https://www.faz.net/-gqz-x1hp

Foo Fighters in Berlin : Uuh, Baby, schüttel dein Haar

  • -Aktualisiert am

Unerreicht in der Domäne des Mähneschüttelns: Dave Grohl von den Foo Fighters Bild: REUTERS

Die Foo Fighters kamen nach Berlin und es kam sofort Festivalstimmung auf. Dave Grohl ließ seine Mähne wehen und schrie sich seine Wut aus dem Bauch. Und mehr bedarf es ja auch nicht für ein gutes Rockkonzert.

          2 Min.

          Es gebe vier Wege, die man beherrschen sollte, um ein Bier zu öffnen: mit dem Feuerzeug, mit einer zweiten Flasche, an einer Kante und mit den Zähnen, referiert ein Mitreisender in der Berliner S-Bahn. Damit kann er hier punkten: Junge und nicht mehr so junge Biertrinker in den entsprechenden T-Shirts machen sich auf gen Osten, in die Wuhlheide, wo heute die Foo Fighters spielen.

          Es herrscht direkt Festivalstimmung, als um Punkt acht die Foo Fighters vor rund 15.000 Menschen die Bühne betreten. Die Foo Fighters sind im Wesentlichen Dave Grohl, der einst dem Grunge ein Korsett trommelte. Der ehemalige Schlagzeuger von Nirvana versammelt heute bis zu sieben Musiker um sich; der Fixstern des amerikanischen Stadionrocks seiner Band bleibt aber immer er: Wie er sich bei „Learn to fly“, einem Pop-Rock-Hit aus früheren Tagen, begeistert die Kehle aus dem Hals brüllt; wie er sich für die Fotografen in der ersten Reihe extra posiert; wie er zu solo geschmetterten Rockriffs die lange schwarze Mähne vor und zurück wirft - frei nach Helge Schneider: Uuh, Baby, schüttel dein Haar für mich! Das können Models für Haarpflegeprodukte auch nicht besser.

          Kein Funke Grunge

          Mit einem vierfachen „hi“ als Schlachtruf begrüßt Grohl sein Publikum: „This is our biggest fucking headlining show ever in Germany!“ Grohl ist der charmante, großspurige Straßenköter, der er war, geblieben, obwohl er mittlerweile ein Großrockstar ist. Hinter der Bühne lugen riesige Lkws und Bandbusse hervor, in denen Grohl samt Hofstaat von Stadion zu Arena reisen. Er rülpst noch einmal herzhaft ins Mikrofon, wofür ihm eine Begeisterung entgegenschlägt, wie sie sonst wohl nur ein verhätschelter Säugling für seine Verdauung erfährt.

          Aus tiefstem Augenwinkel: Dave Grohl in einem Moment der inneren Einkehr

          Und schon spielt er seine nächsten Gassenhauer. Ob „All My Life“, „Never Talking to You“ (eine Coverversion von „Hüsker Dü“ oder „One“) - diese Lieder belegen im oftmals so verächtlich gemachten Genre der eingängigen Stadionhymnen allesamt oberste Plätze und entbehren jedes Fünkchens Grunge, wie er für Nirvana typisch war. Das Schlagzeug und stellenweise drei Gitarren knallen hübsch zu einfachen, aber nicht einfallslosen Arrangements, dazu wechselt Grohls dominantes Organ zwischen Kreischen und mittellautem Gesang. Auch die Stücke des jüngsten Albums „Echoes, Silence, Patience and Grace“, das vergangenen Herbst erschien, stehen in bester Tradition, wie die Vorab-Single „The Pretender“. Nach einem leisen Intro mit Grohlscher Melancholie zu sparsamen Gitarren setzt ein dickes, vorantreibendes Schlagzeugspiel ein, in das Grohl wütend hineinschreit.

          Der Laden muss laufen, notfalls alleine

          Die Schäfchenwolken am Himmel färben sich rosa, Zeit für eine romantische Blues-Rock-Nummer. „Skin and Bones“ mit Anleihen aus dem Folk besteht nicht nur aus Haut und Knochen, vielmehr fahren die Foo Fighters die volle Mannschaft auf: neben dem Frontmann, Schlagzeuger und Bassisten zwei weitere Gitarristen, ein Percussionsist und ein Organist. Die Bühne ist in warmes Orange getaucht. Nach der getragenen Nummer stellt der Platzhirsch großmäulig seine Kollegen vor. Wie in seiner Musik trägt er auch in den proletenhaft lustigen Ansagen sein klischeebeladenes Rockstargetue immer mit einer Prise Selbstironie vor.

          Danach schmeißt Grohl den Laden wieder alleine. Auf der in blaues Licht getauchten Bühne zupft er seine Akustikgitarre und fragt sich und sein Publikum, das nun allen Ernstes die Feuerzeuge ausgepackt hat: „If everything could ever feel this real forever/ If anything could ever be this good again?“ Aber er wäre nicht Dave Grohl, sondern wohl eher einer wie Jon Bon Jovi, wenn er es bei einer Schmusenummer beließe. Plötzlich rennt die komplette Mannschaft wieder auf die Bühne und zaubert aus dem eben noch reduzierten „Everlong“ einen krachigen, treibenden Pop-Rock-Song. Es gibt vier Dinge, die eine gute Rockband bedienen sollte: Gitarrensoli, Stellen zum Mitsingen, Witze reißen und Mähne-Schütteln.

          Weitere Themen

          Touristenboom auf Kosten der Natur? Video-Seite öffnen

          Grönland : Touristenboom auf Kosten der Natur?

          Mit seiner wilden Natur und der unberührten Landschaft lockt Grönland immer mehr Touristen an. In den Regionen im Osten freuen sich zwar viele über die Entwicklung, doch sie fürchten auch Negativfolgen.

          Topmeldungen

          Parteitag der Grünen : Alles scheint möglich

          Die Grünen profitieren enorm von der Debatte über den Klimaschutz. Auf ihrem Parteitag in Bielefeld wollen sie sich inhaltlich trotzdem weiter öffnen. Und eine Frage schwebt über allem: Wird es einen grünen Kanzlerkandidaten geben?

          Impeachment-Ermittlungen : Sie macht nur Ärger

          Am zweiten Anhörungstag der Impeachment-Ermittlungen wird klar, wie Donald Trump die frühere amerikanische Botschafterin in Kiew aus dem Weg räumen ließ.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.