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Lächeln lasse sie schwach und machtlos fühlen, sagte Billie Eilish in einem Interview Bild: Bella Howard/Kintzing/Picture Press

Popstar Billie Eilish : Zum Teufel mit der Traurigkeit

Billie Eilish, diese Sängerin, die so voller Weltschmerz und Lebensweisheit auftritt, ist erst 17 Jahre alt, ein Popstar, und kein Mensch über 19 hat je von ihr gehört. Darf man als Erwachsener von ihr schwärmen?

          6 Min.

          Es war ein ungünstiger Moment, als Billie in mein Leben trat, es war mal wieder keine Zeit und viel zu viel zu tun, der Körper müde, der Kopf noch im Büro, die Ohren voller Kinderfragen, Papa, wo ist das, Papa, darf ich dies, Papa, guck’ mal hier. Und so kam auch das Anliegen der Ältesten nicht gleich als die wertvolle Einladung in ihre Wirklichkeit daher, die es doch war, sondern zunächst nur als weitere Pflicht: Sie hätte einen neuen Song auf ihrer Playlist, den ich mal anhören müsse, unbedingt, und sie tänzelte leicht, so, wie sie es oft tut, wenn ihre Aufgeregtheit nach einem Ausdruck sucht und eine Form irgendwo zwischen kindlicher Übersprungshandlung und Social-Media-geschulter Selbstdarstellungspose findet.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nun ist es theoretisch natürlich ein Traum, als Vater in die Playlists seiner 14-jährigen Tochter eingeweiht zu werden, egal, ob man das als Anerkennung der eigenen musikalischen Zeitgenossenschaft wertet oder nur als Zeichen von Zuneigung. Praktisch ist es meistens – na ja. Die Songs, die sie mir bisher präsentierte, waren, wenn sie nicht direkt aus der Hölle des Formatradios stammten, manchmal ganz nett, oft sehr harmlos, tausendmal gehört. In ihrem Alter hat sie selbstverständlich jedes Recht auf industriell produzierten Plastikpop, für meines klang es oft wie die schlechte Kopie des industriell produzierten Plastikpops, den ich als Teenager hörte: wie ein Witz, den man zu oft gehört hatte, nur mit Autotune. Und immer, wenn ich glaubte, sie mit etwas begeistern zu können, das ich für die Musik ihrer Generation hielt, mit Songs von Beyoncé etwa, St. Vincent oder Santigold, zeigte sie zwar viel Interesse, aber meist nur kurze Leidenschaft. So tröstete ich mich mit der These, dass ein gemeinsamer Musikgeschmack von Eltern und ihren Kindern der Idee des Pop sowieso komplett widersprechen würde, und legte ihre Zurückweisung als zärtlichen Akt der Rebellion aus. Und dann kam Billie.

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