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Robert Plant zum 70. : Mähne, Brust und Gebrüll

Robert Plant Bild: EPA

Den faszinierenden, gefährlichen Flug von „Led Zeppelin“ hat er überlebt. Schon das ist eine Leistung. Danach erfand er sich auf beeindruckende Weise neu. Heute wird der Sänger Robert Plant 70 Jahre alt.

          Es gibt ihn immer noch: Robert Plant. Und dass, obwohl er und seine Truppe zu denen gehören, die der schwarzglühenden Sonne im Herzen des Rock-Universums mit ihren lebenszertrümmernden Exzessen gefährlich nahe gekommen sind. Nicht mit wächsernen Flügeln, sondern mit ganzen Einkaufstüten voller Koks. Dieser „Led Zeppelin“ stürzte endgültig ab, als ihr Schlagzeuger John Bonham am 25. September 1980 tot im Haus des Gitarristen Jimmy Page gefunden wurde. „Er war mein Bruder“, wird der Sänger Robert Plant noch im Oktober 2017 in einem Radiointerview zu Howard Stern sagen. „Er war unberechenbar, aber er war ein eindrucksvoller Typ.“

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass sein Tod den Flug des Zeppelins beenden würde, versteht man, wenn man sich auf Youtube noch einmal eine Live-Aufnahme des Songs „Moby Dick“ vor Augen und Ohren führt, in der sich einer der vielleicht besten Schlagezeuger der Welt über acht Minuten in Sphären weit jenseits unserer Vorstellungskraft trommelt, während Plant, Page und ihr Bassist John Paul Jones sich an den Rand der Bühne trollen.

          Er wächst mit der Musik

          Wie macht man weiter, nachdem man mit diesem Killerkommando des Rock, die musikalischen sowie körperlichen Kampfzonen des Genres über zehn Jahre lang immer wieder ausgeweitet hat? Wenn man sich wie Plant als präzise kreischendes Macho-Goldlöckchen über den Gesang als vokalen Schwellkörper definiert hat? Plant jedenfalls geht auf Abstand und entwickelt sich, seine Musik und seine Stimme, auch wenn er den gewaltigen Schatten des phallisch-schweren Flugkörpers nicht loswird. Manche Sänger können sich nicht einmal von einem Lied befreien, wie soll man da mit dem Schaffen einer ganzen Band fertig werden? „Songs wie ,Babe I’m Gonna Leave You‘ – da finde ich meinen Gesang heute entsetzlich“, sagte Plant einmal. Doch was für ein robustes Gefäß muss dieser Mensch sein, um solche Musik zu transportieren, sich hernach einmal anständig auszuspülen, um sich und auch seine Lieder plötzlich wieder ganz neu zu erfinden?

          Der Mann, der 1948 in West Bromwich, Staffordshire, zur Welt kommt und zu Beginn (wie auch zum noch bevorstehenden Ende) seiner Musik-Karriere mit seiner Band of Joy Lieder von Jefferson Airplane und Moby Grape covert, der mit dem englischen „Vater des Blues“, Alexis Korner, musiziert, der walisische, griechische und nordische Mythologie ebenso in seinen Texten verarbeitet wie die Werke von J.R.R. Tolkien – er kann einiges einstecken, aber unverwundbar ist er nicht. 1975 hat er einen schweren Autounfall. Sieben Monate sitzt er im Rollstuhl, noch auf Krücken nimmt er für das Led-Zeppelin-Album „Presence“ den Song „Achilles Last Stand“ auf.

          Nach dem Ende der Band macht Plant allein weiter, experimentiert, fährt nach Marokko, lernt von der Musik der Berber, spielt „unplugged“ mit Jimmy Page, mit dem er 1994 und 1998 sogar zwei Alben veröffentlicht und entzweit sich mit ihm sofort wieder. Es wird die phänomenale Bluegrass-Musikerin Alison Krauss sein, die ihn musikalisch wie stimmlich vorwärts bringt: Ihr gemeinsames Album „Raising Sand“ (2007) wird 2009 mit fünf Grammys ausgezeichnet. So ist Plant mit und an der Musik, die ihn stets umgeben und glühend durchpulst hat, gewachsen – und hat dabei einen eigentümlichen Wandel vom göttergleichen Rock-’n’-Roll-Vollidioten zum bodenständigen, alten, weisen Mann der Weltmusik vollzogen. Ihm ist etwas gelungen, dass nur ganz wenige auserwählte Rock-Größen jemals hinreichend solide beherrscht haben: Er ist alt geworden. Und das gar nicht mal so schlecht. Heute feiert er seinen siebzigsten Geburtstag.

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