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Barbara Schöneberger : Überleben im Fernsehen

  • Aktualisiert am

Keine Lust mehr auf „Arbeitszuteilung”: Barbara Schöneberger Bild: dpa

Seit dem Ende ihrer Talkshow „Blondes Gift“ geistert Barbara Schöneberger eher haltlos durch die Medienlandschaft. Jetzt singt sie auch noch. Ein Interview über ihre Karriere, das deutsche Fernsehen, Quotendruck und Leute, denen sie beim Versagen zuguckt.

          5 Min.

          Mit ihrer Talkshow „Blondes Gift“ machte Barbara Schöneberger Anfang dieses Jahrhunderts auf sich aufmerksam. Seither geistert sie eher haltlos als Moderatorin durch die Medienlandschaft, wird als „Allzweckwaffe“ bezeichnet, aber die Munition scheint ihr ausgegangen zu sein. Jetzt wendet sie dem Fernsehen den Rücken und startet eine Karriere als Sängerin. In einem Hamburger Café redet sie über die Schwierigkeit, sich im Fernsehen schadlos zu halten.

          Sie gehen mit dem Berlin Pops Orchestra auf Tournee. Wie kam es dazu?

          Ich kenne den Leiter des Berlin Pops Orchestra schon länger. Die Art von Musik, die die machen, passt am besten zu dem, was ich machen will. Singen will ich, weil einen das, soweit ich das beurteilen kann, extrem glücklich macht. Auf dem Weg zum Tode begegnen einem ja viele Sachen, auf die man Lust hat, dann muss man sie ausprobieren, und ich hab' glücklicherweise immer die Chance gehabt, alles ausprobieren zu können.

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          Barbara Schöneberger : Überleben im Fernsehen

          Sie haben sich früher gerne negativ darüber geäußert, wenn Soap-Darsteller plötzlich anfingen zu singen.

          Ja, das kam für mich immer gleich nach Unterwäsche-Kollektion. Aber es gab ja auch viele, die deshalb gesungen haben, weil sie dachten, sie könnten damit noch mal richtig Kohle machen. Das ist ja heute nicht mehr so. Das ist ja lächerlich, was man pro CD kriegt. Für mich ist das so: Ich habe da jetzt Lust drauf, und dann mache ich das. Ich habe keine Lust mehr auf Arbeitszuteilung.

          Sie gehen also nicht nur auf Tournee, sondern bringen auch eine CD raus?

          Zuerst war ich davon nicht so begeistert, weil ich dachte, Deutschland wartet nicht auf eine CD von Barbara Schöneberger. Ich selbst würde auch keine CD von mir kaufen. Dann habe ich diese Produzenten kennengelernt, und wir haben die Texte gemacht, wo ich wirklich Britney-Spears-mäßig sagen kann, in dem Album ist unheimlich viel von mir drin. Wir kannten uns nicht, dann hab' ich denen erzählt, wie es bei mir ist und wie ich Männer finde. Daraus haben sie Texte gemacht, dazu klasse Musik, und jetzt finde ich es richtig toll.

          Haben Sie eine Gesangsausbildung?

          Nein. Es gibt eine Frau aus Leipzig, die mir gute Tipps gegeben hat, hier kannst du es ein bisschen leiser singen, da ein bisschen lauter. Die hat zu mir gesagt (sächselt): Du hast eine Naturstimme.

          Sehen Sie viel fern?

          Zurzeit ja, weil ich in der Jury des Deutschen Fernsehpreises bin. Da habe ich an die 450 DVDs geguckt. Ich hab' alle guten Spielfilme gesehen, alle guten und schlechten Shows, viel hatte mit Kochen zu tun und mit „Leuten beim Versagen zugucken“.

          Und beim Auswandern.

          Ja. Sie versagen dabei, sich in Deutschland zu etablieren, und dann versagen sie auch noch dabei, sich im Ausland zu etablieren. Und dann guckt man dabei zu, wie sie versagen, ihre Kinder zu erziehen, sie versagen, ihre Wohnung einzurichten, sie versagen, ihr Gewicht zu reduzieren. Sie versagen auf der ganzen Linie, und ich hab' dabei zugeguckt.

          „Blondes Gift“ war ein tolles Format.

          Fand ich auch.

          Jetzt scheint das, was Sie im Fernsehen machen, etwas ziellos.

          Ich versuche einfach, mich im Fernsehen zu halten. Das ist auch eine Zeit der Überbrückung, weil ich keine Lust hatte, die festen Formate, die man mir angeboten hat, zu moderieren. Da hältst du dein Gesicht dafür hin, dass andere Leute ihre Themen über dir ausschütten. Die zahlen viel weniger, als gemeinhin angenommen wird, wenn du abends vor 20 Uhr moderierst, und dafür begehst du sozialen Selbstmord. Das muss nicht sein, da kann ich auch wieder Zeitungen austragen, das kriegt dann wenigstens keiner mit.

          Heißt das, es gibt im Fernsehen keinen Platz für Ihr Talent?

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