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Jazz-Bassist Christian McBride : So mitreißend klingt schwarze Rebellion

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Einfühlungsvermögen, Überzeugungskraft und Humor – diese Qualitäten treiben „The Movement Revisited“ an und machen es nicht zuletzt für ein jüngeres Publikum attraktiv. So wird Rosa Parks von der renommierten Dichterin Sonia Sanchez gesprochen, die in den Sechzigern und frühen Siebzigern selbst Teil des „Black Arts Movement“ war. Der Charakterdarsteller Wendell Pierce leiht Martin Luther King seine majestätische Stimme. Auch die beiden Schauspieler, die Malcolm X und Muhammad Ali rezitieren, Vondie Curtis-Hall und Dion Graham, verfügen über jene aufwühlende Präsenz, Wut und leidenschaftliche Hingabe, in Alis Fall auch über einen rasiermesserscharfen Humor, die für diese Rollen unerlässlich sind.

Schon Miles Davis war überzeugt, dass Jazz „soziale Musik“ sei, dass er immer und überall die Lebenswirklichkeit seiner Urheber inmitten ihrer besonderen gesellschaftlichen Verhältnisse repräsentiere: Jazz als seine Zeit in improvisierten Klangformen gefasst! McBride stellt sich ausdrücklich in die Traditionslinie politisch motivierter Jazzalben wie Max Roach’s „Freedom Now Suite - We Insist!“ oder Andrew Hills kammermusikalischer Aufforderung „Lift Every Voice“. Dennoch bleibt er sich der Problematik einer solchen Mixtur aus „Music & Message“ bewusst – allzu leicht kann ein selbstgewisser Propaganda-Ton die heikle Gratwanderung zwischen dem ästhetischen Eigensinn der Musik und den textlichen Botschaften ins Wanken bringen.

Harry Belafonte, der 2013 bei der Live-Aufführung einer früheren Version von „The Movement“ seinem Freund Martin Luther King die Stimme geliehen hatte, störte sich denn auch an den Tempo- und Stimmungswechseln der Stücke: Beispielsweise am Übergang von der ausgelassenen, funky Stimmung in Alis „Rumble in the Jungle“ zur nachdenklich-düsteren Atmosphäre in der Hommage an MLK in „Soldiers (I have a dream)“. Belafonte fand, dass gerade die multiperspektivische Herangehensweise an die verschiedenen Civil-Rights-Repräsentanten dem homogenen Grundgedanken der Bewegung nicht gerecht werde. Dabei ist es gerade der Beziehungsreichtum der verschiedenen Soundschichten, der dem Album überzeugende Authentizität verleiht.

Die Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre, die mit ihren Freiheits-Idealen und Kämpfen gegen rassische Diskriminierung bis heute von ihrer Aktualität nichts eingebüßt hat, entsteht auf diesem Album als Hörbild neu, mit starken dramatischen, ja fast widersprüchlichen Effekten. Vielleicht hat sich McBride dabei ja eines Diktums Duke Ellingtons erinnert, als der einst einen dissonanten Akkord vernahm: „So klingt ein Negro-Leben! Dissonanz bestimmt unseren Lebensstil in Amerika – wir sind abgesondert und zugleich integraler Bestandteil der Gesellschaft.“

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