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DJ Philipp Lauer : House von zu Hause

  • -Aktualisiert am

House-Mann: Der DJ Philipp Lauer lebt für seine Musik. Bild: Holger Wüst

Eine frühere Scheune ist das Kreativzentrum des DJ-Stars Philipp Lauer. Der Musiker befindet sich in der glücklichen Lage, das Corona-Jahr frei von existentiellen Sorgen als produktive Auszeit nutzen zu können.

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          In einer Scheune in Schöneck, rund 20 Kilometer nordöstlich von Frankfurt gelegen, hat Philipp Lauer sich sein Kreativzentrum gebaut: Auf dem Boden liegt ein farblich ausgeschossener Blumenteppich, zwischen Tischen und Regalen schlängeln sich Kabel von digitalen Synthesizern zu Mischpulten, Drumcomputern und einem Computer, ein gelber Smiley neben den Boxen grinst in den Raum. „Das ist mein Geheimort, am liebsten würde ich mir noch so eine versteckte Klappliege an die Wand zu hängen“ erzählt Lauer lächelnd über sein Studio.

          Vor acht Jahren hat es den DJ und Produzenten von Frankfurt in die Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis verschlagen. Ein ehemaliger Bauernhof, den Lauer, seine Frau und ihr Sohn mit einem Nachbarn teilen, sei damals „ein unschlagbares Angebot“ gewesen. Und wer auf die Karte schaut, wird in unmittelbare Nähe des Hofs das Hotel Lauer finden, das von Lauers Mutter betrieben wird. Überhaupt führen einige Spuren aus dem Ort zur Musik des DJs, der unter dem Namen Lauer international bekannt ist. „Kilian“ heißt etwa ein 2016 veröffentlichter Track, benannt nach dem Gemeindeortsteil Kilianstädten.

          Das Leben in der „lebendigen Gemeinde zwischen Großstadt und Natur“, wie Schöneck sich selbst bewirbt, ist ein entspanntes Kontrastprogramm, denn an Wochenenden in „gewöhnlichen“ Jahren ist Lauer in der Welt zu Hause. „Ich hatte einen super Sommer geplant, inklusive Shows in Japan und Australien“, sagt er. Doch dann sei Corona gekommen, und sein Auftritt im Club Kaiku, den Lauer das „Robert Johnson von Helsinki“ nennt, habe sich als letzter in diesem Jahr erwiesen.

          Zeit für ein neues Album

          Der Musiker befindet sich in der glücklichen Lage, das Corona-Jahr frei von existentiellen Sorgen als produktive Auszeit nutzen zu können. „Ich sehe das wie ein Sabbatical“, meint er. Erträge aus Plattenverkäufen und Streaming sowie aus den Remixen, die in den vergangenen Jahren zu Stücken von namhaften Musikern wie Sven Väth, den Pet Shop Boys oder Falco entstanden sind, halten ihm den Rücken frei. Überdies habe die Zwangspause der Clubs, auf die er mit Sorge blickt, ihm die Zeit gegeben, ein neues Album fertigzustellen.

          Das heißt „Answers 2 Trouble“, umfasst neun Stücke und soll im April erscheinen. Auch darauf wird Lauer wieder seinen mit reichlich Reminiszenzen an die achtziger Jahre versehenen House-Sound zelebrieren, der in Clubs rund um den Globus gefragt ist: von Mexiko über die Corsica Studios in London bis zur Panorama Bar im Berliner Berghain und natürlich auch in seinem Heimatclub, dem Robert Johnson in Offenbach.

          Seit zwanzig Jahren ist Lauer nun im Geschäft, seit 2015 als hauptberuflicher Musiker, nachdem der Musikvertrieb, bei dem der angestellt war, pleiteging und seine Steuerberaterin meinte, dass er mit den Einnahmen aus seiner kreativen Tätigkeit gut über die Runden kommen würde. Eine von langer Hand geplante Karriere kann man das nicht nennen, vieles hat sich einfach ergeben: auf eine Skateboarder-Jugend folgte die Betätigung in Bands, bevor er über „Magix Music Maker“, eine Musikproduktionssoftware, zur elektronischen Musik kam und schließlich das eigene Label Brontosaurus gründete. „Wenn man etwas zehntausend Stunden lang übt, wird man Experte“, meint er mit einem Augenzwinkern.

          Heute ist Lauer auf rund 80 Maxis und Singles vertreten und hat zudem mit zahlreichen Nebenprojekten, etwa den Tuff City Kids (mit Gerd Janson) oder Black Spuma (mit Fabrizio Mammarella) Musik veröffentlicht. Die Plattentasche darf bei seinen Auftritten trotzdem zu Hause bleiben: Heute reicht ihm ein USB-Stick voller Musik, aus der er in den Clubs seine Sets zusammenmischt. Im neuen Jahr soll es wieder so weit sein.

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