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Britney Spears : Vom Sexsymbol zum Wrack

Einfach ein unglücklicher Mensch: Britney Spears Bild: AFP

Haare auf dem Kopf hat sie zwischenzeitig nicht, reich und berühmt ist sie noch immer. Und der Öffentlichkeit hat sich Britney Spears aus freien Stücken ausgeliefert. Nun hat sich die Sängerin in eine Reha-Klinik begeben. Muss man Mitleid haben mit ihr? Jörg Thomann meint: ja.

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          Das Urteil fällt eindeutig aus. Die Angeklagte ist „völlig durchgeknallt“ („Express“), sie ist „total kaputt“ („Bild“), hat die Öffentlichkeit „entsetzt“ und „schockiert“. Was, um Himmels willen, ist vorgefallen? Ein Attentat? Ein Amoklauf? Nein, die junge Frau, von der die Rede ist, ist niemandem zu Leibe gerückt, außer sich selbst: Sie hat sich den Kopf kahlgeschoren. Weil es aber nicht irgendein Kopf ist, sondern einer, den - mit Haaren - die ganze Welt kennt, ist die Aufregung groß: Britney Spears hat sich von ihrer Mähne getrennt, die in zumeist blonder Färbung zum festen Bestandteil der Popkultur und damit Allgemeingut geworden war.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Popmusik kennt manche Glatzenträgerin, doch bei Grace Jones, Sinead O'Connor oder Skin von „Skunk Anansie“ gehörte der Kahlschlag zum künstlerischen oder zum kommerziellen Konzept. Bei Spears scheint der Fall, glaubt man den Berichten aus dem Friseursalon bei Los Angeles (siehe auch das Video: Popikone Britney Spears trägt Glatze), anders zu liegen. Von einem kurz zuvor beendeten Aufenthalt in einer Entzugsklinik wissen die Reporter zu berichten, von einer verwirrt wirkenden Britney, die nach der Rasur die Befürchtung geäußert habe, dass ihre Mutter nun gewiss „ausflippen“ werde. Ein Akt der Emanzipation sieht anders aus. Und so deuten die Gerüchteküchenpsychologen der Weltpresse die Episode als vorläufigen Tiefpunkt im Leben einer Frau, die mit achtzehn Superstar, Sexsymbol und Idol von Millionen Teenagern war und heute, mit fünfundzwanzig, ganz unten ist. Spears' Manager, Larry Rudolph, gab am Dienstag bekannt, dass sich die Sängerin in eine Reha-Klinik begeben habe, und bat darum, ihre Privatsphäre zu respektieren.

          Irgendein Zeuge lässt sich immer auftreiben

          Mit Mitte zwanzig hatten auch die „Beatles“ beschlossen, nicht mehr alles zu tun, was man von ihnen erwartete. Sie zogen ihre Anzüge aus, ließen die Haare wachsen, gaben keine Konzerte mehr, wandten sich Drogen zu - und nutzten den selbstgeschaffenen Freiraum, um ihr künstlerisches Potential zu entfalten. Auch Spears ließ unlängst verlauten, sich inzwischen reifer und freier zu fühlen; als Prototyp des Popschaffenden, dessen Karriere nicht auf Genie, sondern auf Disziplin und Fitness aufgebaut ist, kann sie aus der Freiheit indes keine kreative Energie ziehen. Versperrt ist ihr auch der von Sängern im Karrieretief gesuchte Notausgang, „sich selbst neu zu erfinden“ - war die Figur Britney Spears doch stets von anderen modelliert worden; mal überzeugend (Popschulmädchen), mal nicht (Vamp). Was also tut die freiere, reifere Frau Spears? Sie versucht, nachzuholen, was sie nie erlebt hat: eine echte Jugend. So richtig exzessiv mit Partys, Alkohol und knappen Textilien.

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