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Antrag der Landespolitik : Rettet Berlin jetzt seine Clubs?

  • Aktualisiert am

Anblick aus fernen Tagen: Der Berliner Club Cassiopeia, gut besucht Bild: dpa

Der Vorschlag ist nicht neu, aber in der desaströsen aktuellen Lage führt kein Weg mehr an ihm vorbei: Die Berliner Clubs, die ihr Programm selbst kuratieren, sollen als Stätten der Kultur geschützt werden.

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          Um die Berliner Clubs vor dem Ruin zu retten, sollen sie nun als Kulturstätten anerkannt werden. Einen entsprechenden Antrag haben die Fraktionen von SPD, Linke und Grünen im Abgeordnetenhaus eingebracht. Schützenswert seien Clubs, die „einen regelmäßigen Spielbetrieb und ein anerkanntes künstlerisches Profil aufweisen, das durch kuratiertes Programm, musikästhetischen Anspruch und ein raumgestalterisches Konzept gekennzeichnet ist“, heißt es darin.

          Damit werden Tanzclubs mit konzertähnlichem Programm, von denen es in der Hauptstadt immer noch viele gibt, klar von Diskotheken mit Musik vom Band unterschieden. Als Kulturstätten stünden sie nicht mehr auf der gleichen Ebene mit Vergnügungsstätten wie Bordelle und Spielhallen, sondern hätten ähnliche Voraussetzungen wie Theater und Konzerthäuser: Investoren müssten dann bei neuen Bauvorhaben mehr Rücksicht nehmen und gegebenenfalls für Schallschutz sorgen. Das Berghain, der bekannteste Club Deutschlands, zahlt jetzt schon sieben Prozent Gewerbesteuer – und ist damit als Ort kreativer Leistung anerkannt.

          Die Fraktionen kündigten außerdem eine Verstärkung des landeseigenen Lärmschutzfonds' an, der den Clubbetreibern  Zuschüsse für Schallschutzmaßnahmen ermöglicht.

          Das Berghain, noch immer ungewohnt still
          Das Berghain, noch immer ungewohnt still : Bild: dpa

          Der Vorschlag ist nicht ganz neu, den ersten Antrag im Bundestag stellten Grüne, Linke und FDP schon im Februar. Damals gab es verschiedene Ideen, unter anderem die Einrichtung von sogenannten Kulturschutzgebieten, also Arealen, aus denen die elektronische Tanzmusik nicht verdrängt werden darf. Vorhandene Clubs sollten geschützt und neue bei der Entwicklung ganzer Stadtteile frühzeitig mitgeplant werden.

          Schon vor Corona war die Clubkultur wegen steigender Mieten und schwindender Freiflächen, wegen zahlreicher Wohnprojekte und der näher rückenden Wohnbebauung massiv  in Bedrängnis geraten. In den letzten zehn Jahren, sagen die Betreiber, mussten hundert Berliner Nachtclubs schließen. Etwa 70 haben in dieser Zeit neu eröffnet, unter ihnen nach Einschätzung der Berliner Clubkommission viele kommerzielle Tanztempel ohne kuratiertes Programm.

          Vor der Pandemie hat die Clubszene der Hauptstadt mit all ihren Dienstleistern und Nebeneffekten einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Viele internationale Touristen kamen vor allem auch wegen des vielgestaltigen Nachtlebens nach Berlin. Seit Beginn der Krise fühlten sich die Clubbetreiber allein gelassen. Der Hilfsfonds deckte bei weitem nicht die Kosten für den kompletten Stillstand ab, an dem sich für die Tanzkultur auch in absehbarer Zeit nichts ändern wird. Nun wird mit der Kulturstättenregelung zumindest einer langjährigen Forderung der Berliner Clubkommission stattgegeben.

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