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Besuch bei den Fab Four : Beatles-Werk und Liverpools Beitrag

Von links nach rechts: John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr im Jahr 1963

Es ist ein Monument des Optimismus, das da 1967, von fast überall in der Stadt sichtbar, auf den Mount Pleasant gesetzt wurde. Denn eine Gemeinde, die dermaßen klotzt, kann keine Nachwuchssorgen haben und muss gut bei Kräften sein: 56 Stufen sind es von der Straße hinauf, und der - wohl nachgerüstete - barrierefreie Zugang leitet Rollstuhlfahrer auf eine serpentinenreiche Bergtour durch eine Grünanlage. Mehr als zweitausend Gläubige finden Platz, die im Kreis um den Altar sitzen, popbunt strahlen die Glasfenster.

Die moderne Konstruktion lässt das Strebewerk so nach oben auslaufen, dass es die Abstraktion einer Dornenkrone darstellt. Die Indianerzeltform hat der Kirche den Spitznamen „Paddy’s Wigwam“ eingetragen: Die vielen Iren, die seit der großen Hungersnot Mitte des neunzehnten Jahrhunderts herüberkamen, machten Liverpool zur Stadt mit dem höchsten Anteil an Katholiken in Großbritannien.

Gleich gegenüber der Kathedrale wertet das Medical Institute, das den ältesten halbrunden Hörsaal der Stadt beherbergt, die Straßenecke mit einer gebogenen Säulenreihe zur klassizistischen Sehenswürdigkeit auf. Sein Nachbar ist das Everyman Theatre, das, nachdem sein Siebziger-Jahre-Kasten abgerissen wurde, gerade ein neues Haus erhält, und an der nächsten Ecke folgt die Philharmonic Hall, wo Simon Rattle seine ersten Konzerte hörte. Das 1939 nach einem Brand neu aufgebaute Art-déco-Theater aus beigen Klinkern spielt mit seinen Kurven und ausbuchtenden Treppenhäusern auf die Architektur der Luxusdampfer an. Noch eine Ecke weiter, im Blackburne House, eröffnete 1844 das erste Mädchengymnasium des Landes. Dazwischen drängen sich Bars, Restaurants und in der Mitte das Hope Street Hotel, das eine alte Reparaturwerkstatt, „The London Carriage Works“, in einen Gourmet-Tempel verwandelt hat.

Campus, Kunstszene, Kreativwirtschaft

Campus und Kunstszene, Kreativwirtschaft und Tourismus stoßen miteinander an. Nirgends, sagen Einheimische, boomt die Stadt so sehr, nirgends sieht sie so jung, lebendig, aufstrebend aus. Dabei gibt es auch Leerstand: „To let“ steht in vielen Fenstern, ein Teil der Frauenklinik wie auch die kleine Kirche St. Andrews in der parallelen Rodney Street werden in Studentenwohnheime umgebaut, und in die schon länger aufgegebenen Gebäude der Polizeistation und der Blindenschule will sich das Hope Street Hotel ausdehnen. Straße der Hoffnung? Doch den Namen verdankt sie einem Kaufmann: William Hope.

Auch die Liverpool Cathedral am anderen Ende liegt auf einer Anhöhe, doch die tiefe, als Park angelegte Senke, die sie von der Straße trennt, sichert ihr eine insulare Alleinstellung: Mächtig überragt die trutzige Kirchenburg aus rotem Sandstein die Stadt. Wer ihren fünfunddreißig Meter hohen Innenraum betritt, kommt sich klein vor. 1903 im neugotischen Stil begonnen, wurde sie erst 1978 vollendet. In einer Nische steht eine rote Telefonzelle. Denn auch dieser Klassiker wurde von Giles Gilbert Scott, der als dreiundzwanzigjähriger Student den Wettbewerb für die Kathedrale gewann, entworfen und ist der Bestseller des Besuchershops. Scott war Katholik, Frederick Gibberd, der Architekt der katholischen Kathedrale, Anglikaner. Was im Stadtbild als Konkurrenz der Konfessionen aufmarschiert, rüstet der zweite Blick ab: Die Kreativmeile ist auch eine Zweibahnstraße der Ökumene.

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