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Mark Knopfler : Whoop De Doo, zum Solo!

  • -Aktualisiert am

Er weiß, wie man musikalisch Druck aufbaut: Mark Knopfler Bild: Imago

Rhythmus und Leadgitarre vermählt in einem Musiker: Seine ikonischen Fingerpicking-Soli schrieben Geschichte. Der Meister der Ekstasen, Gitarrist und Sänger Mark Knopfler, wird siebzig.

          2 Min.

          In den meisten Rockmusikwerken sind Rhythmus- und Leadgitarre sauber getrennt: Einer oder zwei schrammeln Akkorde, davor steht der Solist und hat die Hände frei. Mark Knopfler hat das geändert, er ist beides in Personalunion, und seine besten Songs sind Progressionen, bei denen das Akkordschema mit jeder Wiederholung klimaktisch von der Begleitung zum Solo gesteigert wird: mustergültig etwa bei „Where Do You Think You’re Going“ (1979), unnachahmlich bei seinem Lebensmeisterwerk „Sultans of Swing“ (1978).

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Die Ekstase bei dem ikonischen Fingerpicking-Solo zum Schluss dieses Liedes wäre eben nicht so groß, wenn sie nicht vom ersten Takt an vorbereitet wäre. Dass man manchmal gar nicht das Tonmaterial, sondern nur die Intensität verändern muss, zeigt das spätere „On Every Street“ (1991), das durch immer druckvollere Wiederholung ad infinitum nochmals für Euphorie sorgte.

          Für einen Teil seiner Fans hatte Knopflers Band Dire Straits da bereits den Zenit überschritten, war zum Stadionrock abgestiegen. In der Tat geht von der Frühzeit dieser Gruppe mit den ersten beiden Alben „Dire Straits“ (1978) und „Communiqué“ (1979), ihren stets ganz auf Knopflers Gitarrenspiel und Gesang ausgerichteten Arrangements sowie einer wunderbar schnörkellosen Produktion der größte Reiz aus.

          Synthesizerflächen, lange Saxophonsoli und ewiges Herumgniedeln auf dem Schlussakkord brauchten die Dire Straits nicht; weil sie aber doch bei diesen Dingen ankamen (dokumentiert auf den Live-Alben „Alchemy“, 1984, und „On the Night“, 1993), hat Knopfler wohl selbst einmal gesagt, dass ihm die Band irgendwann zu groß wurde und er darum genug von ihr hatte.

          So begann seine zweite Karriere als Singer-Songwriter, der wiederum einigen Fans zu glatt oder zu lieblich wurde („Golden Heart“, 1995) und außerdem kaum noch ekstatische Soli hervorbrachte. Aber kaum jemand wird leugnen können, dass ein Album wie „Sailing to Philadelphia“ (2001) einfach in jeder Hinsicht gelungen ist: Es ist aus einem Guss, obwohl es ganz unterschiedliche Stile von der titelgebenden Folkballade über zwei englische Pioniere im Wilden Westen bis zum groovigen Souljazz von „Baloney Again“ verbindet, darüber hinaus sogar noch mit einer Hitsingle aufwartet („What It Is“), die mit ihrem eingängigen Gitarrenriff dann doch noch einmal beste Dire-Straits-Zeiten heraufbeschwört.

          Und vielleicht gibt es ja sogar jene, die einfach allen Werkphasen Knopflers etwas abgewinnen können, die eine Kontinuität von seinem lakonisch-trockenen Parlandogesang der Mordballade „Six Blade Knife“ bis zum altersweisen Witzlied „Whoop De Doo“ sehen und darüber hinaus anerkennen, dass er kaum einen schlechten Song geschrieben hat.

          Was er Generationen von Gitarrenschülern an Inspiration gegeben hat, ob feinfühlig-schnell auf der Stratocaster, weinerlich und röhrend auf der schweren Les Paul oder romantisch plinkernd auf der Resonatorgitarre, ist kaum hoch genug einzuschätzen.

          Der in Glasgow Geborene, auch von vielen Musikerkollegen Verehrte, dem allein für die Groß-Songs „Tunnel of Love“ und „Telegraph Road“ ein Platz im Rock-Olymp gebührt, hat sein in den achtziger Jahren notorisches Schweiß-Stirnband inzwischen gegen eine starke Brille eingetauscht, steht aber trotzdem unermüdlich auf der Bühne. Am heutigen Montag wird Mark Knopfler siebzig Jahre alt.

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