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Metal-Band System of a Down : Warum wir alle schreien sollten

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Sie schreien, damit der Völkermord an den Armeniern nicht in Vergessenheit gerät: die Band „System of a Down“ Bild: Postiar.com

Die Mitglieder der Metal-Band System of a Down haben armenische Wurzeln und kämpfen gegen das Vergessen des Völkermords. Ihr Protest ist politisch und persönlich motiviert.

          Darf, ja muss Musik politisch sein? Wer der amerikanischen Alternative-Metal-Band System of a Down zuhört, kommt zu der eindeutigen Antwort: Ja, sie muss. Da sind zunächst die treibenden Gitarrenriffs und das hämmernde Schlagzeug, die zusammen wohl kaum eindrücklicher das Feuer eines Maschinengewehrs wiedergeben könnten. Und da ist der Gesang, besser das Geschrei, von Serj Tankian. „I think we should all be screamers“ – Ich denke, wir sollten alle Schreier sein, brüllte Tankian in der britischen Dokumentation „Screamers“ aus dem Jahr 2006. Der Film der Regisseurin Carla Garapedian beschäftigt sich mit einem der zentralen Themen der Band, dem Völkermord in Armenien. Das politische Engagement von System of a Down zieht sich durch die gesamte Dokumentation. Alle vier Bandmitglieder haben armenische Wurzeln.

          Zum hundertsten Jahrestag des Genozids ist die Band nun auf einer „Wake up the Souls“-Tour, die an diesem Donnerstag ihren Höhepunkt in der armenischen Hauptstadt Eriwan findet. Es wird das erste Konzert der Band im Land ihrer Abstammung sein, wo sie fast als Volkshelden verehrt werden. Die Polizei erwartet einen solchen Andrang für das kostenlose Konzert, dass sie angekündigt hat, man werde den zentralen Platz der Republik bei 50.000 Zuschauern sperren, und man solle gut planen, wenn man dabei sein wolle. Aram Hamparian vom Armenian National Comittee of America sagt in „Screamers“, dass die Menschen dank System of a Down mehr über den Genozid gelernt hätten als aus allen anderen Quellen zusammen.

          „Es ist auch eine persönliche Sache.“

          Schon auf dem ersten Album der Band mit dem Titel „System of a Down“ 1998 war der Song „P.L.U.C.K.“ (das steht für „politically lying, unholy, cowardly killers“), der vom armenischen Genozid handelte. Tankian singt darin: „A whole race Genocide, taken away all of our pride“ („Genozid eines ganzes Volkes, man hat uns den Stolz genommen“). Tankians Großeltern überlebten den Genozid, verloren aber einen Großteil ihrer Familien dabei. In einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Radio NPR in den Vereinigten Staaten sagte Tankian vor wenigen Tagen, manche Menschen betrachteten das Engagement der Band als rein politisch. Aber sie alle hätten schon als Kinder die Geschichten ihrer Familien gehört und seien dadurch geprägt worden. „Es ist auch eine persönliche Sache.“

          Jahrzehntelang kämpfte die Band unbeirrt gegen das Vergessen des Völkermords, denn selten war die Aufmerksamkeit für das Thema in der Öffentlichkeit so groß wie zurzeit. Dabei nutzt ihnen auch ihre immer größer werdende Bekanntheit. 2006 gewann die Band einen Grammy, bis heute hat sie mehr als 40 Millionen Alben verkauft. Der aktuellen Tour gingen mehrere „Souls“-Konzerte voraus, die auch der Erinnerung an den Völkermord gewidmet waren. Die Band fordert eine Anerkennung des Genozids auch in der Türkei und eine Aufarbeitung. Es gebe auch im 21.Jahrhundert noch Völkermorde, weil die Verantwortlichen im 20.Jahrhundert davongekommen seien. Hitler wird in „Screamers“ mit den Worten aus dem Jahr 1939 zitiert: „Wer erinnert sich an die Armenier?“ Er habe damit gegen Kritiker argumentiert, die befürchteten, international für den Holocaust belangt zu werden. Dieses internationale Wegsehen sei heute etwa in Syrien ein ähnliches Problem, sagte Tankian Anfang des Jahres im „Rolling Stone“. Immer wieder kritisiert die Band auch die Politik der Vereinigten Staaten. Lieder wie „Prison Song“ greifen Probleme wie den Zusammenhang zwischen der Antidrogen-Politik und den überfüllten amerikanischen Gefängnissen auf.

          Neigung zu großen Gefühlen

          Der Name System of a Down, der auf ein Gedicht des Gitarristen der Band, Daron Malakian, zurückgeht, hat auch eine direkte Verbindung zum Völkermord. In „P.L.U.C.K.“ heißt es: „The plan was mastered and called Genocide/Took all the children and then we died/The few that remained were never found/All in a system of Down!“: ein verkommenes politisches System, geprägt von Korruption und Hass.

          Es sei nie profitabel, Menschen vor einem Völkermord zu bewahren, sagt Tankian in „Screamers“. Die Welt müsse ihre Prioritäten überdenken. „Solange das nicht passiert, wird es weiterhin Genozide geben, Holocausts, und wir als Planet werden diesen Holocaust gemeinsam durchleben.“

          Die Band belässt es aber nicht bei einer gesellschaftlichen und politischen Kritik und ihrem eigenen Engagement. Vielmehr fordert sie ihre Fans auf, selbst aktiv zu werden. Nichts zu tun sei inakzeptabel, sagt Tankian. „Diese Band haben wir nur gegründet, damit ihr anfangt, Fragen zu stellen.“ Diese Aussagen mögen für manche vielleicht zu allgemein und pathetisch klingen. Aber ähnlich wie das Staccato der Gitarren und des Schlagzeugs nicht jedermanns Sache ist, verfehlt es doch seine Wirkung nicht: Es rüttelt die Menschen auf und berührt sie. Da zeigt sich dann doch die amerikanische Herkunft der Band und deren Neigung zu großen Gefühlen.

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