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Elvis Presley : Das Gewitter über Amerikas Süden

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Geburtshelfer des Rock'n'Roll: Elvis Presley Bild: AP

Fünfzig Jahre Rock 'n' Roll, siebzig Jahre Elvis Presley: Die Musik wurde aus dem Geist eines Jungen aus Mississippi geboren. Eine Reise in Wort und Bild durch Leben und Werk von Elvis.

          13 Min.

          Der Bürgermeister von Mississippi sagte bei der Einweihung der Gedenkstätte in Elvis Presleys Geburtshaus in Tupelo, Mississippi, Anfang der siebziger Jahre: „Das ist das Geheimnis der Demokratie, daß ihre reichsten Früchte aus einem Boden wachsen, den kein Mensch bestellt hat, und unter Bedingungen, die es am wenigsten erwarten ließen.“

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Mit denselben Worten hatte Woodrow Wilson lange vorher das Geburtshaus Abraham Lincolns in Hardin County, Kentucky, zum Nationaldenkmal erklärt. Es war ein Wunder, daß beide Häuser noch standen, denn in ihnen hatten ursprünglich arme Leute gewohnt: die Lincolns in einer Blockhütte, die Presleys nicht viel fortschrittlicher in einem sehr kleinen Holzhaus.

          Weißes Gesindel

          Die Herkunft großer Männer erscheint uns um so interessanter, je geringer sie ist und je unwahrscheinlicher also der Lebensweg, der davon seinen Ausgang nahm. Doch aus welchem Milieu hätte Elvis kommen sollen, wenn nicht aus dem, das man landläufig als weißes Gesindel bezeichnete? Entertainer, deren Rang sich auch aus ihrer Volkstümlichkeit ergibt, werden nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren. Die Motivation dieses Sängers wäre wohl schon gleich nach jener ersten Single verpufft, die er im Sun Studio von Memphis, Tennessee, als Geburtstagsständchen für seine Mutter Gladys aufnahm.

          Das Sun Studio lag an der Union Avenue von Memphis, wohin die Presleys 1948 verzogen waren, und gehörte Sam Phillips, dem Mann, der nach der Maxime arbeitete: „We record anything, anywhere, anytime.“ Entsprechend war die Musik, die hier eingespielt wurde: Blues, Rhythm & Blues, Country. Es war Phillips dabei gleichgültig, ob die Interpreten schwarz oder weiß waren. Er war an einem ganz bestimmten Klang interessiert, von dem er nur noch nicht wußte, wie er sich anhörte: „Wenn ich einen weißen Mann finden könnte, der die Stimme und das Einfühlungsvermögen eines Schwarzen hat, dann könnte ich eine Million Dollar machen.“

          Singen wie kein anderer

          Geburtshelfer des Rock'n'Roll: Elvis Presley Bilderstrecke

          Der Achtzehnjährige, der an einem Frühlingstag 1953 zum ersten Mal sein Studio betrat, hinterließ keinen bleibenden Eindruck bei ihm. Aber schon damals muß Elvis großes Selbstvertrauen gehabt haben. Marion Keisker, die Sekretärin, ließ sich für alle Fälle Name, Adresse und Telefonnummer geben: „Wie singen Sie denn?“ Elvis sagte: „Ich singe überhaupt nicht wie irgend jemand anders.“

          Das wollte etwas heißen in einer Stadt, in der das Neue sowieso mit Händen zu greifen war. B. B. King, Howlin' Wolf und Rufus Thomas waren in Memphis; Ike Turner aus Mississippi, dessen von Jackie Branston interpretierter Song „Rocket 88“ von 1952 praktisch schon Rock 'n' Roll war, hielt Tuchfühlung zur Szene. Es war junge, aufregende Musik; es war allerdings - und das erklärt die heftigen Reaktionen auf Elvis - auch in dieser von Elvis noch unberührten Form teilweise schon Musik, die als devil's music bezeichnet wurde. Deshalb zögerte man, ihn als Rhythm & Blues-Sänger zu bezeichnen (was er natürlich war), und nannte ihn „Hillbilly Cat“.

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