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Britney Spears in Köln : Zwei Dinge kann sie gut: tanzen und lachen

  • -Aktualisiert am

Die Windmacherin der jüngeren Popgeschichte? Britney Spears gibt sich alle Mühe Bild: Thomas Brill

Was tut man, wenn man als neunundzwanzigjähriger Weltstar mal wieder ein Deutschland-Konzert gibt? Britney Spears bedient in Köln den Trash- Faktor – schade um sie und ihren Augenpop.

          Wie es um Britney Spears’ Status als Pop-Ikone bestellt ist, mag man daraus ablesen, dass die Halle, in der das einzige Deutschlandkonzert ihrer laufenden Tournee stattfindet, nur gut zur Hälfte gefüllt ist. Andererseits: Ob es ein vermeintliches Sternchen überhaupt zur Ikone gebracht hat, lässt sich leicht daraus ersehen, ob auf einem Konzert ausreichend Lookalikes herumlaufen.

          Unter diesem Gesichtspunkt wäre alles in Ordnung: Im Vorraum der Kölner Lanxess Arena, wo am Dienstagabend Britney Spears’ „Femme Fatale“-Tour Halt macht, weiß man gar nicht, wohin man vor lauter blondmähnigen Doppelgängern schauen soll. Und viele dieser Britneys sind noch nicht einmal weiblich. Dies kündet nicht nur von einer ausgeprägten Bewunderung durch die sogenannte Gay Community; es deutet auch darauf hin, dass hier der Trash-Faktor der Fan-Rezeption schon seriell eingebaut zu sein scheint. Das wäre bei einem erst neunundzwanzigjährigen Weltstar natürlich nicht frei von Tragik.

          Britney Spears als gejagte Superagentin

          Für Schadenfreude, Häme und einfaches Abwatschen durch snobistische Kritiker besteht indes kein Grund. Man darf sich bei einem Britney-Spears-Konzert bloß nicht über die falschen Sachen ärgern: Sich darüber zu beschweren, dass hier konfektionierter Einheitspop als Vorwand für sinnlose Tanzeinlagen in billigen Fummeln geboten würde, wäre so, als ginge man in einen Tarantino-Film, um sich hernach über lange Dialoge, Blutgespritze und Film-Zitate aufzuregen. Was Britney Spears bietet, ist die eskapistische Superkeule: Pop ohne jeden Bruch, etwas, wonach sich ja mancher Ironieverdrossene zurücksehnt. Also lieber: drauf einlassen. Oder zumindest: offen bleiben und die Spiele beginnen lassen.

          Der Anfang ist schon mal gut: Während dem rückwärts laufenden Zähler auf der Leinwand zu entnehmen ist, dass es nur noch wenige Minuten bis zum Showanfang dauert, wird die unerbittlich tuckernde Großraumhallenmusik lauter und lauter. Dann geht das Licht aus, und auf den Leinwänden ist ein Filmchen zu sehen, das der „Femme Fatale“-Show so etwas wie eine Rahmenhandlung geben soll: Es geht, so ist auf Nachfrage bei den Platznachbarn zu erfahren, im Groben wohl darum, dass Britney Spears eine Art gejagte Superagentin ist. Nachdem sie ihren Häschern auf der Leinwand entkommen ist, steht sie plötzlich leibhaftig da, im blau-grauen Glitzerfummel und an eine seltsame Scherben-Konstruktion geschnürt.

          Tanzflummi in einem Gay-Event

          Sympathisch sieht sie aus, ein wenig angestrengt, wie das eben so ist, wenn man die ganze Zeit über seine Tanz-Choreographie nachdenken muss. Natürlich: Es geht um die Show. Zum Singen ist sie heute nicht gekommen. Die Frage, ob das Bisschen Stimme, das unter der wummernden pseudo-furistischen Kirmesmusik zu hören ist, bloß auf Autotune gestützt oder doch schon Playback ist, wird aus Anstandsgründen verdrängt. Darum geht es hier auch nicht: Authentizitätsgelüste, Holzgitarren und Saxophonsoli müssen draußen bleiben, und was die beiden als Begleitmusiker auftretenden Herren, die rechts und links hinter Laptops und Tastaturen sitzen, den ganzen Abend über treiben, kann wahrscheinlich nur der Chaos Computer Club erklären. Außerdem: Da, wo keine Tourmucker mit Fretless-Bässen mitwirken, bleiben einem die bei Arenashows amerikanischer Superstars sonst üblichen Mätzchen wie der eklige, Nähe vortäuschende Akustikgitarrenblock im Mittelteil erspart. Woran nun aber soll man einen Auftritt von Britney Spears im Jahr 2011, knapp drei Jahre, nachdem ihr nach schwerer Krise ein beachtliches Comeback gelang, messen? Mancher mag es betrüblich finden, aber doch wohl daran, ob ihre Show guter Augenpop ist. Leider ist dies nur bedingt der Fall.

          Wie das bei solchen Event-Shows nun einmal ist, wird der weibliche Star von einer Szenerie zur nächsten gehetzt, die es zu durchtanzen gilt. Und so erlebt man Britney Spears als vermeintliche Femme Fatale im alten Ägypten, Britney Spears unter Rockern, Britney Spears im Fetischstudio und Britney Spears im Orient. Das Para-Avantgardistische einer Kylie Minogue oder die Akrobatik einer Pink hat ihre Show jedoch nicht; vieles hier sieht vielmehr aus wie ein Gay-Event des Kölner Karnevals in einer vor den Stadttoren gelegenen Riesendisco.

          Britney Spears kann im Wesentlichen zwei Dinge: tanzen und lachen. Dem harten Fan, der sie als herzigen Tanzflummi bejubelt, mag das reichen. Doch beschleicht einen am Ende ein geradezu absurder Gedanke: Wenn sie nicht weiter abstürzen will, sollte sie sich vielleicht doch wieder mehr auf die Musik konzentrieren.

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