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Besuch bei den Fab Four : Beatles-Werk und Liverpools Beitrag

Liverpooler Stadtansicht

Seit 2004 ist die historische Hafenstadt Weltkulturerbe der Unesco. An der Skyline lässt sich die Entwicklung Liverpools ablesen, das, als es ihm nicht mehr gut ging, wie um dem Abstieg zu trotzen, sich modisch geschnittene Hochhäuser und schiefe, dekonstruktivistisch auftrumpfende Blocks mit schwarz verspiegelten Fenstern leistete. Den Mittelpunkt behaupten, konkurrenzlos in ihrer Pracht, die „Drei Grazien“ am Pier Head: Die bis zu dreizehn Geschosse hoch ragenden, aufwendig geschmückten Neorenaissancepaläste von Royal Liver, Cunard-Reederei und Hafenverwaltung wurden zwischen 1907 und 1914 errichtet und boten Millionen von Auswanderern den letzten Blick auf die Alte Welt.

Grazien grüßen, graubraune Brühe gluckert

“Ferry cross the Mersey ’cause this land’s the place I love and here I’ll stay“ - nein, das singen nicht die Beatles, sondern Gerry & the Pacemakers, denen ihre Heimatstadt einen weiteren, noch bekannteren Hit verdankt: „You’ll never walk alone“, die inoffizielle Hymne des FC Liverpool. „Ferry ’cross the Mersey“ scheppert aus den Lautsprechern der Fähre, die vom Pier Head über den hier zwölfhundert Meter breiten Fluss tuckert. Die Landungsbrücken sind für die Pendlerströme ausgelegt, die zur Arbeit herüberkommen, werktags verkehrt die Fähre im Zwanzig-Minuten-Takt, am Wochenende nur jede Stunde. Sicherheitsdurchsagen wie vor einem Transatlantikflug, die graubraune Brühe gluckert bedrohlich und wechselt mit den Gezeiten die Richtung.

In Seacombe, auf der anderen Seite in Birkenhead, haben sich die wenigen Passagiere schnell verkrümelt, an einem verregneten Sonntagmittag ist hier der Hund begraben. „Wo wollen Sie hin, nach Port Sunlight?“ fragt der uniformierte Fährbahnhofsvorsteher, „da wären Sie besser die nächste Station, in Woodside, ausgestiegen!“ - „Und was gibt’s hier zu sehen?“ - „Nothing much!“ entfährt es ihm trocken, die beiden kurzen „a“-Laute verdunkeln zum „u“, einem kurzen und einem langen: „Nuthing mooch!“

Der Bus ist weg, das Taxi lässt auf sich warten. Durch eine abgewrackte Hafenlandschaft der Brachen, verfallenden Lagerhäusern, Verwaltungsbauruinen, Speditions- firmen, Siedlungsresten und leerstehenden Docks mäandert die Fahrt. Hier ist Cammell Laird, einst die größte Schiffswerft der Welt, zu Hause. Das Unternehmen gibt es noch, ein einziges Dock ist wieder in Betrieb, Schiffe werden nicht mehr gebaut, nur repariert. Ausfallstraßen, ein Kreisverkehr, dann noch einer, eine Biege nach rechts, und wir landen in - nein, das Regenwetter lässt keine Fata Morgana zu - einer Gartenstadt aus dem viktorianischen Bilderbuch: Port Sunlight.

Liverpool, offene Stadt

Noch vor den Konzepten von Ebenezer Howard hat sie der Seifenfabrikant William Lever zwischen 1888 und 1914 für seine Arbeiter und Angestellten - mit Schulen, Kirche, Krankenhaus, Theater, Konzerthalle, Freibad, Hotel - anlegen lassen und nach seinem bekanntesten Produkt benannt: Sunlight. Achthundert Häuser insgesamt, keines wie das andere. Das Werk eines philanthropischen Unternehmers, der seinen Reichtum teilen, seine Mitarbeiter aber nicht beteiligen, sondern versorgen wollte. Die Fabrik, damals Lever Brothers, gibt es bis heute: Unilever. Die Mitte der Siedlung besetzt ein Tempel: Die Lady Lever Art Gallery, 1922 eröffnet und vollgestopft mit Gemälden, Skulpturen, Möbeln und vor allem Porzellan, besitzt die größte Wegdwood-Sammlung weltweit.

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