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Rapper Serious Klein : Gott ist krass

Jetzt muss noch das Land sich ändern. Und was kommt dann? Der Rapper Serious Klein Bild: Martin Eklund

Ein deutscher Rapper, der nicht vom Gangsterleben singt, sondern von Jesus, der Hackbraten zubereiten kann und studiert? Im Zug mit dem Musiker Kelvin Boakye alias Serious Klein.

          Er ist der undeutscheste deutsche Rapper und sitzt im Restaurant der Deutschen Bahn, die jetzt Berlin verlässt. Kelvin Boakye fährt nach Hause. Er trägt ein neongrünes Sweatshirt zur Jogginghose, als Schuhe selbstverständlich 1er Jordans. Und auch im harten, kalten Zuglicht, in der gesichtslosen Einrichtung des Speisewagens, sieht Kelvin Boakye so aus, als ob er jetzt nach Silver Lake, L. A., führe und nicht nach Essen-Frohnhausen.

          Anna Prizkau

          Redakteurin im Feuilleton.

          Als Rapper heißt er Serious Klein und ist in Deutschland im Moment das Größte, was der Rap versprechen kann. Er erzählt nicht vom Gangsterleben, er war nie kriminell. Er rappt auch keine Harmlos-Lieder über Studenten für Studenten, obwohl er selbst studiert, in Dortmund, Film. Macht keine Love-Rap-Songs, die schlagerhaft melodisch sind. Das machen andere, machen viele. Kelvin Boakye erzählt in seinen Texten autobiographisch von sich selbst, von seinem Vater, seiner Mutter. Sie kam mit 16 Jahren aus Ghana nach Deutschland, kam mit dem Vater von Boakye. Doch er war abwesend, die Mutter war alleinerziehend. Davon rappt er auf seinem Debüt „You Should’ve Known“, rappt von der Nähe zum Vater, die ihm fehlte, von dessen Tod in Ghana.

          Wie gut es in Deutschland ist

          Im Zug redet er jetzt von seiner Mutter, er schaut kurz raus, doch draußen Dunkelheit, die Landschaft unsichtbar, das Fenster ist ein Spiegel, der Rapper sieht sich selbst. „Dass meine Mutter nach Deutschland zog, das hat mir viel ermöglicht. Denn hier hatte ich andere Chancen als meine Cousine, mein Cousin in Ghana.“ Er sagt, wie gut es ist in Deutschland, weil deutsche Bildung gut ist, und während er das sagt, klingt er so wie die Ausländer, die Vorbilder in Deutschland spielen müssen. Kelvin Boakye aber ist kein Ausländer, er ist geboren in Hannover, mit vier Jahren ins Ruhrgebiet gezogen.

          Wenn man ihm gegenübersitzt, ihn über Deutschland fragt, fühlt es sich falsch an. Weil man ihn das nicht fragen würde, wenn er nicht schwarz wäre. Oder wenn man selbst wüsste, wie es ist, in Deutschland schwarz zu sein. Doch davon keine Ahnung, deshalb mehr falsche Fragen: Sieht er sich selbst als Deutscher? „Nein“, sagt dieser Rapper so, als ob er das oft sagen würde, und dann, dass er nur ein Produkt von Deutschland sei, nur auf dem Papier ein Deutscher: „Denn meine Wurzeln sind in Ghana, daher kommt die Kultur, mit der ich groß geworden bin.“

          Wollte er irgendwann mal richtig deutsch sein? Das wollen doch oft viele vorbildliche Ausländer und Kinder von Ausländern. „Nein, weil ich von klein auf wusste, dass ich anders bin, es lässt sich ja durch die Hautfarbe nicht verstecken.“ Wieder fühlt es sich schief an, mit einem Musiker über Herkunft und nicht über Musik zu sprechen. Andererseits geht es auf seinem Album auch darum. In „Black on Black“, dem großen, starken Song, den man auch Tage nach dem ersten Hören summt, erzählt er es: „Momma told me that it’s hard as a immigrant / Thought we made it of the boat / But a nigga still a nigga, still irrelevant / In the land where I am from / We never dare to think about a black president“. Aufgeschrieben sehen diese Lines leicht leer aus. Es fehlt der Beat, der Bass, der an den besten Stellen durch den Körper bohrt, und es fehlt auch der Stil von Serious Klein, so wie er rappt, die schwebende, präzise, volle Art, mit der er Worte auf Musik setzt.

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