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Zum Tod von Glenn Frey : Flügelmann der Eagles

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Da war die Zeit, für die The Eagles einmal standen, schon lange vorbei: Glenn Frey im Juni 2009 in Belfast. Bild: AP

Zusammen mit Don Henley bildete er, neben den Männern von Abba, das einflussreichste, verkaufsträchtigste Songschreiber-Duo der siebziger Jahre. Zum Tod von Glenn Frey, Gitarrist und auch Sänger der Eagles.

          Die Eagles kamen aus allen Richtungen; auch das wird zu ihrem einzigartigen, uramerikanischen Universalismus beigetragen haben. Glenn Frey stammte aus Detroit, wo man es, zumal im Motown-Imperium, aber auch abseits davon, mit der Hege und Pflege von künstlerischer Individualität nicht so hatte und es auf jeden Fall rauher zuging als in Kalifornien, zu dessen Synonym die Band dann fälschlicherweise wurde. Der Rest kam aus Texas, dem Mittleren Westen, dem hohen Norden und eben Kalifornien.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Wie aus dieser personell hochexplosiven Mischung ein derart perfektes, anfangs vier-, später fünfköpfiges Kommerzmonster hervorgehen konnte, das verlässlich Studioalben ablieferte, die mit Hits verschwenderisch gespickt waren, das wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Zusammen mit dem Schlagzeuger Don Henley bildete Frey, neben den Männern von der schwedischen Gruppe Abba, das einflussreichste, verkaufsträchtigste Songschreiber-Duo der siebziger Jahre, das von hartem Rock über flirrenden Bluegrass bis hin zu schmalzigen Balladen, in denen sich Country geheimnisvoll mit Disco mischte, so ziemlich alles draufhatte, was vor Punk und Rap wichtig war.

          Bei den Eagles konnten alle singen; Henley konnte es sicherlich am besten, eigentlich ist er die „Stimme“ dieser Band, schon weil er den allergrößten Hit „Hotel California“ intonierte. Aber danach kam Frey, der mit seinem zurückhaltenden, warmen Timbre sehr laid-back, fast wie ein klassischer Singer-Songwriter agierte; beste Beispiele sind „Take it Easy“, „Tequila Sunrise“, das wunderbare „Lyin’ Eyes“ und natürlich „New Kid in Town“, der Gegenhit zu „Hotel California“. Auch im Wechsel mit Henley funktionierte das prächtig, wie man an „Doolin-Dalton“ und „After the Thrill is Gone“ hören konnte. Frey konnte aber auch überzeugend rockig-angestrengt singen, wobei seine Stimme in den Hochlagen etwas kunstvoll Gepresstes bekam.

          The Eagles - It s Your World Now from The Eagles on Vimeo.

          Die handwerkliche Meisterschaft und die makellose Interpretation (nicht nur) der Lieder von Don-Henley/Glenn-Frey und die zwischen Hedonismus und Kulturkritik schwankenden Texte haben leider dazu geführt, dass es irgendwann üblich wurde, sich abfällig über die Eagles zu äußern. Was an den Beach Boys noch bewundert wurde – dass sie imstande waren, den Soundtrack für eine Region, eine Epoche, ein Lebensgefühl einzuspielen –, nahm man den Eagles als Ausverkauf nicht näher benannter Ideale übel. Das musste sie aber nicht kümmern, die meiste Zeit waren sie damals ohnehin im Vollrausch.

          Glenn Frey ist im Alter von 67 Jahren gestorben.

          Der zermürbende Lebensstil, bei erst allmählich, 1976, nach dem epochalen Album „Hotel California“, nachlassender Produktivität, dazu schlimme Streitereien trieben alle in eine Solokarriere. Henley und Frey machten ihre Sache am besten. Schon Freys Debüt „No Fun Aloud“ (1982) war eine solide, sich in Richtung Soul bewegende Platte. Die eigentlichen Gassenhauer wurden dann aber die Stücke, die er meistens mit dem Songschreiber Jack Tempchin verfasste und mit denen das Achtziger-Jahre-Kino beschallt wurde: „The Heat is On“, der großartige „Smuggler’s Blues“ und „Part of Me, Part of You“ in Ridley Scotts „Thelma and Louise“. Zuletzt brachte er eigene, gelegentlich etwas steril wirkende Interpretationen amerikanischer Klassiker abseits vom Rock’n’Roll heraus.

          Die Eagles taten sich aber immer wieder zusammen. Neues Material zu liefern hatten sie kaum nötig, die Hitkollektionen werden noch Jahrzehnte vorhalten. Die Band aber wird es wohl nie mehr geben: Glenn Lewis Frey ist am Montag siebenundsechzigjährig in New York gestorben.

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