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David Bowie wird ausgestellt : Unser Mann im Mond

Wer ist David Bowie? Und wie oft gibt es ihn? Eine Ausstellung im Londoner Museum Victoria & Albert sucht nach Antworten im Kostümfundus eines der größten Popstars aller Zeiten.

          4 Min.

          Er hat seine Schlüssel mitgenommen. Jetzt hängen sie an einem Haken im Londoner Victoria-&-Albert-Museum, zwei längere mit großem Bart für alte Flügeltüren und vier kleinere. Sie hängen da, als könnte man sie sich einfach nehmen und damit die Tür aufschließen zu der großen Berliner Altbauwohnung, die David Bowie 1976 in der Hauptstraße 155 bezogen hat, und hineingehen.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Vielleicht sitzt Iggy Pop ja noch in der Küche und plündert die Vorräte, die sein Freund sich eben im KaDeWe gekauft hat. Vielleicht steht Bowie selbst vor seiner Staffelei und versucht zu malen wie seine Helden Ernst Ludwig Kirchner oder Erich Heckel. Vielleicht liegt er auch auf dem Sofa und erholt sich von einer Nacht in der Stadt, im „Chez Romy“, im SO 36. Vielleicht ist Bowie aber gar nicht da, sondern mit dem Rad ins Hansa-Studio am Potsdamer Platz gefahren, um Popmusik von einem anderen Stern aufzunehmen.

          Mit den Zutaten zur Kunstfigur: Auch die Accessoires, die aus Bowie Ziggy Stardust machten, werden in London ausgestellt. ...
          Mit den Zutaten zur Kunstfigur: Auch die Accessoires, die aus Bowie Ziggy Stardust machten, werden in London ausgestellt. ... : Bild: AP

          Aber das geht natürlich nicht: einfach aufschließen und hineingehen. Ist ja ein Wohnungs- und kein Portschlüssel. Außerdem ist die Hauptstraße 155 längst weitervermietet, seit fast vierzig Jahren. Andererseits: Wenn Bowie seine Schlüssel behalten hat, dann hat er ja wohl auch nie seine Kaution zurückbekommen! Irgendwie wohnt er also immer noch da. Wenn man die Berliner fragt, ist er bis heute einer von ihnen, wie Kennedy.

          Dies ist das Frühjahr von David Bowie. Ein Comeback in mehreren Teilen nach langer Abwesenheit. Erst veröffentlichte der Popstar eine Single, dann ein Album, „The Next Day“ , der vorläufig letzte Teil beginnt an diesem Samstag in London mit der Ausstellung „David Bowie is“ im Victoria-&-Albert-Museum. Damit ist Bowie zugleich ins englische National Heritage aufgenommen worden: der Junge, der aus dem Londoner Vorort Bromley kam und erst das maskuline Selbstbild des Rock ’n’ Roll und dann den Rock ’n’ Roll selbst zertrümmerte, bis nur Splitter blieben, an denen sich weniger geniale Dilettanten vielleicht geschnitten hätten.

          ... Dahinter türmt sich David Bowie übergroß auf mehreren Displays verteilt
          ... Dahinter türmt sich David Bowie übergroß auf mehreren Displays verteilt : Bild: AP

          Bowie setzte sie aber immer wieder elegant anders zusammen. Das Fragmentarische am Pop findet er bis heute interessanter als das geschlossene Weltbild seiner Zeitgenossen Jagger oder Clapton, weswegen der Titel der Schau, „David Bowie is“, zwar richtig ist, weil man den Satz beliebig ergänzen kann, was hier auf großen Tafeln auch geschieht: „David Bowie is moving like a tiger on vaseline“, „David Bowie is looking for information“. Aber eigentlich wäre „David Bowie could be“ passender gewesen.

          Was ist David Bowie also? Ordentlich zum Beispiel: Er hat penibel aufbewahrt, was im Laufe seiner Karriere an Material so anfiel, selbst im Drogendunst der frühen Siebziger, deshalb findet man in der Ausstellung das zufälligste Zeug wie Reliquien: den Text zum Welthit „Heroes“; eine Postkarte vom Schriftsteller Christopher Isherwood; oder das Fax des Designers Alexander McQueen, der Bowie 1997 einen Mantel aus einem Union Jack schneiderte, und die Maße noch dazu: „Chest 34½, Waist 26½, Seat 35½“. Neunzig Prozent der Ausstellung, erzählt die Kuratorin Victoria Broackes, stammen aus Bowies Archiv, das 75 000 Stücke umfasse. Dreihundert davon sind zu sehen. Das Museum habe sich frei bedienen dürfen. Bowies Leute bestanden aber darauf, die Kommentierungen zu sehen, ansonsten gewährten sie angeblich freie Hand.

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