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Sérgio Mendes wird achtzig : Bossa Nova für die ganze Welt

Sergio Mendes, 1977 in London Bild: Ullstein

Sérgio Mendes ist ein erstklassiger Jazzpianist. Seine Bossa-Nova-Alben machen die Hörer glücklich und artikulieren zugleich den Anspruch der brasilianischen Musik auf universelle Gültigkeit. Ein Glückwunsch zum 80. Geburtstag

          2 Min.

          Sérgio Mendes, der große brasilianische Musiker, wird an diesem Donnerstag achtzig – und wenn man sich mit der Frage beschäftigt, was man einem wie ihm noch wünschen könnte, bleibt eigentlich nur eines übrig: einen unerfüllten Wunsch, ein ungestilltes Begehren, das möchte man ihm wünschen. Denn wer auch immer Sérgio Mendes interviewt hat in den vergangenen Jahren, kam mit der Nachricht zurück, dass Mendes ein glücklicher Mensch sei, wunschlos und völlig eins mit seinem Leben. Und erst recht mit seinem Werk.

          Claudius Seidl

          Redakteur im Feuilleton.

          Dieses Glück, das immer auch von seiner Musik ausging, seit er angefangen hatte in den frühen Sechzigern, diese Unbeschwertheit und profunde rhythmische Heiterkeit, die selbst hinter den melancholischeren Harmonien spürbar wurden: Das alles hat ihm viele Gegner eingebracht. Überzeugte Rock’n’Roller und ernste Jazzliebhaber halten sich die Ohren zu, wenn jemand Sérgio Mendes auflegt. „Easy Listening“ nennen sie diese Musik, und immer schwingt der Vorwurf mit, dass, wer so etwas spielt, es sich immer zu leicht gemacht habe. In den späten Sechzigern, als die Studenten auf die Straße gingen, war Mendes nicht dabei und produzierte noch nicht einmal den Soundtrack dazu. Er nahm lieber Bossa-Nova-Platten in Los Angeles auf. Und ging 1968 mit Frank Sinatra auf Brasilien-Tournee.

          Dabei war und ist Mendes ein Pianist, der allen musikalischen Ernsthaftigkeitsansprüchen genügen kann – mühelos, was vielleicht das Problem ist. In Niteroi, gegenüber von Rio an der Guanabara-Bucht gelegen, wuchs er auf und lernte, klassisch, das Klavierspielen. In der legendären „Bottles Bar“, einen Block von der Copacabana entfernt, spielte er Cool Jazz, so cool und inspiriert, dass Antonio Carlos Jobim, der größte brasilianische Komponist des zwanzigsten Jahrhunderts, begeistert war von dem jungen Mann. Und ihn einlud, mit ihm in die Vereinigten Staaten zu fahren.

          Wo Mendes dann geblieben ist. 1964 putschten in Brasilien die Generäle und brachen all die Glücks- und Zukunftsversprechungen, die sich bis dahin in der Bossa Nova und der Architektur zum Beispiel Oscar Niemeyers oder Lúcio Costas artikuliert hatten.

          Sérgio Mendes, als er dann in Los Angeles seine Platten fürs Label A&M aufnahm, formulierte seine Versprechen mit zwei Frauenstimmen, die unisono über einen Dschungel aus Percussion zu fliegen schienen; mit hochspannungsstromverstärkten Piano- und Orgelgrooves; mit Chören aus einem Hintergrund, der nach den Favelas und nach gefährlichen magischen Ritualen klang. Das sei der Ausverkauf brasilianischer Musik an amerikanische Standards und den globalen Geschmack, sagten die Gegner. Es war aber viel eher der Versuch, neben nordamerikanischem Soul, Jazz und Rock’n’Roll auch die universale Gültigkeit und Verständlichkeit der brasilianischen Bossa Nova zu behaupten. Und es war die kosmopolitische Antwort auf die Borniertheit des brasilianischen Regimes.

          In den frühen achtziger Jahren spielte Mendes eine so schmierige Rockmusik, dass man fast denken konnte, der gute Geschmack hätte ihn verlassen; er war aber nur süchtig nach den oberen Plätzen in den Charts. Seit den Neunzigern hat jede Generation ihn wiederentdeckt – und das Schönste daran war: Sérgio Mendes entdeckte dabei auch sich selbst immer wieder; er nahm, nur zum Beispiel, seine alten Hits mit den Black Eyed Peas und Erykah Badu als Hiphop-Nummern neu auf, er spielte neue Hits im alten Stil, er führte nebenbei vor, wie viel House schon in der Bossa Nova steckt. Er ist, und bleibt hoffentlich, ein sehr junger Musiker.

          Alter ist kein Argument für Sergio Mendes
          Alter ist kein Argument für Sergio Mendes : Bild: dpa

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