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Cros neues Album : Diese verdammte Ohrwurmmaschine

  • -Aktualisiert am

Der Panda unter den Sprachvirtuosen: Cro Bild: Helmut Fricke

Mit seinem Gespür für eingängigen Pop wollte sich Cro in „Melodie“ nicht begnügen. Doch der taffe Rap geht in die Hose. Aus dem Kopf bekommt man das neue Album trotzdem nicht.

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          Die schlimmsten Ohrwürmer sind Songs, die man eigentlich hasst und die einem trotzdem nicht aus dem Kopf gehen. Genau so ging es mir 2012 mit dem Chart-Hit „Einmal um die Welt“ von Cro. Besonders der Refrain des Songs – „Baby, bitte mach dir nie mehr Sorgen um Geld“ – nervte mich maßlos, weil ich mir dazu die vermeintliche Zielgruppe dieser Musik vorstellte. Pubertierende Mädchen, die durch ihre mit Bravopostern tapezierten Kinderzimmer hopsen, dieses machohafte Gedöns lauthals mitjohlen und von einem Leben als Paris Hilton träumen. Das war natürlich ein boshafter und selbstgerechter Gedanke. Denn ich summte das Lied ja selber ständig vor mich hin und schämte mich dann jedes Mal, wenn ich mich dabei erwischte.

          Der immense Erfolg des erst 24 Jahre alten Musikers Cro, der als Markenzeichen eine Pandamaske trägt, erklärt sich nicht zuletzt dadurch, dass bisher jeder seiner Songs ein solcher Ohrwurm war. Hemmungslos verwurstete Cro auf seinem Debütalbum „Raop“ zeitlose Evergreens wie Bobby Hebbs „Sunny“ oder Iggy Pops „The Passenger“ mit aktuellem Indie-Rock und elektronischen Synthesizern und kredenzte dazu seichten bis geistlosen Sprechgesang. Möglichst viel gute Laune verbreiten und möglichst nur über Themen singen, die keinem weh tun. Das scheint das künstlerische Credo von Cro zu sein, der von sich selber sagt, er wolle nichts als Hits schreiben. Und dass ihm das bisher fulminant gelingt, ist eine Leistung, die man durchaus würdigen kann. „Raop“ verkaufte sich jedenfalls mehr als eine halbe Million mal und machte Cro aus dem Stand zum derzeit heißesten Newcomer der deutschsprachigen Popmusik.

          Fast schon ein Diss

          Es ist daher etwas überraschend, dass Cro mit seinem jetzt erschienenen zweiten Album „Melodie“ nicht völlig nahtlos an das Erfolgsrezept seines Erstlingswerks anknüpft. Der Sound der neuen Platte klingt eindeutig bombastischer und ist stärker am amerikanischen Hip-Hop der 1990er und 2000er Jahre orientiert. Insbesondere die ersten Songs warten mit fetten Synthiebeats, Posaunen- und Geigenklängen auf. Passend dazu sind auch die Liedtexte etwas mehr auf Krawall gebürstet. „Sag mir, was kann ich dafür, dass sie deinen Scheiß nicht fühlen, also piss mich bitte nie wieder an, aight?“, rappt Cro im Intro „I can feel it“. Zeilen wie diese muten fast schon wie ein Diss an, also eine für Hip Hop typische Kampfansage an die Rapperkollegen.

          Wie zum Beweis, dass er nicht nur ein Popstar, sondern auch ein ernst zu nehmender Rapper ist, zitiert Cro auf „Melodie“ gleich eine ganze Reihe genreüblicher Topoi. Vom Kiffen und Saufen ist die Rede, die Freunde werden als „Atzen“ und „Dogs“ tituliert. Und in „Cop Love“ geht es – wenn auch romantisch angehaucht – um den Sex mit einer Polizistin. Wobei dieser offensichtlich ironisch gemeinte Ansatz einer Gangster-Attidüde leider mit dem inflationären Gebrauch von Anglizismen einhergeht. Geschätzt jedes dritte Wort auf dem Album ist ein englisches, was die Texte insgesamt furchtbar plump erscheinen lässt. Von der lyrischen Sprachvirtuosität seiner Vorbilder Max Herre und Samy Deluxe ist Cro Lichtjahre entfernt.

          Ansonsten sind die inhaltlichen Schwerpunkte auf „Melodie“ dieselben geblieben, Cro pflegt sein Image als netter Junge von Nebenan, der nie erwachsen werden möchte. In dieser Rolle gelingen ihm dann wieder locker leichte Popsongs wie „Hey Girl“, in denen sich alles um die Liebe zu einem Mädchen dreht. Oder Lieder wie „Jetzt“, in denen er das jugendlich sorgenfreie Leben im Hier und Jetzt feiert. Erfolgreiche Musik macht Cro eben doch als Popsänger und nicht als Rapper. Die vorab veröffentlichte Singleauskopplung „Traum“ steht bereits seit drei Wochen an der Spitze der deutschen Charts und wird sicherlich einer der großen Sommerhits 2014 werden. Zu einem eingängigen Offbeat mit Saxofon-Melodie singt Cro hier über seine Sehnsucht nach einer imaginären Traumfrau. Das ist zwar völlig belanglos, aber ein Ohrwurm ist der Song eben trotzdem.

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