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Buffy Sainte-Marie wird 80 : Wo die Büffel wandern

  • -Aktualisiert am

Zwischen Pop- und Protestkultur: Buffy Sainte-Marie Bild: Picture-Alliance

Sie schrieb ein bekanntes Antikriegslied und eines, das zum Titelstück eines Militärpropagandafilms wurde. Sie ist eine Galionsfigur der amerikanischen Ureinwohner und erhielt einen Oscar. Der Folksängerin und Aktivistin Buffy Sainte-Marie zum Achtzigsten.

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          Als sie nach New York kam, sei das etwa zum Ende der Beatniks gewesen. „Von Hippies hatte noch niemand gehört“, erzȁhlte Buffy Sainte-Marie spȁter. Die in einem Reservat in Saskatchewan Geborene und von einem Paar aus Massachusetts Adoptierte studierte zunȁchst an der Universitȁt in Amherst, bevor sie 1962 mit einer billigen Gitarre und bereits einigen eigenen Songs im Gepȁck im Greenwich Village eintraf.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Über ihren ersten Auftritt im „Gaslight Cafe“ berichtete zu ihrer Überraschung die „New York Times“ mit Begeisterung – die Überschrift lautete: „An Indian Girl Sings Her Compositions and Folk Songs“.

          Es war der Beginn einer erstaunlichen Karriere. Mit ironischem Lȁcheln sagte Sainte-Marie einmal in einem Interview, es sei ihr seltsam vorgekommen, dass die anderen Folksȁnger teils uraltes Material vertonten, wȁhrend sie ihre Lieder erst ein paar Wochen zuvor geschrieben hatte. Zum Beispiel „Universal Soldier“ – das bald darauf in aller Munde und Ohren war, von Donovan zu einem Welthit gemacht, von vielen anderen nachgespielt wurde und heute zu den bekanntesten Antikriegsliedern aller Zeiten zȁhlt. Auch später regte sie als geradezu verehrte Songschreiberin viele Künstler zu Interpretationen ihrer Werke an - darunter Janis Joplin und Elvis, Cher und Neil Diamond, Nancy Sinatra und Erasure.

          Aber Sainte-Marie, die erschütternd sang und alte Instrumente wie den Mundbogen einsetzte, war bald selbst berühmt genug, um andere berühmt zu machen. Etwa Joni Mitchell, deren Lied „The Circle Game“ sie aufnahm. Es folgten weitere Protestsongs wie „Now That the Buffalo’s Gone“ und „My Country ’Tis of Thy People You’re Dying“, mit denen Sainte-Marie auf das Leid der amerikanischen Ureinwohner aufmerksam machte und zur Galionsfigur der indigenen Kulturen wurde.

          Das hielt sie nicht davon ab, auch anderes zu komponieren, Liebeslieder oder Spirit-Songs wie „Up Where We Belong“. Für dieses Titelstück des Militȁrpropagandafilms „Ein Offizier und Gentleman“ erhielt sie 1983 als erste Indigene einen Oscar – auch eine Ironie der Geschichte.

          Sainte-Marie, die oft in der amerikanischen „Sesamstraße“ zu Gast war und eine Kontroverse auslöste, als sie dort 1977 ihren Sohn Dakota „Cody“ Starblanket Wolfchild an die Brust legte, fuhr weiter zweigleisig zwischen Pop- und Protestkultur, wie man auch an ihrer Multimedia-Kunst sehen und auf dem jüngsten Album „Medicine Songs“ hören kann. Das Album „Illuminations“ (1969) gilt als Klassiker der kosmisch-ekstatischen Folkmusik. Die jetzt auf Hawaii Lebende wird an diesem Samstag achtzig Jahre alt.

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