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Bob Dylan wird 80 : Ein Mann für keine Tonart

  • -Aktualisiert am

Mürrischer Scherzkeks: Bob Dylan, 1965. Bild: Christie's Images Ltd/ARTOTHEK

Er ist ein wandelnder Widerspruch, doch über ihn sind die Leute sich verdächtig einig: Nicht nur Bob Dylan selbst hält sich für unsterblich. Nun wird er achtzig.

          4 Min.

          Es ist alles einigermaßen wahr, was man über ihn weiß, vieles steht geschrieben, manches ist sogar gesungen, und zwar von Bob Dylan persönlich. Wenn man sich die Interviews ansieht, die der Musiker gegeben hat, bekommt man einen guten Eindruck von diesem Mann, der fast krankhaft auf seine künstlerische Freiheit bedacht, aber am Anfang auch ein regelrechter Scherzkeks und Frechdachs war, der seinen Respekt vor anderen Leuten sorgfältig dosierte und von dem selten ernsthafte Auskünfte zu bekommen waren; der sich, vor allem in seiner Frühphase, vielmehr einen Spaß daraus machte, mit Nonsensantworten solche Fragesteller zum Besten zu halten, die es eigentlich gut meinten mit ihm, für die so eine Type wie er doch auch ganz neu war und die vielleicht gar nicht immer wussten, was sie ihn jetzt fragen sollten.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Mit der Zeit wurde Dylan dann etwas vernünftiger. Wenn man Glück und der Meister gute Laune hatte, konnte man sich mit ihm sogar halbwegs normal unterhalten. Heute wissen wir allerdings, dass das nur Notwehr war. Über die Zeit seiner größten, von keinem anderen Rockmusiker erreichten Schaffenskraft sagte er: „Man hätte mich in dieser Phase in Ruhe lassen sollen.“ Leider ist es dafür zu spät.

          Der „Shakespeare seiner Generation“

          Viel vom dümmeren Zeug, das zumal der jüngere Dylan von sich gegeben hat, ist jetzt nachzulesen in dem von Heinrich Detering herausgegebenen Band „Bob Dylan – Ich bin nur ich selbst, wer immer das ist“. Neuerdings bildet er sich ein, er wäre Anne Frank, Indiana Jones, die Rolling Stones, Edgar Allan Poe und Walt Whitman in einem; aber so etwas muss man nun wirklich nicht mehr glauben. Bei der New York Times glaubt man aber wahrscheinlich immer noch, dass er der „Shakespeare seiner Generation“ wäre, was schon deswegen nicht stimmen kann, weil Dylan selbst immer bestritten hat, überhaupt einer Generation anzugehören.

          Nennen wir ihn also weiterhin „Bob Dylan“. Aber wer war das noch mal? Dafür, dass er von nichts eine Ahnung haben will, hat er es weit gebracht: inzwischen zum wahrhaft alten weißen Mann, der niemandem mehr ein Dorn im Auge ist und der im Prinzip machen kann, was er will, man zerbricht sich sofort den Kopf darüber. Selbst Leute, von denen man bisher gar nicht wusste, dass sie mit ihm auch nur irgendetwas am Hut hätten, reden inzwischen mit, nachzulesen zum Beispiel in dem gerade von Stefan Aust und Martin Scholz herausgegebenen Buch „Forever Young – Unsere Geschichte mit Bob Dylan“, in dem durchweg Personen aus Kultur und Politik sich über ihn auslassen, die ebenfalls schon älteren Baujahrs sind. Als Dylan selbst noch jung war, wollte man ihn mit der Bemerkung aus der Reserve locken, dass ihn ja nur Sechzehn- bis Fünfundzwanzigjährige gut fänden. Und er sagte, wie immer um keine Antwort verlegen: „Ich sehe nicht, was daran so seltsam sein soll, dass diese Altersklasse meine Musik hört. So schlau bin ich auch, dass ich weiß, dass es nicht die Fünfundachtzig- bis Neunzigjährigen sind.“ Lange ist es her.

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