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„Erdmöbel“ im Interview : „Was geht, Muschikatz?“

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Sie tanzen den Fandango: „Erdmöbel” Bild: Sony

In ihrem neuen Album hat die Band „Erdmöbel“ Hits von Tom Jones bis Robbie Williams so witzig wie ironielos verdeutscht. Das geht? Das geht. Wie das trotz Übersetzungsproblemen geht, verraten die vier Musiker aus Köln im Interview.

          „Was geht, Muschikatz?“ Hits von Tom Jones bis Robbie Williams hat die Band „Erdmöbel“ so witzig wie ironielos verdeutscht. Das geht? Das geht.

          Zwölf Nummer-eins-Hits von 1965 bis 2001, Wort für Wort ins Deutsche gebracht. Da liegt der Gedanke einer ironischen, parodistischen Absicht nahe.

          Ekki Maas: Wir haben irgendwann beschlossen, sogar schon vor der ersten Platte, dass wir das mit den Witzen seinlassen, weil das kein Mensch versteht. Wir haben versucht, diese Sachen, die einmal populär waren, auf eine Ebene zu bringen, wo sie wieder schön sind.

          „Erdmöbel”, lebend

          Markus Berges: Ganz ironiefrei. Wir wollen uns nicht über irgendetwas lustig machen, schon gar nicht über das Nummer-eins-Hitmäßige, das genau das war, was uns fasziniert hat: dass das einmal alle fasziniert und alle umgehauen hat.

          Maas: Eben auch normale Leute, keine Kenner. Das ist es, worunter wir all die Jahre gelitten haben: dass wir eine Kennerband sind. Das wollen wir nicht sein. Wir haben jetzt ein bisschen Last mit alten Fans, die uns gepachtet haben für ihr Exzentrikertum. Darauf kann man keine Rücksicht nehmen. Wir sind Musiker, wir machen Musik, die muss sich verändern, sonst ist sie nicht schön.

          Muss gut sein, was alle gut finden? Gibt es eine Objektivität der Nummer eins?

          Berges: Tatsächlich war unser Programm der Ausschluss des subjektiven Faktors. Das klassische Coveralbum ist ein Lieblingsliederalbum. Das ist uns zu nah an der Idee, uns selbst auszudrücken, uns musikalisch selbst zu verwirklichen. Das machen wir normalerweise schon nicht, und diesmal sind wir besonders weit gegangen, indem wir diese Idee hatten - eine Eingebung eher als etwas Ausgedachtes. So haben wir Titel ausgewählt, an denen uns natürlich irgendetwas gefällt. Es war aber auch immer irgendetwas daran, das uns richtig gestört hat.

          Maas: Als Produzent mache ich immer wieder die Erfahrung: Wenn man es richtig macht, ist jeder Song schön. Wir haben so extreme Sachen wie „Riecht wie Teen Spirit“, den „Nirvana“-Song, der gar nicht mehr als Song wirkt. Daran hängt die ganze Legende von diesem Mann, der sich umgebracht hat, und diese Generation, die sich nach ihm benannt hat - ganz grauenvoll. Ich wollte diesen Song auch nicht machen, aber alle anderen haben gesagt: Muss jetzt sein. Das Stück ist gut, und vielleicht haben wir es hingekriegt, dass nicht mehr Kurt Cobain das singt, sondern das Stück selber singt.

          Verschwunden ist der „Mulatto“, der auch ein „Albino“ ist.

          Berges: Es gab eine Version mit dem Albino und eine mit dem Mulatten. Er reimte sich auf „eine Matte, Caffelatte, gut in Mathe“.

          Maas: Wir haben dann gesehen, dass man es nicht wörtlich übersetzen sollte. Da wird mit rassistischen Sachen gespielt, die im Deutschen nicht funktionieren.

          Berges: Zum Teil habe ich sehr wörtlich übersetzt, zum Teil musste ich sehr weit weggehen vom Original, um genau diesen Eindruck zu erzeugen. Ich bekomme den Text erzählt, den mir auch schon das Original erzählen wollte. Eigentlich ist das unser Ziel gewesen, dass man das Gefühl bekommt: Hej, jetzt verstehe ich endlich einmal das Original.

          „A Whiter Shade of Pale“ wird zu „Fahler als nur fahl“, und wo bei „Procul Harum“ steht „We skipped the light fandango“, heißt es nun genau umgekehrt: „Wir tanzten den Fandango.“

          Maas: Wir haben uns das so erklärt, dass es wahrscheinlich im Englischen eine Reihenfolge gibt: Wenn man den Fandango auslässt, dann macht man es nicht richtig. Und das gibt es ja nicht in Deutschland. Wir haben nicht wirklich Tanzkurse gemacht, aber . . .

          Christian Wübben: Wenn du den Wiener Walzer auslässt . . .

          Maas: (singt) Wir ließen den Wiener Walzer aus . . . Der Fandango musste unbedingt drin sein.

          Wolfgang Proppe: Ich habe die erste Zeile mein ganzes Leben lang ganz anders verstanden: „We skipped the light“, wir machten das Licht aus, Fandango - Fandango als Name. Ich habe nie richtig darüber nachgedacht, das war so meine Version.

          Maas: Viele Engländer verstehen das auch so. Wir ließen das Licht aus, Fandango! Und deswegen wird auch dieser Text als schwachsinnig empfunden, weil gleich die erste Zeile nicht verstanden wird.

          Berges: Es ging für uns darum, erst einmal diese Assoziation klarzukriegen. Jemand wie ich, wenn er das dann hört, weiß: Das muss wohl ein Tanz sein, sonst könnten sie den nicht tanzen.

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