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Afro-Jazz-Star : Manu Dibango stirbt nach Coronavirus-Infektion

  • Aktualisiert am

Manu Dibango im Januar 2005 in Paris Bild: Reuters

„Soul Makossa“ hat ihn berühmt gemacht, Herbie Hancock und Youssou N’Dour haben mit ihm zusammengearbeitet. Im Alter von 86 Jahren ist der Saxophonist und Komponist Manu Dibango gestorben.

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          Der kamerunische Saxophonist und Komponist Manu Dibango ist nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Dibango sei an Covid-19 erkrankt und im Alter von 86 Jahren gestorben, berichteten französische Medien übereinstimmend unter Berufung auf Familie und Management. Die Infektion des als „Papa Groove“ bekannten Künstlers wurde vor rund einer Woche bekannt.

          Der 1933 in Douala in Kamerun geborene Dibango kam als Fünfzehnjähriger nach Frankreich. Er war inspiriert von Musikern wie Sidney Bechet und Louis Armstrong, entwickelte am Saxophon aber bald einen eigenen Stil des sogenannten Afro-Jazz. Nach einer Zeit in Belgien und in verschiedenen afrikanischen Ländern, darunter im Orchester „Le Grand Kallé et l’African Jazz“ in Belgisch-Kongo, ging Manu Dibango nach Paris.

          „Soul Makossa“ heißt das Stück, das ihn 1972 weltbekannt machte und  mit dem er auch in den Vereinigten Staaten auf Tour ging. Es basiert auf einem kamerunischen Tanzrhythmus, in den sich ein charakteristisches Saxophon-Riff und eine Funk-Gitarre mischen, garniert von Sprechgesang. In Amerika blieb Dibango aber nicht dauerhaft erfolgreich, so dass er nach Paris zurückkehrte, das er später einmal als „Welthauptstadt der afrikanischen Musik“ bezeichnete. Dibango kritisierte andererseits aber auch öfter den Umgang der Plattenfirmen mit afrikanischer Musik im Pop - diese wollten damit Geld verdienen, aber keines dafür ausgeben.

          Er sah sich in einer Zwickmühle, da er einerseits einer allzu allgemeinen Auffassung von „afrikanischer Musik“, die völlig unterschiedliche Stile verschiedener Traditionen verwässere, entgegentreten wollte - und andererseits mit seinen vielseitigen Kollaborationen einer solchen populären Auffassung womöglich selbst Vorschub leistete.

          Dibango hat in seiner langen Karriere mit vielen anderen großen Musikern zusammengearbeitet - in den sechziger Jahren mit Joseph Kabasélé, Dick Rivers und Nino Ferrer. Später nahm er in Jamaica mit Robbie Shakespeare and Sly Dunbar auf, komponierte Filmmusiken und spielte mit Fela Kuti, Herbie Hancock, Youssou N’Dour und Peter Gabriel. Dibango machte den Musikstil Makossa außerhalb Kameruns bekannt. Er beschuldigte Stars wie Michael Jackson und  Rihanna, dass sie sich an „Soul Makossa“ bedient hätten.

          Die „New York Times“ hat Dibangos schillernde Persönlichkeit einmal mit den Begriffen „father figure, pop star, jazzman, composer, media personality and oral historian“  zusammengefasst. Vielleicht war er tatsächlich von allem etwas.

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