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Asiens Popkultur : Das ist die perfekte Welle

So hält Kim Sung-su, der Direktor einer vor einem Jahr gegründeten staatlichen Schule für Serienproduzenten, Emotionalität auch für das wichtigste Merkmal der nationalen Fernsehserien. Attraktiv seien die Serien allerdings auch durch das gesetzte Mittelstandsambiente, das die Kulisse der Dramen und eine unerschöpfliche Quelle für das Product Placement von Autos, Mobiltelefonen und Kosmetikmarken abgibt. Und im Übrigen seien die Produktionen gründlicher geworden: Während in den fünfziger Jahren an einem Tag die Folgen einer ganzen Woche gedreht wurden, lasse man sich heute für zwei Folgen à 75 Minuten eine Woche Zeit.

Brummeln von „Kommunismus“

Das große, wilde Gefühl scheint da also durch eine Mischung aus Konfuzianismus und kapitalistischer Produktionsweise wieder in Zucht genommen zu werden. Vielleicht macht beides zusammen jene Katharsis auf Koreanisch aus, die zumal in Asien auf viele so anziehend wirkt. Dann wäre die koreanische Welle so etwas wie eine auf den Kopf gestellte, popkulturelle Variante des Konzepts des „ökosystemischen Wachstums“, mit dem Präsident Lee Myung-bak neuerdings das Profitstreben der großen Konglomerate zu zügeln versucht.

Das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre war den mittleren und kleineren Unternehmen, die den großen als Zulieferer dienen, nur wenig zugutegekommen; der soziale Druck und die Arbeitslosigkeit im Land steigen. Doch die Aufforderung des Präsidenten, das Wachstum zu „teilen“, stößt auf Unmut; der Samsung-Chef soll sogar etwas von „Kommunismus“ gebrummelt haben.

Die dritte Phase

Die Universalisierung, die die Konglomerate schon hinter sich haben, steht der Kultur noch bevor. Die führende koreanische Produktionsgesellschaft SM Entertainment erhebt mit ihrer systematischen, drei bis sieben Jahre dauernden Perfektionierung von Talenten Anspruch auf den Begriff „Kulturtechnologie“: Selbige sei, verkündet die Firma, gerade in ihre dritte Phase eingetreten. In der ersten wurden die eigenen Produkte einfach nur exportiert - so wie die Sängerin Boa, die Japanisch lernte und dann in Japan ein Superstar wurde. In der zweiten Phase gehen koreanische Gruppen Koproduktionen mit ausländischen Partnern ein, so wie Kang Ta dies mit der taiwanischen Sängerin Vanness Wu getan hat.

In der dritten Phase nun wird das Produkt von vornherein auf einen ausländischen Zielmarkt hin mitkonzipiert, etwa indem Sänger, Choreographen oder Komponisten des betreffenden Landes einbezogen werden. So können die gleichen Stücke und Gruppen in unterschiedlichen kulturellen Versionen angefertigt werden und sich überall lokal anhören. Aus dem koreanischen Hallyu wird „globales Hallyu“, sagt Lee Soo-Man, der Gründer von SM Entertainment, in seinen Vorlesungen - eine Art universelle Musik. Nur dass ihr Ursprungsort nicht mehr, wie man das von universeller Musik bis gerade noch gewohnt war, in Amerika oder Europa, sondern in Südkorea liegt, einem vergleichsweise kleinen Land in Asien.

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