https://www.faz.net/-gqz-q1n6

Eric Clapton : Der Gottgleiche

  • -Aktualisiert am

„God” wird sechzig: Eric Clapton Bild: AP

Die „Beatles“ und die „Rolling Stones“ hätten ihn aufgenommen; doch er wäre für sie zu gut gewesen. Der Gitarrenvirtuose Eric Clapton hat alle Höhen und Tiefen erlebt - und überlebt. An diesem Mittwoch wird er sechzig.

          5 Min.

          Während viele Rockmusiker ihre runden Geburtstage feiern, wird immer deutlicher, daß an die Stelle von Können und Interessantheit längst ein anderer Maßstab zu deren Beurteilung getreten ist - das Überleben.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Dieses war im Grunde nicht vorgesehen in einer Kunstform, die mehr als jede andere auf Schnelligkeit und Selbstverzehrung aus ist. Wer sich darauf verstand, ohne dabei sein Leben zu lassen, sah sich irgendwann vor die Notwendigkeit gestellt, den einmal erworbenen Ruhm zu verwalten, ohne dabei seine Würde zu verlieren oder einfach bloß langweilig zu werden.

          Der Ruhm der frühen Tage

          Für den britischen Gitarristen Eric Clapton stellte sich diese Frage besonders dringlich, aber der Ruhm seiner frühen Tage war auch besonders groß. Er gründete sich auf etwas, das für die Rockmusik und deren Wirkung nur in Ausnahmefällen eine Rolle spielt: Virtuosentum. In der berühmten Zeile, die einst auf Londoner Hauswände geschmiert wurde - „Clapton is God“ -, verdichtete sich eine fast hysterische Wertschätzung, die vom Lebenswandel des Geehrten absah und sich ausschließlich auf seinen musikalischen Rang bezog.

          „God” wird sechzig: Eric Clapton Bilderstrecke

          Tatsächlich war Clapton einer der wenigen, die das Ideal des Gitarrenhelden restlos ausfüllten; nach dem Tod seiner Kollegen Jimi Hendrix und Duane Allman war er der einzige. Unter den Briten war der ehemalige Kunststudent seit der legendären Platte mit John Mayalls „Bluesbreakers“ von 1965 ohnehin der Beste. Jimmy Page, Jeff Beck und Peter Green traten, bei den „Yardbirds“ oder eben bei den „Bluesbreakers“, ja erst in seine Fußstapfen, während er, dem die klassische Rock-'n'-Roll-Band rasch zu eng wurde, sich schon in anderen Sphären bewegte.

          Unbestrittene Meisterschaft

          Vielleicht hat nichts so sehr zu seiner Ausnahmestellung beigetragen wie die Zeit bei „Cream“ mit Jack Bruce und Ginger Baker. Wie keine andere Gruppe erhob dieses Trio die von taktischen und kommerziellen Erwägungen freie Improvisation zum Musizierprinzip und wurde gerade damit so erfolgreich. Erst hier, von 1966 bis 1968, spielte Clapton sich auf der Grundlage der bei den „Bluesbreakers“ erworbenen, maßgeblich von B.B. King inspirierten und seither von niemandem mehr bestrittenen Meisterschaft frei.

          Fortan konnte er machen, was er wollte - jeder wollte ihn haben: Die „Beatles“ holten ihn ins Studio für ein Sologitarrenspiel auf „While My Guitar Gently Weeps“, das so intensiv war, daß es aus dem gemäßigt temperierten Musikantentum der anderen eklatant herausstach. Man merkte sofort, daß hier jemand am Werk war, der ein paar PS mehr unter der Haube hatte. Die „Beatles“ hätten Clapton wohl auch ganz bei sich aufgenommen, wenn Harrison damals das Handtuch geworfen hätte.

          Er wäre zu gut gewesen

          Von den „Rolling Stones“ lag nach dem Tod von Brian Jones ebenfalls ein Angebot vor. Jeder andere hätte sich dafür die Hand abgehackt; aber „Slowhand“, wie er seit seiner Jugend genannt wird, wäre vermutlich zu gut für solche Gruppen gewesen und hätte deren Rahmen gesprengt. Er empfand seine Attraktivität als Zumutung und reagierte verstört auf die Verheißungen, die sie mit sich brachte. Er schien für den Status des absoluten Solisten wie geschaffen, war ihm aber psychisch nicht gewachsen.

          Die Personalien um ihn, denen weitere prominente Engagements bei der Kunstrockgruppe „Blind Faith“ und dem Großensemble „Delany and Bonnie“ folgten, signalisierten eine grundsätzliche Unsicherheit, mit der dieser fast schon zu selbstkritische Musiker zu kämpfen hatte. Statt sich mit seinem zündenden Spiel in den Mittelpunkt zu schieben, verhielt er sich, zur Enttäuschung seiner Anhängerschaft, oft rein assistierend. Ihm ging es um die richtige Art des Musizierens, das er, immer auf der Suche nach der einen, richtigen Note, die den Hörer ins Herz trifft, eher in Schüben als kontinuierlich weiterentwickelte.

          Sein fruchtbarstes Jahr

          Weitere Themen

          Staunen und posaunen

          Black Jazz Records : Staunen und posaunen

          Ein schwarzes Label feiert goldene Hochzeit: Black Jazz Records, einst eine wichtige Firma für junge Musiker, kennt kaum noch jemand. Ein Konzert in Berlin belebt jetzt eine große Tradition.

          Topmeldungen

          Will nicht weichen: Baschar al Assad am Mittwoch in Idlib

          Syrien-Konflikt : Wer Schutz verspricht, muss schützen

          Seit Jahren wird über sichere Zonen in Syrien diskutiert, doch nie waren die Umstände widriger. Nato-Mitglieder zweifeln an Deutschlands Motiven – derweil spielen russische und türkische Einsatzkräfte vor Ort ihre Macht aus.
          Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im September bei der Kartoffelernte in Heichelheim.

          Linkspartei in Thüringen : Ganz anders als gedacht

          In Thüringen führt Bodo Ramelow seit fünf Jahren die erste rot-rot-grüne Regierung. Am Sonntag will er wiedergewählt werden. Selbst ohne eigene Mehrheit könnte er im Amt bleiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.