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Eagles-Musiker Don Henley : Der Texaner mit Talent

  • -Aktualisiert am

Schlagzeuger, Sänger, Songwriter: Don Henley Bild: Danny Clinch

Mit „Hotel California“ sang Don Henley mit den Eagles einen der bekanntesten Rocksongs aller Zeiten – aber sein eigener, riesiger Erfolg kam erst später. Heute wird er siebzig Jahre alt.

          2 Min.

          „On a dark desert highway / Cool wind in my hair“ – die nur ganz leicht angerauhte, verhältnismäßig hohe, intim wispernde, ja fast wimmernde Stimme vergisst man nicht wieder. Wenn „Hotel California“ unsterblich ist – und das ist es ganz sicher –, dann vor allem wegen Don Henley, der es mitschrieb und ganz allein singt. Der größte Hit der Eagles von der gleichnamigen, Ende 1976 erschienenen Platte ist einer der bekanntesten Rocksongs überhaupt, von seiner Grundrhythmik her allerdings ein Reggae.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Don Henley gehört zur nicht gerade übermächtigen Riege von Schlagzeugern, die nicht nur eine Solokarriere eingeschlagen haben, sondern auch wirklich sehr gut singen und schreiben können. Dabei musste er sich seinen Weg zum Hauptsongschreiber und überaus charakteristischen Sänger einer der erfolgreichsten, homogensten Bands erst langsam bahnen. Auf dem Eagles-Debüt war er nur mit „Witchy Woman“ vertreten, seine kratzige Intonation verlieh diesem knochenharten Lied sofort etwas merkwürdig Sirenenhaftes, während der Rest der Platte zwischen Folk, Country und Bluegrass gut ausbalanciert war.

          Auf „Desperado“ (1973), einem der wenigen wirklich überzeugenden sogenannten Konzeptalben, brachte der gebürtigeTexaner sein Herkunftsgefühl in die brillant vertonte, gebrochene und behutsam aktualisierte Westernromantik ein, sang die wichtigsten Lieder („Doolin-Dalton“, „Tequila Sunrise“ und das Titelstück) und mauserte sich mit dem ihm in Hassliebe verbundenen, inzwischen verstorbenen Gitarristen Glenn Frey zu einer der einflussreichsten, kommerziell einträchtigsten Partnerschaften des amerikanischen Rock.

          Fortan war Henleys Rolle bei den Eagles nahezu erdrückend, er war die Stimme der Band, und diese Dominanz wohl trug mit dazu bei, dass man sich 1981 trennte. Henley debütierte im Folgejahr mit „I Can’t Stand Still“, einer wuchtigen, abwechslungsreichen Pop-Rock-Platte, bei dem ihm die versiertesten Westküsten-Kollegen unter die Arme griffen. Der gesellschaftskritische Aspekt seines Songwritings, der auf „Hotel California“ noch unter einer Metapher verborgen lag, trat nun offen zutage. Große Songs wie „Dirty Laundry“ und „Johnny Can’t Read“ artikulierten sein fortan nicht mehr schwindendes Unbehagen an der Gegenwart, an der Medien-Moderne.

          Und dann kam sein absoluter Blockbuster: „Boys of Summer“, von dem Album „Building The Perfect Beast“ (1984), wurde zum Soundtrack einer Jahreszeit und eines Jahrzehnts, ein dennoch zeitloses, melodiös zwingendes Meisterwerk gelinder, mitreißend verbreiteter Melancholie. Von nun an war Don Henley unter allen Eagles der erfolgreichste Solokünstler.

          Nachdem er mit Glenn Frey das Kriegsbeil begraben hatte, starteten die Eagles ihre zweite Karriere. Zwar wurden die Plattenmillionäre mit großem Interesse wieder begrüßt; aber die alternden, auch live unverändert kompetent musizierenden Superstars standen fortan für die ewige Wiederkehr des Gleichen und sahen ihr vergleichsweise schmales Werk als Soft- und Wohlfühlrock verunglimpft – völlig zu Unrecht, denn das allermeiste, was die Eagles gemacht haben, ist einfach perfekte, noch nicht einmal glatte Musik.

          Zwischendurch und nach einem Wechsel zu Warner legte Henley die überlange, ziemlich ausgetüftelte und stilistisch eher in den Spätachtzigern angesiedelte Platte „Inside Job“ (2000) vor, mit der er der jüngeren Konkurrenz schlau und eigensinnig aus dem Weg ging, wie er überhaupt von Zeitgenossenschaft mittlerweile fast gar nichts mehr wissen wollte. Er galt auch in jüngeren Jahren schon als mürrisch, fast zornig, obwohl er sich bei dem hedonistischen Lebenswandel, für den die Eagles einst standen, auch nicht zurückgehalten hat. Seine jüngste, sorgfältig eingespielte Platte „Cass County“ zeigt noch einmal seine immer schon unterschätzte Bandbreite zwischen hartem Rock und allem, was als Roots-Musik bezeichnet werden kann. Vielleicht, hoffentlich hört man noch von ihm. Aber an diesem Samstag wird Donald Hugh „Don“ Henley erst einmal siebzig Jahre alt.

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