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Elektronische Musik zum Fest : Vinyl und selbstgedrehte Gabentüten

  • -Aktualisiert am

Bild: Columbia/Sony

Die Pop-Musik hat zu Weihnachten so manche Peinlichkeit, aber auch einige Klassiker hervorgebracht. Ein Streifzug durch alte Vinylsingles und zwei CD-Tips für die letzten Tage vor dem Fest. Von Richard Kämmerlings.

          Neulich einmal meine alten Vinylsingles durchgeschaut und dabei festgestellt, daß ich in den achtziger Jahren praktisch jedes Jahr zum Advent einen Weihnachtssong gekauft haben muß: 1983 war „Christmas Time“ mit Bryan Adams, aus dem Jahr 1984 besitze ich nicht nur „Do They Know It's Christmas“ von Bob Geldofs „Band Aid“-Projekt, sondern auch „Queens“ EP „Thank God It's Christmas“, verbrochen diesmal nicht von Freddie Mercury, sondern von Brian May und Drummer Roger Taylor.

          Das Jahr 1985 ist in der verstaubten Sammlung natürlich mit „Last Christmas“ von „Wham!“ vertreten, die ich damals für doofe Popper gehalten zu haben glaubte. Das Peinlichste aber folgt noch: Von 1988, da war ich schon voll schuldfähig, besitze ich Chris Reas „Driving Home For Christmas“. Damit wurde das Genre nachhaltig diskreditiert.

          Neofolk zwischen Zimtsternen

          Wer besinnliche, jahresendflügelfigürliche Popmusik auflegen will, kann auch ohne Lametta auskommen: Irgend etwas zwischen den „Delgados“ und Ron Sexsmith tut es immer. Oder eben gleich Sufjan Stevens. Der Musik des 1975 in Detroit als Sohn von Hippie-Eltern (in einem Stall?) geborenen Wunderknaben haftete stets ein Duft von Selbstgebackenem an, der am besten in der Vorweihnachtszeit zu goutieren war. Hirten auf den Feldern sangen hier immer schon von der erlösungsbedürftigen Gegenwart, in Detroit und anderswo.

          Schwer vorstellbar, daß der Liedermacher mit seinem kauzigen Projekt, jedem der amerikanischen Bundesstaaten ein eigenes Album zu widmen, jemals in der texanischen Wüste ankommen wird - so sehr gehören die verschneiten Tannen und Hirsche vom Cover seines Debütalbums „Greetings From Michigan“ einfach zur Musik dazu: bibelfester Neofolk zwischen Zimtsternen und selbstgedrehten Gabentüten.

          Die volle Bescherung

          Seit 2001 hat Stevens jährlich zur Weihnachtszeit Songs für Freunde und Bekannte aufgenommen, die jetzt gesammelt in einer opulenten Geschenkbox vorliegen (Songs for Christmas. Asthmatic Kitty 028 Cargo): fünf CDs mit insgesamt 42 Stücken, davon 17 Eigenkompositionen, dazu putzige Aufkleber, ein Songbuch mit allen Akkorden, Cartoons und einer Weihnachtsgeschichte von Rick Moody und schließlich ein Poster von Stevens mit Zipfelmütze und Familie. Die volle Bescherung also. Natürlich ist da auch viel Schönes, aber Belangloses drauf, eine Instrumentalversion von „Es ist ein' Ros' entsprungen“ etwa. Bleibt aber ein schöner Song. Anhand der fünf Platten kann man leicht nachvollziehen, wie Sufjans Sternsingen von einer hübschen Idee zu einem ehrgeizigen Projekt avancierte.

          Vor allem die jüngste Platte enthält großartige und gewohnt vielschichtig arrangierte Songs wie „Get Behind Me, Santa!“ oder „Christmas in July“. Mit dieser Box also ist man für alle Weihnachtszeiten bestens gerüstet. Mehr braucht man nicht zum Fest - mit einer Ausnahme: Die Kölner Erzsympathen von „Erdmöbel“ haben eine deutsche Version von „Last Christmas“ unter den Baum gelegt (Columbia/Sony 04073), eine klassische Weihnachtssingle mit großartigen, winterträgen Zeilen wie diesen: „Komm, wir bleiben zwischen den Jahren / Soll'n doch die Reichen die Berge kaputtfahren / Das Jahr ist schwer und alt, uns ist so leer und kalt / Wir woll'n nichts mehr, dann bald fall'n wir ins Bett wie Schnee.“ Noch achtmal schlafen.

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