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Deutscher Gangsterrap : Kannst du stecken lassen

  • -Aktualisiert am

In Deutschland die Gewaltparolen - in Nahost nur Liebeskitsch: Rapper Massiv Bild: David Cuenca / Sony BMG

Der angeschossene Hiphopper Massiv ist die traurigste Figur einer insgesamt schon tragischen Erscheinung namens „deutscher Gangsterrap“ - einer Musik, die jungen Mädchen gefallen will und gleichzeitig die stumpfsinnigsten, reaktionärsten und langweiligsten Werte perpetuiert.

          Das Bild hier oben stammt nicht aus Gaza, sondern aus Berlin. Wir haben es von der Plattenfirma des jungen Mannes, denn dessen Eltern kommen aus Palästina, und deshalb muss er eben Intifada spielen, auch wenn er dabei schaut, als wollte er einfach nur nach Hause.

          Das wäre dann in Pirmasens, wo er geboren wurde und aufwuchs, oder in Berlin-Wedding, wo er seit einiger Zeit wohnt, weil sich das beruflich besser macht: Wasiem Taha, 25 Jahre alt, nennt sich Massiv und arbeitet als Bodybuilder und Gangsterrapper. Seit dieser Woche dient er auch zur Bebilderung des Themas „kriminelle Jugendliche mit Migrationshintergrund“. Und als traurigste Figur einer insgesamt schon tragischen Erscheinung namens „deutscher Gangsterrap“.

          Es ging ja durch die Presse: In der Nacht zum Dienstag wurde in Neukölln - wo sonst - von einem Maskierten auf Massiv geschossen. War eine Rivalität zwischen Hiphoppern eskaliert? Spielen libanesische Großclans eine Rolle? Man weiß es noch nicht. Aber sogar die Polizei insinuiert, dass es sich um eine Promotion-Veranstaltung gehandelt haben könnte: Ein paar Tage später sollte Massivs neue Single erscheinen. Der Rapper reagierte empört, immerhin musste er ins Krankenhaus. Die Unterstellung, dass er den Anschlag selbst inszeniert habe, nannte er „zynisch, menschenverachtend und pervers“.

          Seine neue Single klingt nach dickem Jungen, der die Treppe nicht hochkommt

          „Ohne Perspektive eingepfercht im Asylanten-Heim“

          Zufällig sind das ziemlich genau die Worte, die der Generalsekretär der Berliner CDU für Massivs Musik fand; seine Partei, und auch der Bund der deutschen Kriminalbeamten, forderten umgehend ein striktes Verbot von gewaltverherrlichendem Hiphop. Jeder tat also, was ihm seine Rolle vorschreibt. Und wir vom gutbürgerlichen Feuilleton? Wir steigen natürlich voll drauf ein und haben Massivs Single, als sie am Freitag herauskam, sofort gekauft. „Weißt du wie es ist“.

          Was soll man sagen? Zunächst mal eine halbe Minute Musik, wie sie Heilpraktiker in ihren Behandlungsräumen gern abspielen, sphärische Klänge, Plätschern, dann Streicher, Feen-Chöre, schließlich Glocken. Dann aber Massiv: „Weißt du wie es ist, fremd in einem Land zu sein / Ohne Perspektive eingepfercht im Asylanten-Heim“, und: „Weißt du wie es ist wenn dich fast jeder verprügelt / Und du nach Hause gehst und dich dann noch dein Vater verprügelt / Weißt du wie es ist wenn du mit Steinen in der Niere lebst . . .“ Es folgt dann eine Auflistung von Themen für Sozialreportagen, mit denen man jederzeit den Axel-Springer-Preis gewinnen würde.

          Wirre Reime und erbarmungswürdig dürre Beats

          Es ist leider auch nicht so, dass man Massiv das viele Leid oder die Wut oder wenigstens die vielen Muskeln anhören würde. Es klingt noch nicht einmal nach Anabolika. Es klingt nur nach dickem Jungen, der die Treppe nicht hochkommt. Wenn das der CDU-Generalsekretär wüsste. Vielleicht würde er persönlich zum Trösten vorbeikommen. Keine Ahnung, ob es das ist, was ein Gangsterrapper will. Aber es ist symptomatisch: Schlimmes Gejapse, wirre Reime und erbarmungswürdig dürre Beats, dazu Sounds, die man auch im Ruheraum einer Biosauna laufen lassen könnte. Das ist das ästhetische Elend. Problematischer ist das inhaltliche: ein Text über Nutten, die man in die Knie zwingt, einer über Schwuchteln, die man umbringt, und dazwischen immer mal wieder so ein unspezifisches, selbstmitleidiges Gejammer darüber, wie Scheiße alles so ist im Getto, wozu man selber aber nach Kräften beiträgt.

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