dem niederen Adelstitel auszeichnete, sondern auch Chris Barber für seine Verdienste um das britische Kulturgut Rockmusik ehrte.

          Mit seiner Musik hat Barber dem traditionellen Jazz auch in Deutschland, wo er häufig zu Gast gewesen ist, enormen Auftrieb gegeben. Seine Adaption von Sidney Bechets „Petite Fleur“, gespielt von seinem Klarinettisten Monty Sunshine, war einer der erfolgreichsten Pophits der fünfziger Jahre. Vor gut drei Jahren konnte man Chris Barber mit seiner Posaune noch auf der Bühne erleben. Bald darauf musste er nach einem Sturz seine Karriere beenden. Am Dienstag ist er im Alter von neunzig Jahren gestorben.

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