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Die Deutschen und der Rap : Jahrescharts

Waffenscheinpflichtig? Die Rankings von Spotify oder Deezer geben viel über den Musikgeschmack der Deutschen preis. Bild: dpa

Die Deutschen lieben Rap. Nur leider keinen guten. Dabei hat selbst dieses komische Jahr 2020 viel Goldenes abseits von häufig bestürzend unmusikalischem Deutsch-Rap zu bieten.

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          Würde man Spotify- oder Deezer-Toplisten oder gar den deutschen Charts irgendwelche musikalische Relevanz zugestehen wollen oder von ihnen Rückschlüsse über die Güte eines Pop-Jahrs erwarten, bliebe wie schon öfters nur der Schluss: Der Musikgeschmack vieler Deutscher ist eigentlich waffenscheinpflichtig. Dabei hat selbst dieses komische Jahr 2020 viel Goldenes abseits von häufig bestürzend unmusikalischem Deutsch-Rap zu bieten, man muss eben nur etwas im Dreck wühlen.

          Da stößt man etwa auf das schwarze Londoner Kollektiv Sault, das in diesem Jahr gleich zweimal auf Doppelalben (!), nämlich erst auf „Untitled (Black Is)“ und nun auf „Untitled (Reprise)“, gekonnt Hip-Hop, Soul, Funk und Disco zu extrem tanzbarer Musik verknüpft, die textlich aber nicht dem Eskapismus frönt, sondern die Anliegen der „Black Lives Matter“-Bewegung anspricht.

          Man könnte aber auch den Norweger Thomas Dybdahl finden, der musikalisch ein ähnliches Spektrum wie Sault bedient, sein vorzügliches Album „Fever“ aber nicht im Kollektiv, sondern – nur unterstützt von seinem Produzenten – im Alleingang aufgenommen hat. Dass ist ja eine derzeit leider gebotene Arbeitsweise und somit auch ein Statement.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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