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Jazz-Bassist Christian McBride : So mitreißend klingt schwarze Rebellion

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Eine von vier Ikonen für Christian McBride: Muhammad Ali, hier 1976 in München Bild: dpa

Ein musikalisches Denkmal für die schwarzen Bürgerrechtler: Der Jazz-Bassist Christian McBride widmet auf seinem opus magnum „The Movement Revisited“ vier ihrer Ikonen unvergessliche Klangporträts.

          5 Min.

          Als ein geschlagener und ausgepumpter Sonny Liston sich in den Abendstunden des 25. Februar 1964 weigerte, zur siebten Runde anzutreten, war eine Weltsensation perfekt. Damit begann nicht nur eine neue Ära des Boxens, auch in Amerikas politischer und sozialer Geschichte wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen: „Ich bin der Größte! Ich muss nicht so sein, wie ihr mich gern haben wollt. Ich bin frei, derjenige zu sein, der ich sein will. ‚Cassius Clay’ war mein Sklavenname, jetzt heiße ich ‚Muhammad Ali’“. Nie zuvor hatte es eine solch provokante Selbstermächtigung eines amerikanischen Sportlers gegeben. Ali repräsentierte jetzt ein völlig neues Image des Afro-Amerikaners.

          Für den Bassisten Christian McBride war deshalb sonnenklar, dass eine Symbolfigur wie Muhammad Ali zu jenen vier Ikonen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zählt, die er auf seinem jetzt erschienenen Konzeptalbum „The Movement Revisited“ porträtiert. Redeausschnitte und Schlüsseltexte von Rosa Parks, Malcolm X, Martin Luther King und Ali werden von Sängerinnen und Sängern rezitiert, die erst gar nicht versuchen, Tonfall, Timbre und Tempo ihrer Vorbilder exakt zu imitieren. McBride war von Anfang an klar, dass seine Auswahl rein subjektiv sein musste: „Natürlich besaß die Bürgerrechtsbewegung noch eine Vielzahl anderer führenden Köpfe, aber diese vier Figuren haben mich zeitlebens tief berührt und deshalb habe ich sie ausgewählt.“

          Schon vor zweiundzwanzig Jahren hatte McBride eine erste, noch reduzierte Version dieses Projekts produziert, später kamen neue Arrangements, eine achtzehnköpfige Bigband und ein dreißigköpfiger Gospel-Chor hinzu, um die historischen Vorbilder in möglichst intensiven Klangbildern aufleben zu lassen. Im Jahr 2008 wurde McBride durch die Anfrage für eine Live-Aufführung des Werks im Zusammenhang mit der Wahl Barack Obamas dazu inspiriert, eine überarbeitete Version in Angriff zu nehmen. Die Wahl des ersten afro-amerikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten war für McBride ein historisches Ereignis, das er unmittelbar mit den Emanzipationsprozessen von Black-Power und „Black is beautiful“ verbinden musste.

          Das erstaunliche Werk verknüpft Klanggeschichten einer kleinen Jazz-Combo mit dem dramatischen Pathos eines Gospel-Chors, der aufstörenden Wucht einer Bigband, theatralischen Elementen und dramatischen Sprachgesten. Es geht um den spirit des Civil Rights Movement, um seinen positiven Aufbruchsgeist, den McBride in seinem musikalischen Sprach-/Klang-Kaleidoskop neu erwecken möchte und der noch heute als fernes Echo in der „Black Lives Matter“-Bewegung fortwirkt, die sich jeder Polizeiwillkür gegenüber Schwarzen in den Weg zu stellen versucht. „Wir führen gerade in unserer Gesellschaft erbitterte Kämpfe um Bürger- und Menschenrechte, ohne uns dabei früherer Schlachten auf dem Feld der Kultur zu versichern. Wenn es meinem Werk gelingt, das Bewusstsein für die historische Dimension aktueller Auseinandersetzungen zu schärfen, habe ich meinen Job gemacht.“

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