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Popmusik im Rückblick : Es war die Zeit der Vereinzelung

Drake, von Spotify als meistgestramter Künstler des Jahrzehnts gekrönt, hier bei einem Konzert in London im Sommer 2015. Bild: dpa

Spotify, Despacito und Drake: Jedem seine Nische, aber Autotune für alle. So zeigt sich das popmusikalische Jahrzehnt im Rückblick. Was bleibt uns davon?

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          Als die meisten Nachbetrachtungen auf das mit Maria Carey musikalisch versiegende Jahrzehnt schon geschrieben waren, platzten innerhalb einer Woche zwei Todesnachrichten herein. Der Rapper Juice Wrld wurde nur einundzwanzig, elf Millionen junge Hiphop-Fans hatte er auf Instagram. Marie Fredriksson hatte in den neunziger Jahren mit der Band Roxette und ihrer Stimme nicht nur die schwedische Popmusik umgekrempelt: Zwei Künstler aus verschiedenen Zeiten und Musikkulturen, die allein ihr Antrieb, das Streben nach dem Welterfolg, verband. Mit dem Abschied von ihnen endete ein Jahrzehnt, das auch musikalisch voller Brüche war.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Jahre zuvor hatten noch den Gitarren gehört, dem angenehm-unpolitischen Summen des Indierock. Ihre besten und wandlungsfähigen Vertreter schafften es wie Arcade Fire, in den frühen Zehnerjahren neben Bands wie Maroon 5 zu bestehen, die über das Elend sangen, als sei es nur einer dieser Gemütszustände, die man beim Chai-Tee verhandelt. Die Form des neuen Jahrzehnts war ein kompakter, flacher Quader, auf den man Musik lud, die einem selbst gehörte. Jahre vergingen, man hörte aus Laptoplautsprechern scheppernde Songs, während sich die schlechten Nachrichten häuften und die Kontrollen bei Konzerten strenger wurden. Und dann kam der fulminante Auftritt der Traumapoeten, der Künstlerinnen und Künstler, die aus den Untiefen ihrer Psyche auf die gesellschaftspolitischen Umbrüche schauten und denen es scheinbar gar nicht mehr so wichtig war, damit die Masse zu erreichen.

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