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Sommerhit 2016 : Da geht die Sonne auf

Bitte recht sommerlich: Imany sorgt für den Hit zu einer Jahreszeit, die es im Augenblick nicht gibt. Bild: obs

Bei so viel Regen brauchen wir wirklich einen guten Sommerhit. Der aktuelle kommt von der Sängerin Imany und heißt „Don’t Be So Shy“. Wieso ist dieses Lied im Augenblick so angesagt?

          2 Min.

          Irgendetwas stimmt hier nicht. Es ist Sommer. Doch was zeigt der Blick aus dem Fenster? Nasse November-Tristesse. Zwei, drei Wochen mit Sonne, mehr hatten wir nicht. In einem der zurzeit meistgeklickten Musikvideos auf Youtube sieht das schon ganz anders aus: Am Horizont das türkisblaue Meer, im Schatten vor der geöffneten Fenstertür tanzt eine Frau im Bikini wie in einer Tabledance-Bar. Das ist das Bild des „Sommerhits 2016“, frisch gekürt vom Marktforschungsunternehmen GfK Entertainment: „Don’t Be So Shy“, gesungen von der Französin Nadia Mladjao alias Imany, geremixt vom russischen DJ-Duo Filatov & Karas.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hier Kälte, dort Sonnenstrand: Ob das schon die Erklärung dafür ist, dass ein laues Diskoliedchen zum Sommerhit wird? „Don’t Be So Shy“ wurde bereits im vergangenen Dezember veröffentlicht, eine inoffizielle Version ist sogar seit einem Jahr im Netz unterwegs. In diesem Juni, dem vermeintlichen Sommermonat, sprang der Song dann blitzartig in die Top Ten der deutschen Single-Charts. An deren Spitze steht er nun seit vier Wochen.

          Wo sie ist, scheint es nicht zu regnen: Imany, vernetzt.

          Der Platz in den Charts und die Urlaubstauglichkeit seien entscheidend bei der Kür zum „Sommerhit“, heißt es auf Nachfrage bei der GfK. Der Künstler dürfe bis dato auch gerne relativ unbekannt gewesen und der Song nicht an ein großes Ereignis gebunden sein. Das schloss die quietschige EM-Hymne „This One’s For You“ von David Guetta und Zara Larsson schon einmal aus. Welche Kriterien braucht es sommerhitmäßig noch? Eine „eingängige Melodie“, und es muss „zum Tanzen geeignet“ sein, so die Auskunft. Imanys Clubhit erfüllt alle Kriterien.

          Die Remixversion – das Lied ist ursprünglich ein sanftes Soulstück – bietet, was bei vielerlei Gelegenheiten gefragt ist, in Perfektion. Es ist ruhig genug, um bei sechzig Dezibel noch das Afterhour-Gespräch bei Campari Soda zu ermöglichen; intensiv genug, um bei hundert Dezibel die passende Atmosphäre für etwas mehr Bewegung um Mitternacht zu taugen.

          Dass Imanys Song auch stilistisch auf einer Linie mit den beiden letztjährigen „Sommerhits“ liegt, bestätigt die gegenwärtige Popularität der mitunter als Mainstream beschimpften Housemusik. Auch das von Felix Jaehns 2015 gecoverte „Ain't Nobody (Loves Me Better)“ war eher ruhig, so auch der Remix des Osnabrücker DJs Robin Schulz, „Prayer in C“.

          Doch anders als Imanys „Don’t Be So Shy“ starteten diese beide Stücke mit Wucht in den Spitzenrängen der Single-Charts. Und sie werden bis heute gespielt - auch, weil die Künstler nachlegten und mit „Book of Love“ und „Sugar“ neue Hits herausbrachten. So kamen sie leicht über den Status von Eintagsfliegen wie Lou Bega („Mambo No. 5“) oder Las Ketchup („The Ketchup Song (Aserejé)“) hinaus.

          Die Sängerin Imany holte 2011 mit ihrem Debütalbum „The Shape of a Broken Heart“ zwar in Frankreich Platin, ist hierzulande aber, wenn überhaupt, als Soulsängerin mit rauchiger Stimme bekannt. Mit diskotauglichem Bass und Urlaubsflair hat sie noch niemand in Verbindung gebracht, obwohl das russische DJ-Duo nach Auskunft der Plattenfirma Universal Music schon zwei Lieder von ihr neu aufgemischt hat. Jetzt sorgt Imany für die Fahrstuhlmusik des Sommers.

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