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Englands neuer Popstar Mika : Finden Sie, ich sollte älter aussehen?

  • -Aktualisiert am

Wird wohl ein Überflieger: der britische Sänger Mika Bild: Universal Music

Es gehört nicht viel dazu, um ihm eine große Karriere im Musikbusiness zu prophezeien - es sei denn, man ist blind und taub oder eingefleischter Death-Metal-Fan: Mika besingt Grace Kelly und klingt dabei, als wäre er die neue Queen.

          Popalarm in Großbritannien: Nun kommt es also doch noch, das große Popalbum, auf das man 2006 vergeblich warten musste. Das gender- und generationsübergreifende Mainstream-Album, das man Robbie Williams oder den Scissor Sisters wirklich gerne aus den Händen gerissen hätte, hätte es nur etwas halbwegs Überwältigendes zum Wegreißen gegeben und wäre man von ihren neuen Produktionen nicht so enttäuscht gewesen. Mika heißt der neue funkelnde Stern am britischen Popfirmament, und es gehört nicht viel dazu, um ihm eine große Karriere im internationalen Musikbusiness zu prophezeien, es sei denn, man ist blind und taub oder eingefleischter Death-Metal-Fan.

          Sein Debütalbum „Life in Cartoon Motion“ ist noch nicht einmal erschienen, wird aber in der britischen Presse bereits als das große neue Ding, als eine der vielversprechendsten Newcomer-Platten dieses Jahres hochgejubelt. Und in der Tat kann man sich dem Reiz seiner eingängigen Songs kaum entziehen. Mika klaubt sich mit einer Skrupellosigkeit, die man ohne schlechtes Gewissen nur als Dreiundzwanzigjähriger an den Tag legen kann, aus dreißig Jahren Popgeschichte all das zusammen, was er für seinen perfekten Musikcocktail benötigt: Queen, Leo Sayer, Scritti Politti, The Darkness, Gilbert O'Sullivan, Scissor Sisters, Alan Price und Robbie Williams, um nur ein paar der sich aufdrängenden Inspirationsquellen zu nennen.

          Einfach alles rein damit, kräftig durchschütteln, gekonnt produzieren und mit vier Oktaven umfassender Stimme besingen. Fertig ist ein zuckersüßes, aber prickelndes Popgesöff, an dem vom Teenager bis zum Fiftysomething ein jeder nippen mag. So funktioniert Popmusik in Großbritannien. Musik zum Bügeln, Autofahren, Tanzen und Mitsingen. Und dem Rest der Welt wird es in den kommenden Monaten mit großer Wahrscheinlichkeit nicht anders ergehen.

          Singt wie Freddy Mercury - nur mit größerem Umfang: Mika

          Lyrics statt Mathe

          Aber nicht nur Mikas musikalisches Talent, auch sein Lebenslauf ist alles andere als gewöhnlich. Mika, mit bürgerlichem Namen Mica Penniman, wird 1983 als Sohn libanesisch-amerikanischer Eltern in Beirut geboren. Infolge des Libanonkriegs siedelt die Familie nach Paris über. Das unruhige Familienleben nimmt aber auch dort kein Ende. Mikas Vater, ein gebürtiger Amerikaner, wird während einer Geschäftsreise Opfer einer Geiselnahme in Kuweit. Nach seiner Befreiung lässt sich die siebenköpfige Familie - Mika hat noch vier Geschwister - 1992 in London nieder.

          Dem damals Neunjährigen bereiten die ersten Jahre in London große Probleme. Seine englischen Mitschüler hänseln ihn wegen seines Aussehens, wegen seiner lockigen langen Haare, wegen seiner gelben Fliege, die er damals freiwillig trug, wegen seines französisch-amerikanischen Akzents. Der psychische Druck macht ihm so zu schaffen, dass sich Symptome einer temporären Dyslexie einstellen und er plötzlich nicht mehr lesen und schreiben kann. Als sich Mika dann auch noch weigert, zu sprechen, nimmt ihn seine Mutter für sechs Monate aus der Schule.

          Mit elf Jahren auf der Bühne des Covent Garden

          Letztlich war es die Musik, erzählt der heute wie ein Wasserfall parlierende Mika in Interviews, die ihn aus der Krise führte und ihm wieder auf die Beine half. Von Kindheit an mit Joan Baez, Bob Dylan und Serge Gainsbourg vertraut, will er bereits mit neun Jahren nichts anderes als Songwriter werden. Seine Mutter erkennt Mikas musikalische Begabung, er erhält eine klassische Gesangsausbildung. Bald singt er so gut, dass er an Gesangswettbewerben teilnimmt und mit elf Jahren als Jungensopran auf der Bühne des Londoner Covent Garden steht. Es folgen Plattenaufnahmen, die Bekanntschaft mit dem am Royal Opera House als Bühnenbildner tätigen David Hockney, der große Wunsch und feste Wille, für immer und ewig auf der Bühne stehen zu wollen, mit oder ohne David Hockney, sowie weitere Geschehnisse, die sich kein Storyboarder einer Daily Soap hätte besser einfallen lassen können.

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