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Sängerin Edie Brickell : Gehe nicht schmutzig ins Bett

  • -Aktualisiert am

Blieb lange ein Geheimtipp: Edie Brickell Bild: Todd Crusham

Sie ist, was sie ist, und das bleibt schwer kategorisierbar: Edie Brickell, eine Vorreiterin widerständiger Frauenbilder im Pop, surft auf „Hunter and the Dog Star“ zwischen den Genres und stellt sich munter gegen manchen Zeitgeist.

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          Mit Gummibändern nach den Sternen zu schießen: Vielleicht beschrieb dieses Sprachbild im Titel des ersten Albums von Edie Brickell im Jahr 1988 auch den Versuch, zu jener Zeit ausgerechnet in Texas als Sängerin einer Band namens New Bohemians mit Musik zwischen Alternative Rock, Funk und Jazz zu reüssieren.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Mit der Single „What I Am“ gelang dann aber genau das auch weit über Texas hinaus: Sie eroberte Tanzflächen auf der ganzen Welt mit ihrem lässigen Groove und Gesang („I'm not aware of too many things / I know what I know, if you know what I mean“). Und plözlich galt Brickell als neue weibliche Hoffnung der widerständigen Popmusik, die bis heute inspiriert.

          Ihre nur sporadischen Veröffentlichungen und ihr künstlerisches Hakenschlagen - zuletzt Banjomusik mit dem Komiker Steve Martin oder Interpretationen der Everly Brothers mit ihrem Ehemann Paul Simon, den sie bei der Satire-Show „Saturday Night Live“ kennenlernte - verhinderten aber, dass sie ganz groß herauskam. Brickell blieb dann doch eher ein Geheimtipp, während Nachfolgerinnen wie Tori Amos, Fiona Apple oder Alanis Morisette zu Ikonen wurden.

          Nach einer langen Pause kam Edie Brickell 2018 wieder mit den New Bohemians zusammen für das Album „Rocket“, und nun scheint nach erstaunlich kurzer Pause schon das nächste „Hunter and the Dog Star“.

          Die Erste Single „My Power“, handelt vom Wiedererlangen der Macht. Ob damit auch kommerzielle Macht gemeint ist, scheint allerdings fraglich, denn widerständig unzeitgemäß ist auch dieses Album – schon indem es ausgerechnet heute, da Rock totgesagt wird, mit ziemlich ungewaschener Rockmusik aufwartet („Don't Get in the Bed Dirty“) und einige beinahe totgeglaubte Klangeffekte und Produktionsweisen neu belebt. Die Texte kritisieren zugleich Rollenbilder der Pop-Industrie, etwa „white teeth, big hips, grab your thighs, cleavage“.

          Brickell schlägt dann Haken zwischen Achtziger-Sounds („Tripwire“ klingt so oldschool, dass man fast nicht glaubt, einen heutigen Song zu hören) und Roots-Musik im Nashville-Gewand („Rough Beginnings“). So zum Country gelangt, scheint Brickell sich doch wieder über Country lustig zu machen: „If you don't hear it from the horse's mouth, you're hearin' it from the horse's ass“.

          Und kaum hat sich das Gehör darauf eingestellt, glaubt es sich bei „Miracles“ mitten in einer schwarzen Soul-Ballade mit sehr federndem Groove wiederzufinden, die schließlich in Ambient-Klänge ausfranst. Sicher nicht leicht zu vermarkten, all das zusammen! Und aus der Sicht jüngerer Künstler vielleicht auch so gestrig, wie derzeit manches Produkt der Babyboomer-generation empfunden wird. Von „stubborn love“ und einer „hard headed woman“ singt Edie Brickell dazu, unbeirrbar.

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