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David Bowie : Die Berliner Freundschaft

Ein treuer Freund: David Bowie Bild: Warner Music

Die Fotografin Esther Friedman lernte David Bowie in den siebziger Jahren kennen. Sie erlebte ihn als den liebenswürdigsten Mann. Eine Erinnerung.

          2 Min.

          Zum ersten Mal hat Esther Friedman David Bowie in Berlin gesehen, im ersten „Dschungel“, der berühmten Diskothek, Ende der siebziger Jahre. Sie kam in den Club mit ihrem damaligen Freund, dem Rocksänger Iggy Pop. Bowie wiederum war in dem Lokal mit seiner ersten Frau Angie, offenbar im eleganten Partnerlook, mit gleichen Trenchcoats. Seine Frau habe sich da von ihm verabschiedet, sagt Esther Friedman, Bowies vor drei Jahren erschienenes Album „The next Day“ erinnert in dem Lied „Where are we now?“ an diese Zeit: „Sitting in the Dschungel/ on Nurnberger Strasse“. „Exil“ und „Paris Bar“ oder „Vagabund“ hießen andere Orte, in die man dann gemeinsam ausging.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          David Bowie kam irgendwann mit, als Friedman mit Iggy Pop (den sie bei seinem richtigen Namen Jim nennt) verabredet war. Es war eine langsame Annäherung, „er war sehr distanziert am Anfang“, sagt sie, „die beiden mussten ja immer die Spreu vom Weizen trennen“ – is she a real deal, oder ist das nur wieder jemand, der etwas will? Allerdings wurde David Bowie damals in Berlin oft gar nicht erkannt, und sie konnten sich unbehelligt bewegen. Manchmal ließ er sich von seiner engen Vertrauten Coco (die das bis zuletzt geblieben ist) anrufen bei privaten Einladungen – is the coast clear, can I come? Esther Friedman war dann mit Iggy Pop auf Tour, Bowie kam immer wieder zu den Konzerten. Er wohnte eben in der Schöneberger Hauptstraße155, im Vorderhaus, im Hinterhaus wohnten Esther Friedman und Iggy Pop. Nach der Trennung von Jim im Jahr 1983 wurde Friedmans Freundschaft mit Bowie eher noch enger. „Er war treu“, sagt sie. Viele sind abgesprungen, als sie nichtmehr die Freundin des exzentrischen Iggy Pop war. Sie und Bowie trafen sich immer wieder, wenn er auf Tournee war, und er war es auch, der sie auf die Idee brachte, eine Galerie zu eröffnen, was sie 1987 tat. Bowies Liebenswürdigkeit war groß, bring in the friends, backstage bei den Konzerten.

          Sie, die Fotografin war und ist, hat fast keine privaten Bilder von ihm: Darin war er delikat, sagt Esther Friedman, sie ihrerseits hätte es als zudringlich empfunden, ihre Kamera auszupacken. Jetzt ist es ein Jammer, findet sie, aber sie waren Freunde, und er schützte diese Sphäre schon damals. He was so generous, sagt Esther Friedman immer wieder; „er war großherzig“, übersetzt sie sich selbst. Sie meint damit nicht nur, dass Bowie damals den ziemlich heruntergekommenen Iggy Pop aufgelesen und mit nach Berlin geschleppt hat und dass er dort nicht nur seine eigene Berlin-Trilogie, sondern für Iggy Pop dessen Alben „The Idiot“ und „Lust for Life“ produzierte. Vor allem aber war er seinen Freunden gegenüber sein Leben lang großzügig, spürte Bedürftigkeit. Als es ihr, erzählt sie, später einmal vorübergehend dreckig ging, hat er sie einfach unterstützt, ohne dass sie auch nur leise darum gebeten hätte. Sie ist sehr traurig, so wie wir da im Café in Frankfurt zusammensitzen, Bowie war ihr ein naher Freund, auch wenn sie sich schon lange nicht mehr gesehen haben.

          Aber sie haben sich E-Mails geschrieben und per E-Mails Musik miteinander ausgetauscht. Und für Berlin hegte er eine aufrichtige Anhänglichkeit. Er war auch zum Fest des Mauerfalls im vergangenen November eingeladen, konnte aber nicht kommen. Esther Friedman hat ihm dann einen Wunsch erfüllt: Er wollte so gern einen der Lichtbälle haben, die dort den Mauerverlauf auf Stäben signalisierten, ehe sie in die Luft entstiegen. Sie konnte das organisieren – I’m so happy with my Berlin sticks, schrieb er ihr zurück.

          Dass er schon immer so diskret war, wie er nun auch mit seiner Krankheit zum Tode umgegangen ist, sagt Esther Friedman; sie wusste nichts davon, so wenig wie sein alter Kumpel Iggy Pop, der auf Twitter schrieb: „David’s friendship was the light of my life. I never met such a brilliant person. He was the best there is.“ Esther Friedman stellt ihr I-Phone an, melancholische russische Musik erklingt ein bisschen scheppernd, im Hintergrund hört man jemand atmen und eine Taste drücken. Es ist eine der letzten Nachrichten, die sie von David Bowie bekommen hat; Russian stuff for love, hat er ihr dazu geschrieben. Er war so, sagt sie, das kann man nicht erklären.

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