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Country-Festival „C2C“ : Bier brach mir nie das Herz

  • -Aktualisiert am

Alles geben: Luke Combs auf der Bühne beim „C2C“-Festival in Berlin Bild: Getty

Hier ist das amerikanische Selbstbewusstsein noch intakt: Beim „Country to Country“-Festival in Berlin brillieren alte und neue Stars der Szene. Auch die Sessions im legendären Bluebird Café werden nach Deutschland verlegt.

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          Ein korpulenter Mann ohne jegliches Charisma schleicht in Klamotten, die er auch auf dem Traktor trägt, auf die Bühne – und viertausend Menschen in der Verti Music Hall rasten aus. Es ist Luke Combs, „dem das Feld gehört“, wie die Musikzeitschrift Billboard letztes Jahr schlicht feststellte. „What You See Is What You Get“ heißt nicht nur das zweite Album des derzeitigen Country-Megastars, es ist auch eine Art Motto des Sängers und Gitarristen. Der vor allem für witzige, aber auch ziemlich schlichte Freitagnacht-Hymnen wie „Beer Never Broke My Heart“ oder „1, 2 Many“ bekannte Combs umgibt sich mit einer achtköpfigen Band aus ausgebufften Cracks, darunter gleich vier Gitarristen. Wie sehr sie das Genre beherrschen, wird deutlich, als Combs auf einmal den Bluegrass-Klassiker „Man of Constant Sorrow“ (bekannt aus dem Film der Coen-Brüder „O Brother, Where Art Thou?“) intoniert – da sind Combs’ junge Fans, die sonst sämtliche seiner Songs mitsingen können, kurz irritiert.

          Wie beliebt er in Deutschland ist, scheint Combs gar nicht bekannt: Als er beiläufig erwähnt, dass er letzte Woche dreißig Jahre alt geworden ist, singt ihm das Auditorium spontan lautstark ein Ständchen, was er erst gar nicht mitbekommt und ihn dann vor Rührung stocken lässt. Dass er sich auf sein Berliner Publikum eingestellt hat, wird an einer Video-Sequenz deutlich: Das mit den typischen Kühlschrank-Magneten spielende Filmchen zeigt unter anderem auch die Fahne von Hertha BSC und ein Bild des Hertha-Stürmers Salomon Kalou.

          Das dreitägige „Country to Country“-Festival ist eine aktuelle Leistungsschau der amerikanischen Country-Metropole Nashville. Kaum einer der Acts lässt unerwähnt, dass er entweder aus Nashville stammt – oder zumindest nicht weit davon entfernt residiert. Das winzige Energiebündel Tenille Townes – von ihr, ausgestattet mit einer schneidenden Stimme, wird man noch hören – aus Kanada witzelt: „Nur eine 45-Stunden-Fahrt mit dem Auto von Nashville entfernt“.

          Auch die Enkelin von John Wayne singt mit

          Wären die Everly Brothers Biertrinker aus Kentucky gewesen und hätten von „Codeine“ statt über die Liebe gesungen, hätten sie vielleicht geklungen wie Kyle Daniel und Seth Rentfrow, jedenfalls beherrschten die beiden den Close-Harmony-Stil der Everlys, der seinen Reiz aus der Nähe zur Dissonanz zieht, in ihren zeitgenössischen Songs perfekt. Neben Daniel gehörte das Sextett King Calaway zu den Entdeckungen des Festivals, sie verliehen zum Beispiel der Hippie-Hymne „Love The One You’re With“ mit ihrem vierstimmigen Harmoniegesang strahlenden Glanz. Die Nachfolge der Dixie Chicks – von denen demnächst endlich wieder ein neues Album erscheint – haben Runaway June angetreten, ein Frauen-Trio, dessen Sängerin und Mandolinenspielerin Hannah Mulholland in Berlin krankheitsbedingt fehlte. Davon ließen ihre Kolleginnen, die extrovertierte Naomi Cooke und die mehr für den musikalischen Gesamtklang verantwortliche Jennifer Wayne, übrigens eine Enkelin von John Wayne, sich allerdings kaum beeindrucken und absolvierten ein packendes Konzert.

          Das Country-Genre ist von jeher auch ein Abklingbecken für die Karriere alternder Rockstars – so war Darius Rucker, seit zwölf Jahren ein Country-Star und Headliner am Samstag, früher der Leadsänger der Band Hootie & the Blowfish, di ejüngst wiederbelebt wurde. Es integriert aber auch umstandslos Kunstfiguren wie Charles Esten. Der Mann ist eigentlich Schauspieler – er verkörpert in der Fernsehserie „Nashville“ den geradlinigen Singer/Songwriter Deacon Claybourne –, reüssiert jedoch seit dem Erfolg der Serie auch als Interpret harmlos rockender Good-Time-Songs wie „A Road and A Radio“.

          Eine prominente Rolle in „Nashville“ wie auch in Nashville spielt das Bluebird Café, der Dokumentarfilm „Bluebird“ über die winzige Kneipe, in der zum Beispiel Garth Brooks und, im ALter von vierzehn Jahren, Taylor Swift entdeckt wurden, war im Rahmenprogramm des Festivals zu sehen. Seit dem Erfolg von „Nashville“ wird das Bluebird Café von Touristen überrannt, was Fluch und Segen für diese Institution der Country-Szene ist. Der winzige Laden verfügt nur über neunzig Plätze, was dazu führt, dass nahezu ständig Fans vor der Tür kampieren. Die andächtige Stimmung, die während der ausschließlich akustischen Sessions im Bluebird Café herrscht, wird im Film adäquat wiedergegeben: Zu den Höhepunkten zählt der Auftritt des aufgedunsenen einstigen Superstars Garth Brooks – in den neunziger Jahren verkaufte Brooks mehr Platten als Michael Jackson –, der einen seiner größten Hits, „The Dance“, zum Besten gibt. Und zwar zusammen mit Tony Arata, dem Komponisten des Liedes.

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