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Cream-Drummer : Ginger Baker gestorben

  • Aktualisiert am

Ginger Baker (1939 bis 2019), hier im Jahr 1970 auf Fehmarn Bild: Picture-Alliance

Er galt als einer der besten Schlagzeuger des Rock und Jazz. Mit Bands wie Cream schrieb er Musikgeschichte, sein extremer Lebensstil sorgte für Entzweiung und Schlagzeilen. Ginger Baker starb im Alter von 80 Jahren.

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          Der britische Schlagzeuger Ginger Baker ist tot. Er starb im Alter von 80 Jahren, wie die Familie auf ihrer Facebook-Seite mitteilte. „Wir sind sehr traurig, mitzuteilen, dass Ginger am Sonntagmorgen nach langer Krankheit friedlich eingeschlafen ist.“

          Peter Edward tauften ihn seine Eltern, Freunde nannten ihn später wegen seiner roten Haarfarbe Ginger. Sein Leben war eines der abenteuerlichsten der Rockgeschichte. Drogenprobleme und ihre Überwindung kommen darin vor, Millionenerfolge und Pleiten, weltweite Bewunderung und wütende Schmähungen, endlose Abschiede und Neuanfänge in Gruppen der verschiedensten stilistischen Richtungen von Blues bis Free Jazz, eine Farm in Kalifornien, Olivenanbau in Italien, Studio und Nachtclub in Nigeria und drei gebrochene Rippen bei seinem Lieblingssport Polo.

          Sein großes Talent als Schlagzeuger ging ihm nie aus. Damit arbeitete er sich zunächst durch britische Traditionsjazzbands eines Terry Lightfoot und Mr. Acker Bilk, driftete dann hinüber in die explosiv beginnende Bluesrock-Jazz-Szene mit Namen wie Alexis Korner, Graham Bond und auch schon John McLaughlin. Da fielen dann seine Kraft und Dynamik schon auf, und der endgültige Durchbruch kam mit der von ihm angeregten Gründung des Trios Cream 1966, das war der Höhepunkt seiner Karriere.

          Bis zuletzt auf Tour

          Baker, der sich zeitlebens als Jazzmusiker fühlte, bekannte sich zu Einflüssen des Swing-Drummers Gene Krupa und des Allrounders Buddy Rich, der insgesamt für das Rock-Schlagzeug der größte Einfluss wurde. Bei Baker kam aber etwas Entscheidendes hinzu: die Liebe zur afrikanischen Trommelkunst, die er in den zwei Jahren, die Cream bestanden, kultivierte.

          Nach dem Ende von Cream gründete Baker mit Eric Clapton die kurzlebige Superband Blind Faith und das Jazz-Rock-Kollektiv Ginger Baker's Air Force. In dem afrikanischen Musiker Fela Kuti fand er eine verwandte musikalische Seele.

          Berühmt war er für die kraftvolle Motorik und die prozessuale Strukturentwicklung seiner langen Soli, die immer wieder „Toad“ hießen. Im Jahr 2005 kam es in der Londoner Royal Albert Hall zu einer Wiedervereinigung von Cream. Bis zuletzt ging Ginger Baker mit unterschiedlichen Formationen auf Tournee, im April dieses Jahres gastierte er noch in Berlin.

          Filmkritik: „Beware of Mr. Baker“

          Der Schlagzeuger Ginger Baker hatte ein Problem: Er geriet ins falsche Feld. Mit der Band Cream feierte er in den sechziger Jahren sagenhafte Erfolge und war fortan für alle Super Groups dieser Welt ein Kandidat. Doch was bringt das einem, der sich an Max Roach misst, während die Welt ihn mit John Bonham von Led Zeppelin vergleicht? Man kann darüber zum Misanthropen werden. Jay Bulger gibt sich in seinem Porträt „Beware of Mr. Baker“ alle Mühe, den Protagonisten als Ekel zu präsentieren, und bietet auch ein wenig Küchenpsychologie auf, um mit dem frühen Verlust des Vaters die soziale Disposition Bakers zu erklären. Von dem betont nüchternen Eric Clapton abwärts haben fast alle Weggefährten ihren Kommentar zu dieser kontroversen Figur abgegeben, der stärkste Interpret aber bleibt er selbst, Überlebender der Drogen- und Groupiekultur der wilden Jahre des Rock, aufgespannt auf einen Seniorensessel in Südafrika: Ginger Baker, Trommelwirbler und Lebenswüterich und nun auch Held eines ehrerbietigen Dokumentarfilms.

          breb.

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