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Die Beastie Boys im Interview : „Wir haben das nur für uns gemacht“

Adam Horovitz alias Ad-Rock (links) und Michael Diamond alias Mike D Bild: Andreas Müller

Die Beastie Boys waren lange die einzig wahre weiße Hiphop-Crew. Dann starb einer der drei, Adam Yauch. Jetzt erzählen die beiden anderen die Geschichte ihrer Band. Im Interview zeigen sie auch Interesse an Parkettpflege.

          Ihr Buch erzählt die Geschichte einer Freundschaft und Karriere, und zwar mit so viel Material, mit Fotos und Kurzgeschichten und Gastbeiträgen, dass es einen erst mal erschlägt. Welches der fast vierzig Jahre war das wichtigste für Sie?

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Adam Horovitz: 2013.

          Weil?

          AH: Ich habe nur eine Zahl gesagt.

          Michael Diamond: Warum fragen Sie das?

          AH: 1994!

          Mir kommt es vor, als würden Sie den Akzent stärker auf den Anfang legen als auf das, was folgte. Sie werden mit den Jahren immer schneller.

          MD: Wer wir waren und sind, hätten wir nicht werden können, wenn wir nicht aus dieser sehr speziellen Welt zu einer sehr speziellen Zeit gekommen wären. Und das wollten wir abbilden: New York City, die Kunst, die Musik. Es gäbe uns 36 Jahre später nicht, wenn es diesen Moment nicht gegeben hätte.

          AH: Stellen Sie sich vor, Sie lesen ein Buch von Mick Jagger.

          MD: Jetzt kommen die großen Namen!

          AH: Einer der Größten. Welche seiner Geschichten sind wohl interessanter, die von 2016 oder die von 1966? Vermutlich eher die von 1966. Weil es 2016 darum geht, wo er sich sein neues Haus kauft.

          MD: Viele Renovierungen!

          AH: Was für ein Parkett verlegt er?

          MD: Vermutlich geht es auch viel um Fitness. Wie er 2006 sein Ausdauertraining umgestellt hat.

          AH: Ich will doch viel lieber von Anita Pallenberg und den Drogen hören.

          Im Keller der „Danceteria“, New York

          Je älter die Beastie Boys werden, so geht es mir, desto interessanter werden sie, desto mehr probieren sie aus – Film, Mode, ein eigenes Magazin, Politik, auch die Musik wird vielseitiger. Wie aus Ihnen die tonangebende, intellektuelle, weiße Hiphop-Crew wurde, dem widmen Sie dann nicht mehr so viel Platz.

          AH: Also, ich habe mich entschlossen, in meiner New Yorker Wohnung die Böden abzuziehen und sie heller zu streichen, darüber können wir uns gern unterhalten. Haben Sie irgendwelche Fragen, die das Buch nicht beantwortet?

          Ja. Zum Beispiel, ob Sie sich für Hiphop entschieden haben, weil Sie drei so neugierig auf so vieles auf einmal waren und Hiphop es als Kunstform möglich gemacht hat, alles unter einen Hut zu bringen.

          MD: Es war viel einfacher. Wir lieben Rap. Und Rap war, noch stärker als Punkrock, revolutionärer Lärm, ein noch radikalerer Aufbruch. Man brauchte für einen Song keine Gitarren mehr, kein Schlagzeug, keinen Bass, plötzlich reichte eine Maschine und die Stimme. Das wirkte wie die endgültige Revolution. Und das hat uns angezogen. Und dann, auch wichtig, haben wir uns entschieden, über all die Jahre Freunde zu bleiben. Unsere Band sollte dabei das bleiben, an das wir uns immer halten können. Und in die wir alles, was uns interessiert, je älter wir wurden, einbringen können: Film, Mode, Musik. Aber damit hat es nicht angefangen. Wir haben Rap geliebt und fanden ihn radikal.

          AH: Als Punkrocker hast du die ganze Zeit irgendwas gemacht. Wenn du dich für Musik interessiert hast, hast du Musik gemacht oder drüber geschrieben. Oder du hast fotografiert. Du hast nicht darauf gewartet, bis was passiert, du hast es einfach gemacht. Wir brauchten keinen, der unsere Videos gemacht hat, wir haben sie selbst gemacht. Wir mussten auch nicht genau wissen, wie man eine Platte aufnimmt, wir haben sie einfach aufgenommen. Freunde wollten eine Platte herausbringen, also haben wir ein eigenes Label gegründet. Wir wollten den Leuten erzählen, was unsere Band gerade so macht, also haben wir ein Magazin herausgegeben. Why not?

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