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„White Album“ der Beatles : Darf man an den Kronjuwelen der Popmusik feilen?

  • -Aktualisiert am

Manches sagten die Beatles 1968 eben doch durch die Blume. Bild: Universal Music/Apple Corps Ltd.

Das „Weiße Album“ der Beatles ist eine Ausnahme: Fünfzig Jahre nach seinem Erscheinen liegt es mit zeitgemäßem Sound vor – eine Offenbarung.

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          Was konnte nach diesem Glanzstück noch kommen? Wie sollte man die psychedelische Opulenz von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ übertreffen? Gar nicht! Instinktiv spürten die Beatles 1968, dass nach dem verrätselten Gesamtkunstwerk mit seinen revolutionären Aufnahmetechniken, einem für die Rockmusik gänzlich ungewohnten Instrumentarium, einer skrupulösen Dramaturgie und einer farbenfrohen Bildcollage nur das vollkommene Gegenteil genügen würde. Tabula rasa! Künstlerischer Fortschritt konnte nur durch Emanzipation vom aktuellen Image entstehen. Also entschloss man sich in bester Pop-Art-Strategie nicht nur zu einer losen Songfolge, eingespielt mit weitgehend konventionellen Instrumenten, sondern auch zu einem rein weißen Cover, das allein durch die fortlaufende Numerierung auf der Vorderseite individualisiert wurde. Wo Peter Blake mit einer Vollversammlung prominenter Köpfe und historischem Klamottenzauber gewuchert hatte, setzte sein Künstlerkollege Richard Hamilton jetzt auf eine erwartungsvolle Leere: die Schallplattenhülle als offene Projektionsfläche für die Erwartungen, Träume und Mythologien ihrer Käufer. Das „Weiße Album“ war geboren, von seinem ursprünglichen Titel „The Beatles“ sollte bald kaum noch jemand Gebrauch machen.

          Jetzt kann man das einzige Doppelalbum der Beatles in einer Intensität erleben wie nie zuvor. Zum fünfzigjährigen Bestehen erscheint eine Super-Deluxe-Edition (Apple/Universal Music) mit 107 Songs auf sechs CDs: Neben den 27 rein akustisch eingespielten „Esher Demos“, die bisher nur als Bootleg in schlechter Qualität zu haben waren – eingespielt in Harrisons Bungalow in Esher, südwestlich von London –, finden sich weitere fünfzig Outtakes/Alternate Takes, welche die langsame Evolution des Albums dokumentieren. Im Zentrum der Neuveröffentlichung aber steht der Remix von Giles Martin, Sohn vom fünften Beatle George Martin.

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